Zum Gedenken

Sie war die erste Frau Gemeindeammann im Bezirk Baden – jetzt ist Claudia Faber gestorben

Claudia Faber war nicht bekannt für lange Reden, vielmehr schätzte sie die Arbeit in Ruhe.

Claudia Faber war nicht bekannt für lange Reden, vielmehr schätzte sie die Arbeit in Ruhe.

Zum Tode von Claudia Faber-Amrein (12. 4. 1929 - 31. 12. 2019), die die Gemeinde Oberrohrdorf während sechs Jahren führte.

Am Donnerstag vergangener Woche hat eine grosse Trauergemeinde in der Martinskirche Oberrohrdorf in einem eindrücklichen Gottesdienst Abschied genommen von Frau Claudia Faber. Sie war von 1988 bis 1993 Gemeindeammann von Oberrohrdorf.

Die Familie Faber ist 1964 von Rieden bei Nussbaumen in ihr neues Haus in Oberrohrdorf eingezogen mit drei Töchtern im Schulalter. 1967 kam noch die Jüngste zur Welt. Vater Guy Faber arbeitete als Werkstoffingenieur bei der damaligen BBC in Baden.

Claudia Faber war ein sicherer Wert unserer CVP-Ortspartei in Oberrohrdorf. Mit ihrer guten Ausbildung und ihrer tüchtigen Art wurde sie 1966 in die Schulpflege, 1982 in den Gemeinderat gewählt; als Vizeammann löste sie Gemeindeammann Ernst Fischli 1988 in seinem Amt ab und war damit erste Frau Gemeindeammann im Bezirk Baden. Das war ein stolzer Erfolg unserer damaligen CVP.

Als ich 1990 selber in den Gemeinderat gewählt wurde, lernte ich Claudia Faber als fleissige, immer gut vorbereitete Kollegin kennen. Sie führte uns kompetent, dossierfest, kollegial, nie überheblich. Von ihrem guten Beispiel angetan, verlangte ich von mir mindestens das Gleiche.

Ich konnte damals noch miterleben, wie von Frauen, die solche Männerbastionen wie das Amt des Gemeindeammanns erobert hatten, mehr verlangt wurde als üblich. Sie mussten sich in jeder Beziehung als gut wenn nicht als besser beweisen.

Claudia Faber hatte das Ressort Finanzen inne und musste an den Gemeindeversammlungen ihre Finanzkenntnisse jeweils einem kritischen Publikum unter Beweis stellen. Einmal meinte ein Stimmbürger geringschätzig, dass «ihre Milchbüechlirechnung» in einer Gemeinde wie Oberrohrdorf halt nicht immer aufgehe.

Nach einer recht stürmischen Gmeind, an der ihr die Budgetgenehmigung nicht erteilt wurde, fragte sie mich anderntags verzweifelt: «Was habe ich gestern falsch gemacht?» Ich wusste es auch nicht und tröstete sie mit dem Spruch, den ich einmal gelesen hatte: «Wer keine Feinde hat, hat keinen Charakter.»

Lange Reden lagen ihr nicht. Sie schätzte die Arbeit in Ruhe im Büro und suchte nicht das Rampenlicht. Doch in trauter Runde konnte sie auftauen und von früher erzählen, vom Handeli in Aarau (Wirtschaftsklasse der Kantonsschule Aarau), von ihrer Jugendzeit in Wettingen, vom Kampf um ihre Schweizerstaatsbürgerschaft, als sie sich mit Guy Faber, einem luxemburgischen Staatsangehörigen verheiratet hatte, und wenn es später wurde, sang man mit ihr die alten Jungwacht und Blauringlieder wie «Im Frühtau zu Berge» oder «Wir ziehen über die Strassen».

Der Unfalltod einer Tochter auf dem Weg zur Bezirksschule Baden war ein trauriger Einschnitt in ihrem Familienleben. In unserer aufstrebenden Gemeinde Oberrohrdorf besorgte ihr das Amt viele Planungsaufgaben, wie Bauzonenüberarbeitung, Kulturlandplanung, mehr Platz schaffen für die Gemeindeverwaltung, und dies immer unter dem Aspekt eines möglichst niedrigen Steuerfusses.

In Erinnerung an meine Vorgängerin, Claudia Faber, blicke ich mit grosser Dankbarkeit an unsere gemeinsame Zeit im Dienst der Gemeinde Oberrohrdorf zurück. Möge Claudia Faber im Frieden ruhen, den sie immer gesucht hat.

* Toni Merki ist alt Gemeindeammann von Oberrohrdorf

Meistgesehen

Artboard 1