Niederrohrdorf

Seit Februar nicht mehr geflogen – Aargauer Swiss-Pilot vermisst die weite Welt

Marco Eggenschwiler im Cockpit: Im Mai fliegt er medizinische Fracht aus Tokio und Schanghai in die Schweiz.

Marco Eggenschwiler im Cockpit: Im Mai fliegt er medizinische Fracht aus Tokio und Schanghai in die Schweiz.

Marco Eggenschwiler aus Niederrohrdorf ist Pilot bei der Swiss. Seit Monaten ist der Aargauer nicht mehr geflogen. Obwohl ihm zu Hause nicht langweilig ist, sehnt er sich nach fernen Städten.

Eigentlich fliegt Marco Eggenschwiler als Co-Pilot auf der Langstrecke der SWISS drei- bis viermal im Monat in eine ferne Destination. Und er wäre genau jetzt, nach 10 Jahren als Copilot, in der Umschulung zum Kapitän auf der Kurzstrecke. Doch die Coronakrise hat auch den Alltag des 37-Jährigen auf den Kopf gestellt: «Da der Flugbetrieb bei Swiss momentan stark eingeschränkt ist, bin ich seit Ende Februar nicht mehr geflogen.» Nach wochenlanger intensiver Vorbereitung auf die Umschulung sei es ein Schock gewesen, als diese plötzlich abgebrochen wurde: «Inzwischen ist die Enttäuschung über den Abbruch und die Unsicherheit über die Zukunft aber klar der Zuversicht gewichen», sagt der Aargauer. Am Horizont zeichne sich ein Silberstreifen ab: Wegen steigender Nachfrage nach medizinischen und anderen Gütern, führt die Swiss inzwischen reine Frachtflüge mit ihren Passagierflugzeugen durch: «Im Mai darf ich deshalb sowohl nach Tokio als auch nach Schanghai fliegen, um dringend benötigte Güter in die Schweiz zu bringen.»

Marco Eggenschwiler vermisst einerseits das Fliegen an sich: «Es fasziniert mich auch nach vielen Jahren noch immer, so ein grosses Flugzeug fliegen zu dürfen und dabei Grönland von oben, den Sonnenaufgang über dem Himalaja oder das Lichtermeer von Los Angeles im Anflug bestaunen zu können.» Andererseits vermisse er die Aufenthalte in fernen Städten: «Die Möglichkeit, immer wieder Neues zu entdecken, mit meiner Crew die Stadt zu durchstreifen oder einen tollen Ausflug zu machen, das fehlt mir.»

Sport, Onlinekurse und viel Zeit mit seinem Sohn

Langweilig wird es ihm zu Hause in Niederrohrdorf momentan trotzdem nicht: «Ich mache regelmässig Sport, bilde mich mit Onlinekursen weiter oder verbringe viel Zeit mit meinem Sohn.» Er geniesse die Zeit zu Hause sehr: «Ich weiss gar nicht, wann ich in den letzten Jahren mal länger als ein paar Tage am Stück daheim war.»

Eggenschwiler ist Luftfahrt-Enthusiast. «Mir blutet das Herz, wenn ich sehe, wie stark unsere Branche getroffen wurde.» Trotzdem ist er zuversichtlich: «Ich hoffe, dass Airlines wie die Swiss, die bisher gut und vernünftig gewirtschaftet haben, gestärkt aus dieser Krise hervorgehen werden.» Aus dieser Zeit nehme er auch etwas mit: «Ich bin mir einmal mehr bewusst geworden, wie gerne ich meinen Beruf ausübe und wie privilegiert ich bin.» Er werde sich das nächste Mal nicht beklagen, wenn der Dienstplan mal nicht wie gewünscht ausfalle oder wenn er mitten in der Nacht aufstehen müsse, um fliegen zu gehen. Er freue sich, vorläufig wieder als Co-Pilot auf der Langstrecke eingesetzt zu werden, bis er irgendwann mit der Umschulung zum Kapitän fortfahren kann. «So schön es zu Hause auch ist, noch lieber fliege ich raus in die weite Welt.»

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