«Hallo zusammen, ihr könnt euch aus dem Kühlschrank etwas zu trinken nehmen. Ich komme danach gleich an euren Tisch die Bestellungen aufnehmen.» Mit diesen Worten begrüsst die Inhaberin und Wirtin des Restaurants Äntli an der Landstrasse ihre Gäste. Man merkt gleich, hier ist man unkompliziert. So stellt sich Christine auch gleich mit Vornamen vor, das Duzen pflegt sie auch mit ihren Gästen.

Die 26-Jährige führt das «Äntli» zusammen mit ihrer Mutter Banh Le seit gut zwei Jahren. Sie wollen die Kochkünste ihrer Mutter ihren Gästen näher bringen, sagt Christine: «Kochen ist in meiner Familie sehr beliebt. Praktisch alle haben vietnamesische Gerichte im Griff. Mehrere Verwandte führten oder führen auch in Deutschland Restaurants.» Christine steht neben ihrer Mutter selbst in der Küche. Unterstützt werden die beiden von einer weiteren Mitarbeiterin sowie donnerstags von der Tante. Alle Frauen stammen aus Vietnam. Das sei sehr wichtig, sagt Christine: «Wenn man die vietnamesische Küche wie die Schweizer Gerichte kennt, weiss man, wie es schmecken sollte. Rösti frittiert man nicht, sie gehört in die Pfanne bei einer bestimmten Temperatur.»

Über Umwegen zum «Äntli»

Den Wunsch, ein eigenes vietnamesisches Restaurant zu führen, hatte Christines Mutter Banh schon seit einigen Jahren. Erfüllen konnte sich die 56-Jährige diesen erst nach Jahren voller Geduld: «Ich wanderte nach dem Vietnamkrieg nach Deutschland aus. Da lernte ich den Vater von Christine kennen, der auf Reisen aus Zürich war. Nach der Geburt von Christine und der Scheidung liess ich mich schliesslich in Wettingen nieder.» Ihre vietnamesischen Kochkünste zeigte Banh zuerst im Restaurant Lotus-Vietnam in Schlieren – vorerst ohne Mithilfe der Tochter. Christine stieg erst vor zwei Jahren ein, mit der Neueröffnung des «Äntli» in Wettingen: «Meine Mutter hat viele private Kontakte hier und wollte deshalb unbedingt ein Restaurant im Ort führen. Ich wollte nach einigen Jahren als Angestellte in der Eventorganisation etwas Eigenes haben. So entstand die heutige Situation.»

An der Tagesordnung im «Äntli» sind verschiedenste vietnamesische Gerichte, von gebratenem Reis über Frühlingsrollen bis hin zu knuspriger Ente. Hergestellt werde das Meiste vom Küchenteam selbst, sagt Christine: «Nur Roh-Zutaten wie Sojasauce oder Sesamöl kaufen wir ein.» Hitzig werde es bei der Produktion in der Küche manchmal nicht nur in den Pfannen: «Zu Stosszeiten geht es auch ruppig zu und her. Aber das gehört dazu. Wir sind trotz der Hektik ein eingespieltes Team und performen entsprechend gemeinsam.»

Der engen Küche ist es neben dem überschaubaren Personal auch geschuldet, dass umfangreichere Cateringaufträge nicht immer wie gewünscht klappen, bedauert Christine: «Es kommt leider vor, dass wir an unsere organisatorischen Grenzen gelangen, das ist natürlich nicht schön.»

Das Führen des Restaurants verlangt denn auch viel ab. Freizeit müssen Mutter und Tochter sorgfältig planen, sagt Christine: «Im Sommer ist das Restaurant jeweils für zwei Wochen geschlossen.» Ansonsten bleibe meistens nur am Sonntag Zeit für Kollegen, wobei auch da Esswaren vorbereitet werden. «Sonntags sind wir auf Entenjagd», witzelt Christine.