Einen bedienten SBB-Schalter gibt es am Bahnhof Neuenhof keinen. Wer nicht am Automaten oder übers Handy ein Billett lösen möchte, muss zur Post. Bislang agiert diese als Partnerverkaufsstelle der SBB. Nun soll aber auch dieser bediente Schalter gestrichen werden. Wie die «Schweiz am Sonntag» berichtete, werden ab dem 1. Januar 2018 schweizweit 52 Schalter geschlossen, darunter auch derjenige in Neuenhof. In Zukunft können an den betroffenen Bahnhöfen Billette nur noch an Automaten oder über das Smartphone gelöst werden.

In den zwei Baselbieter Gemeinden Muttenz und Gelterkinden bildet sich bereits Widerstand gegen die Pläne der SBB. «Aus der Bevölkerung hat sich noch niemand gemeldet, wir werden das Anliegen in der nächsten Gemeinderatssitzung am Montag behandeln», sagt Gemeindeammann Susanne Voser.

Gab nie einen Personalschalter

Dass es noch keine Wortmeldungen seitens der Bevölkerung gab, liege vielleicht daran, dass es in Neuenhof nie einen bedienten SBB-Schalter gab. Auch ist die Verkaufsstelle bei der Post keine Lösung für Schnellkäufe, denn wer ein Ticket am Schalter lösen möchte, muss mit etwas mehr als fünf Minuten Fussweg zwischen Post und Bahnhof rechnen. Ebenfalls erschweren die Öffnungszeiten der Post den Kauf eines Billetts. So ist die Verkaufsstelle über den Mittag zwei Stunden geschlossen und am Samstag nur bis elf Uhr offen. Wer von einer Person bedient werden möchte, muss also flexibel sein. Trotzdem wäre die Schliessung der Verkaufsstelle ein Verlust für die Bevölkerung, hält Voser fest. «Die Verlierer solcher Entwicklungen sind leider immer ältere Menschen, die mit der Digitalisierung nicht mithalten können.»

Dieser Meinung ist auch Urs Schaffer, Mediensprecher der Region Zürich des Vereins «Pro Bahn»: «Ältere und behinderte Personen, die mit Automaten und dem Smartphone nicht gut zurechtkommen, werden links liegen gelassen.» Dies führe zu einer Zweiklassengesellschaft. Deshalb setzt sich der Verein «Pro Bahn» gegen die Schliessung der Partnerverkaufsstellen ein. Denn oft lösen Menschen, die Mühe haben mit den Automaten, trotz Automaten-Helpline falsche Billetts. Zwar stimmt der Zielort, doch die Strecke ist falsch gewählt. Obgleich das Ticket gültig ist, muss dann ein Zuschlag von 100 Franken bezahlt werden. «Als Ausgleich zur Schalterschliessung muss man hier kulanter werden. Eine Möglichkeit wären reduzierte Zuschläge», sagt Schaffer.

Zu geringe Nutzung der Schalter

Gemäss «Schweiz am Sonntag» hat die SBB in nur zehn Jahren jede dritte Verkaufsstelle in der Schweiz geschlossen. Nur noch an jedem fünften Bahnhof können Billette bei Personal gekauft werden. «Es werden nur noch die Hauptachsen bedient, kleine Bahnhöfe wie Neuenhof gehen vergessen», sagt Schaffer.

Grund für die Schliessung sind einerseits Sparmassnahmen und andererseits die geringe Nutzung der Personenschalter. So sagt der SBB-Sprecher Daniele Pallecchi zur «Schweiz am Sonntag»: «Vier von fünf Billetts werden nicht am Schalter gekauft.» Allein im vergangenen Jahr wurden via Internet und App 40 Prozent mehr Tickets als im Vorjahr verkauft.