Baden

Schriftzug à la Hollywood, heisse Brunnen oder Neuenhof am See: Was das Limmattal künftig bereichert

Die «Regionale Projektschau Limmattal 2025» präsentiert einige der Projekte, die zur Aufwertung beitragen sollen. Um die Bevölkerung über den Stand zu informieren, wurden die sogenannten Zwischenschauen durchgeführt.

Auffällig farbige Informationstafeln mit Zitaten wie «Wir gehen auf Tour – kommen Sie mit» oder «Wegweisende Projekte für ein vernetztes Limmattal» standen im letzten Jahr vor 16 Gemeindehäusern und an ausgewählten Orten im Limmattal und stachen dem einen oder anderen ins Auge. Das war beabsichtigt: Auch wenn die «Regionale Projektschau Limmattal 2025» – verkürzt «Regionale 2025» – bereits seit 2016 operativ tätig ist, so war ihre Arbeit bis dahin weitgehend nur im Kreise von Politik und Verwaltung bekannt. Um sich einer breiteren Bevölkerung vorzustellen, wurde 2019 unter dem Namen «Regionale 2025 auf Tour» eine Zwischenschau organisiert, die einen Einblick in erste Projekte ermöglichte. Diese sollen dem Limmattal eine gemeindeübergreifende Identität verschaffen.

Peter Wolf führt die Geschäftsstelle mit Sitz in Dietikon: «Mit der Zwischenschau wurde der Bekanntheitsgrad in der Bevölkerung deutlich gesteigert.» Man habe bereits einiges erreicht und auf die Beine gestellt. Auch der Austausch unter den Gemeinden (siehe unten) habe sich alleine durch die regelmässigen Vorstandssitzungen bereits deutlich verstärkt. Im Vorstand sind alle Gemeindeammänner der 16 Mitglieder. Präsidentin ist die ehemalige Zürcher Kantonsratspräsidentin Brigitta Johner, Vizepräsident Wettingens Gemeindeammann Roland Kuster.

Nicht alle Gemeinden mit Limmatanschluss sind dabei

Auf Basis einer 2013 veröffentlichten ETH-Studie initiierten der damalige Aargauer und der Zürcher Baudirektor die «Regionale 2025». In die Visionsstudie des Limmattals für das Jahr 2050 waren alle Gemeinden und die beiden Kantone involviert. Demnach müssten 21 Gemeinden dem Verein angehören, doch zur Gründung Ende 2015 konnten nur 13 gewonnen werden. Inzwischen sind es 16 – von der Stadt Zürich bis nach Ennetbaden. «Ober- und Untersiggenthal, Turgi und Gebenstorf fehlen zum Beispiel noch, aber auch sie versuchen wir schon länger, für die Projektschau zu begeistern», sagt Wolf. Doch in diesem Raum sei das Verständnis noch nicht so gross, dass sie ebenfalls ein Teil des Limmattals seien – obwohl auch diese Gemeinden Limmat­anstoss haben.

Das Limmattal nimmt sich Hollywood zum Vorbild

Um die Bevölkerung über den Stand der Projekte zu orientieren und mit Anlässen auf das Potenzial des Limmattaler Lebensraums aufmerksam zu machen, dafür sind die Zwischenschauen da. Die Nächste findet 2022 statt, die Erste war letztes Jahr: Auftakt war eine prominent besetzte Velotour von Wettingen nach Schlieren, die an Projektstandorten vorbeiführte. Schlusspunkt bildete die Vernissage der Landschaftsausstellung «Wachgeküsst», die elf Installationen von Studierenden im Limmattaler Grenzraum der Kantone Aargau und Zürich zeigten.

Dazu gehörte auch der Buchstabe L für die Vision eines «Limmattal»-Schriftzugs oberhalb Spreitenbachs. Ganz nach dem Vorbild in Hollywood – das sorgte für Aufmerksamkeit in den nationalen Medien. Das L ist inzwischen wieder weg, nicht aber die Idee, die dahintersteckt: «Wir möchten den ganzen Schriftzug gerne fix installieren, dazu braucht es aber Baubewilligungen von Gemeinde und Kanton», erklärt Wolf. Ausserdem seien sie noch auf der Suche nach Buchstabensponsoren.

Fortgeschrittene und realisierte Projekte

Das Format der Regionalen wurde extra auf zehn Jahre begrenzt: «In dieser Zeitspanne sollte es möglich sein, Projekte nicht nur zu planen, sondern auch zu realisieren», so Wolf. Manche sind bereits in fortgeschrittenem Stadium, wenn sie bei der Regionalen eingereicht werden. Dazu gehört zum Beispiel der «Heisse Brunnen» des Vereins Bagni Popolari in Baden. Unter freiem Himmel sollen drei Becken am Limmatufer und ein kleines Quellbecken für Hände und Ellenbogen, wie es im Bäderquartier Tradition hat, entstehen und gemeinsam mit dem neuen Thermalbad im Spätherbst 2021 in Betrieb gehen. Dieses Projekt wurde vorwiegend kommunikativ unterstützt, was vor allem bei der Geldsuche half, erklärt Wolf. Eines der aktuellsten Projekte, die realisiert sind, ist die virtuelle Wanderung «Per Mausklick vom Rüsler zum Sulperg», einer Wanderung über Würenloser, Wettinger, Killwangener und Neuenhofer Boden. Erst war geplant, die Wanderung physisch anzubieten, mit Booten des Fischerclubs und Posten an elf Stationen, um den Raum und seine Eigenheiten bekannter zu machen. Nun ist daraus wegen Corona vorerst eine virtuelle 360-Grad-Tour geworden, die den Landschaftskorridor Sulperg-Rüsler mit eindrücklichen Panoramabildern vorstellt und über elf Erlebnisorte informiert.

Damit die Wanderung dereinst nicht mehr von der Limmat getrennt wird, soll in wenigen Jahren zwischen Wettingen und Neuenhof ein Steg entstehen, der das Süd- mit dem Nordufer verbindet. Dieser wird in der Nähe des Projekts «Neuenhof am See» zu finden sein, das den limmatnahen Raum der Gemeinde aufwerten soll: den Stausee, die Halbinsel und den längsten Fischpass Europas.

Neue Projekte sind weiterhin willkommen

Gaben zum Start nur die Gemeinden Projekte ein, so sind es inzwischen vermehrt Privatpersonen. Bis Januar 2020 wurde über insgesamt 47 Projektideen beraten, 33 wurden akzeptiert und neun davon nominiert. Diese sind dem Fachbeirat besonders ins Auge gestochen – dazu gehören unter anderem das «Limmatfloss Wettingen» sowie der Badener «Heisse Brunnen». Der Beirat besteht aus Menschen aus unterschiedlichen Disziplinen, von Raumplanung über Soziologie bis Wirtschaft, die anhand vorgegebener Kriterien entscheiden, ob ein Projekt besonders innovativ ist und regionale Ausstrahlung hat. Der Vorstand entscheidet am Ende über die Aufnahme. Eine siebte Auswahlrunde findet im Herbst 2020 statt, Vorschläge können bis Ende September über die Website eingereicht werden.

Ist ein Projekt aufgenommen, erhalten die dafür verantwortlichen Personen fachliche, organisatorische und kommunikative Unterstützung sowie Hilfe bei der Suche nach Finanzmitteln.

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