Der Frust bei Schulpflegepräsident Thomas Sigrist war gross, nachdem der Wettinger Einwohnerrat an der letzten Sitzung seinen Lohn um einen Drittel und jenen der anderen Mitglieder der Schulpflege um 20 Prozent gekürzt hatte. «Der Einwohnerrat schaute bei seinem Entscheid nur auf das Geld», sagt Sigrist. «Die Wertschätzung unserer Arbeit blieb dabei auf der Strecke.» Kein Einwohnerrat würde für hochgerechnet rund 65 000 Franken im Jahr die Verantwortung für 400 Angestellte tragen wollen, ist Sigrist überzeugt. Gestört hatte ihn auch, dass die Argumente der Schulpflege ungehört geblieben seien und somit die Lohnkürzung fast ohne Diskussion erfolgt sei. Nun ist der Ärger aber verflogen – und Sigrist (parteilos) hat beschlossen, sich am 24. September zur Wiederwahl zu stellen.

Ein Blick zurück: Seit 2014 hat die Schule Wettingen eine eigene Geschäftsleitung mit Sekretariat. Für die sieben Mitglieder der Schulpflege bedeutet dies eine geringere Arbeitslast mit weniger Sitzungen und Geschäften, die sie behandeln müssen. Aus diesem Grund beschloss der Einwohnerrat Mitte März, die Schulpflege auf die neue Amtsperiode 2018/2021 von sieben auf fünf Mitglieder zu reduzieren. Ein Entscheid, den auch die Schulpflege unterstützte. Aber: Der Rat beschloss gleichzeitig, die Entschädigung der Schulpflege noch mehr zu kürzen als von Gemeinderat und Schulpflege vorgeschlagen. Ab 2018 erhält der Schulpflegepräsident neu 20 000 Franken, die übrigen Mitglieder 8000 Franken. Stimmt das Volk am 21. Mai der Reduktion der Anzahl Schulpflege-Mitglieder zu, beträgt die Jahrespauschale nicht mehr 95 000 Franken, sondern neu 52 000 Franken.

Dass Thomas Sigrist nochmals mindestens eine Amtsperiode das Präsidium übernehmen will, hat mehrere Gründe. «Nach der Einwohnerratssitzung habe ich viele aufmunternde Reaktionen von allen Seiten erhalten – von Politikern, von der Schule, den Elternräten oder aus meinem Umfeld», sagt der 50-jährige Wettinger. Auch auf der Strasse hätten ihn immer wieder Passanten angesprochen. «Das bestärkte mich, den Job nochmals mindestens vier Jahre lang zu machen.»

Zudem würden auf die Schule einige, spannende Herausforderungen zukommen, die er gerne angehen würde. So steht im nächsten Jahr die externe Schulevaluation an. Zudem will die Schule Wettingen die digitalen Medien ausbauen. Dabei geht es beispielsweise um die Frage, welche Klassen das Handy oder Tablet in welcher Form in den Unterricht mit einbeziehen. Zu den strategischen Zielen für die nächste Amtsperiode gehört auch der Aufbau einer Tagesschule, in der die Schüler mittagessen oder die Hausaufgaben betreut lösen. «Da stehen wir noch ganz am Anfang», sagt Sigrist.

EVP sammelt Unterschriften

Nicht nur Sigrist, sondern auch der EVP Wettingen stiess die Kürzung sauer auf. Die Partei sammelt nun Unterschriften für ein Referendum. «Die Schulpflege ist eine wichtige Behörde», sagt Fraktionspräsidentin Marie-Louise Reinert. Das Amt erfordere Erfahrung, Motivation und Zeit, insbesondere auch tagsüber. «Der Präsident kann seine Verpflichtungen nicht wahrnehmen, wenn er nicht sein berufliches Pensum reduziert.

Da braucht es auch eine angemessene Entschädigung.» Mit der vom Gemeinderat vorgeschlagenen Einsparung von rund 35 000 Franken bei der Pauschale und den Sitzungsgeldern war die EVP einverstanden. «Aber die zusätzliche Kürzung um einen Drittel beim Präsidenten und 20 Prozent bei den Mitgliedern – das geht zu weit.» Hinzu komme, dass die Arbeit nicht mehr auf sieben, sondern neu auf fünf Personen laste.

Damit das Referendum zustande kommt, braucht es 1251 gültige Unterschriften. Unabhängig davon ist für Thomas Sigrist klar: «Ich bin motiviert, nochmals zur Wahl anzutreten.»