17. Fantoche Baden

«Schuhe, Hemd und 100 Lire»: Animation im Zeichen der Migration

Das 17. Fantoche in Baden nimmt sich des schwierigen Themas Migration an – weshalb sich der Animationsfilm hierfür gut eignet.

Wie so oft in der Vergangenheit, wenn das Fantoche in Baden eröffnet wurde, war der Trafosaal auch gestern bis auf den letzten Platz gefüllt. Kein Wunder, verspricht doch die Eröffnungszeremonie immer witzig, originell, ja schräg zu sein. Auch gestern Abend wurden die Besucher nicht enttäuscht. Moderatorin Jane Mumford begrüsste das Publikum vor venezianischer Kulisse. Doch was hat Venedig mit Baden zu tun? Ganz einfach: Unter dem Slogan «Schuhe, Hemd und 100 Lire» will sich das diesjährige Fantoche mit den verschiedenen Facetten der Migration auseinandersetzen. Und auch sprachlich passte Venedig an diesem Abend ganz gut. Denn anders als in früheren Jahren gibt es heuer kein Gastland, sondern mit dem Tessin einen Gastkanton.

17. Fantoche 2019: Let's create together

17. Fantoche 2019: Let's create together

Unter den Gästen befanden sich auch Vertreter des Badener Stadtrats, des Regierungsrats und sogar eine Nationalrätin gab sich die Ehre. Stadtrat und Sicherheitsvorsteher Matthias Gotter hiess das Fantoche im Namen des Stadtrats willkommen. «Migration ist ein gesellschaftliches und vor allem emotionales Thema. Und er stellte die Frage in den Raum: «Welchen Standpunkt nehmen wir ein, um etwas zu sehen, zu erfahren? Gerade das Gefäss Film vermag über die verschiedenen Kulturen hinweg zu verbinden und die verschiedenen Perspektiven aufzuzeigen.» Orte der Begegnung und des Austauschs würden an Bedeutung zunehmen. Gotter: «Ein solcher Ort ist auch das Fantoche, und dieses gehört zu Baden, was mich stolz macht.»

«Bilder sind Vereinfachung oder aber Manipulation»

Kein geringerer als Landammann Urs Hofmann hiess das Animationsfestival im Namen des Regierungsrates willkommen. Er unterstrich die aktuelle und historische Bedeutung des Programmschwerpunkts und erinnerte daran, dass die Schweiz Mitte des 19. Jahrhunderts kein Einwanderungsland, sondern bekanntlich ein Auswanderungsland war. «Allein von 1851 bis 1855 verliessen über 8000 Aargauerinnen und Aargauer – rund 4 Prozent der damaligen Bevölkerung – ihre Heimat, um der Armut und dem Elend zu Hause zu entfliehen.» Daheim sei man froh darüber gewesen, wenn möglichst viele Menschen, vorwiegend junge Männer, nach Süd- und Nordamerika auswanderten und die Gemeinden davon entlasteten, sie als Armengenössige zu unterstützen. «Migration spaltet die Gesellschaft. Die einen haben Angst vor ihr, die anderen zeigen sich solidarisch mit den Flüchtenden.» Umso wichtiger sei es, dass in der Gesellschaft, in der Politik aber auch in der Kunst darüber gesprochen werde, ist Urs Hofmann überzeugt. Auch die Aargauer Nationalrätin Irène Kälin (Grüne) sprach zum Publikum: «Bilder sind im besten Fall eine Vereinfachung, im schlechtesten Fall aber Manipulation.» Sie wünsche sich ein Fantoche voller Bilder, «die unsere eigenen Bilder hinterfragen».

Workshops zum Mitmachen und Experimentieren

Ein Blick ins Programm zeigt, dass dies auch dieses Jahr der Fall sein dürfte. Festivalleiterin Annette Schindler und ihrem Team ist es einmal mehr gelungen, ein vielversprechendes Programm auf die Beine zu stellen. So kommt das Publikum bis Sonntagabend in den Genuss von insgesamt 301 Kurz- und Langfilmen, darunter die 84 Kurzfilme aus 29 Ländern im Wettbewerb, sowie 20 aktuelle Langfilme. Hinzu kommen AR- und VR-Experiences zum Ausprobieren, der weiter ausgebaute Fantoche Industry Day und diverse Workshops. «Das Festival feiert den Animationsfilm in seiner ganzen Bandbreite», so Schindler. Die Festivalleiterin sagte in Anlehnung ans Thema Migration: «Die Koffer sind prall gefüllt. Ich lade Sie ein: Kommen Sie mit uns auf die grosse Fantoche-Reise.»

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