Kaum ein Thema sorgt in Niederrohrdorf derzeit für mehr Gesprächsstoff als die Freistellung von Schulleiterin Arnada Caminada-Böhlen. Wie die Schulpflege in der aktuellen «Berg-Post», dem offiziellen Mitteilungsblatt der Gemeinden am Rohrdorferberg, schreibt, habe es «unüberbrückbare Differenzen zwischen der Schulpflege und der Schulleiterin über die Art und Weise der operativen Führung der Schule» gegeben.

«Ich bin noch immer schockiert», sagt Caminada-Böhlen und fügt an: «Das ist nicht der Umgang, den ich nach acht Jahren Einsatz verdient habe.» Die Freistellung ist rund zehn Tage, nachdem sie ihre Kündigung eingereicht hatte, erfolgt. Gekündigt hatte sie, weil sich das Führungsverständnis zwischen Schulleitung und Schulpflege nicht mehr gedeckt hatte. «Teamarbeit lag und liegt mir am Herzen. Umso wichtiger ist, dass alle am selben Strick ziehen», sagt Caminada-Böhlen. Sei dies nicht mehr der Fall, so werde eine Weiterentwicklung der Schule zugunsten der Schüler verhindert. «Mein Team steht hinter mir. Es hat mich würdig und mit viel Herz verabschiedet.»

Zuerst alles richtig, dann alles falsch

Doch was hat zum Bruch geführt? «Seit ich das Präsidium der Schulpflege übernahm, habe ich einen besseren Einblick in die Arbeit der Schulleitung und bekomme Informationen aus erster Hand», sagt Adrian Bacher, der zuvor während vier Jahren als Vizepräsident der Schulpflege geamtet hat. Es sei die Aufgabe seiner Behörde, dass die Qualität an der Schule stimmt. «Wenn es Anliegen gibt, sei es vonseiten des Bildungsdepartements, der Lehrpersonen oder der Eltern, ist es wichtig, dass man diese ernst nimmt.» Über die Gründe, die zur Freistellung geführt haben, verweist Bacher auf die Mitteilung. Darin steht geschrieben, dass die Schulpflege als vorgesetzte Instanz der Schulleitung «aus Daten- und Persönlichkeitsschutzgründen keine Auskunft geben» darf.

Dass Caminada-Böhlen freigestellt worden ist, stösst bei der ehemaligen Schulpflegepräsidentin, Sylvia Trachsel, auf Unverständnis. «Frau Böhlen hat sich enorm für die Schule eingesetzt», blickt Trachsel auf die gemeinsame Zeit zurück. Als Schulleiterin sei sie sowohl bei den Schülern als auch bei den Lehrpersonen beliebt gewesen. «Viele sind ihretwegen an die Schule gekommen», sagt sie. Trachsel, die von 2010 bis 2014 im Amt war, ist enttäuscht und kann sich die Freistellung nicht erklären. «Zuerst macht eine Person alles richtig, dann nur noch alles falsch», sagt sie und weist damit auf ihren Nachfolger Adrian Bacher hin. Während ihrer Amtszeit habe er nie etwas am Führungsstil von Caminada-Böhlen auszusetzen gehabt. «Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Person innerhalb zweier Jahre von 100 auf 0 sinken kann», sagt Trachsler.

Caminada-Böhlen mit neuer Stelle

Co-Leiterin Hilde Romor-Egloff, die die Führungstätigkeiten von Arnada Caminada-Böhlen übernommen hat, wird ab Dienstag durch Walter Mächler unterstützt: Der erfahrene Schulleiter übernimmt die Stellvertretung. Caminada-Böhlen hingegen wird im August ihre neue Stelle als Schulleiterin in Neuenhof antreten.