Rund 30 Jugendliche sind am Samstag in der Nähe des Shoppi Tivoli in Spreitenbach aufeinander losgegangen. Dabei stach ein 16-Jähriger einem 15-Jährigen mit dem Messer in den Oberschenkel. Nachdem die Polizei mit einem Grossaufgebot ausgerückt war, kam der 15-Jährige aus Dietikon zur Behandlung ins Kantonsspital Baden. Er schwebte aber nie in Lebensgefahr. Kurz darauf wurde ein 16-Jähriger als Täter ermittelt. Gegen ihn hat die Jugendanwaltschaft ein Verfahren eröffnet.

Die Auseinandersetzung habe zum grössten Teil draussen, beim Zentrumsschopf auf der Wiese, stattgefunden: «Von der Messerstecherei haben wir gar nichts mitbekommen», sagt Patrick Stäuble, Leiter des Shoppi Tivoli. «Einer flüchtete zu uns ins Einkaufszentrum.» Er sei beim Eingang bei der Post ins Shoppi gelangt, um Hilfe zu suchen. «Die bekam er auch, unsere Sicherheitsleute haben eingegriffen», so Stäuble. Das alles habe aber nur ein paar wenige Minuten gedauert. Gegenüber «Blick» sagte er: «Schlägereien kennen wir bei uns sonst nicht.» Es gebe höchstens kleine Streitigkeiten um Parkplätze oder Jugendliche, die zu laut seien. Eine solche Gewaltbereitschaft sei ihm neu.

Die Überwachungsvideos hätten sie inzwischen den Ermittlern übergeben; sobald sie die Namen der Personen wissen, die in die Schlägerei verwickelt waren, würde das Shoppi Tivoli – je nach Schwere – Hausverbote erteilen.

Das Shoppingcenter arbeite eng mit der Spreitenbacher Jugendarbeit zusammen, erklärt Stäuble: «Es hat nun mal viele Leute hier im Shoppi», so Stäuble. «Aber nur Anständige», schiebt er nach. Wenn, dann gehe es bei den Jugendlichen hier normalerweise um kleinere «Scharmützel», um Ladendiebstähle, oder darum, dass sie im Restaurant an Tischen sitzen, aber nichts konsumieren.

Auch für Roland Jenni, Polizeichef der Regionalpolizei Wettingen-Limmattal, ist eine Massenschlägerei eine Seltenheit: «Wir hatten keinerlei Hinweise darauf. Meiner Meinung nach ist es auch purer Zufall, dass es beim Shoppi stattgefunden hat.» Sie seien am Samstagnachmittag sofort ausgerückt als der Notruf reinkam. Nun sind aber Kantonspolizei und Jugendanwaltschaft Aargau für den Fall zuständig, da es sich um ein Strafdelikt handelt. Das Augenmerk der Repol sei auf Prävention gerichtet: «Wir konzentrieren uns auf Vandalismus und Littering.» Das sei hier ein viel grösseres Problem als Massenschlägereien.

Spreitenbachs Gemeindeammann Valentin Schmid wollte sich auf Anfrage nicht zum Vorfall äussern.

Anderes «Meme» der Auslöser?

Auslöser der Schlägerei ist laut Medienberichten ein «Meme» gewesen. «Memes» sind Bilder, die mit einem Text so kombiniert werden, dass sie eine neue, humorvolle Bedeutung erhalten. Das betreffende «Meme», das der Basler Zeki auf seiner beliebten Facebook-Seite «Swissmeme» gepostet hat, soll zu einer Art Kräftemessen unter den Jugendlichen und zur Frage «Wer ist krasser: Dietikon oder Spreitenbach?» geführt haben. Die Jungs aus Dietikon hatten den Text im Bild auf «In Switzerland we call this Dietikon» geändert und dann auf Snapchat geteilt.

Diese App ist bei Jugendlichen besonders beliebt, um Bilder mit ihren Freunden zu teilen. Sie kann so eingestellt werden, dass die Bilder nach kurzer Zeit wieder verschwinden. Geht es aber nach einer Person, die sich gestern bei der AZ meldete, sei nicht das «Meme» von Zeki Schuld an der Schlägerei, sondern ein anderes Bild, das ebenfalls auf Snapchat geteilt worden war. Das Bild, um das es wirklich gehe, zeige ein WC, in welchem das Wort «Dietikon» geschrieben stand. «Damit ist gemeint, dass Dietikon scheisse ist», so die junge Frau. Sie schreibt in holprigem Deutsch weiter, dass es eine Provokation gewesen sei. Daraufhin hätten sich die Jungs vor dem Shoppi verabredet, um «es zu klären, soll heissen, um zu schlägeln». Es seien sechs oder sieben Personen aus Spreitenbach und um die 20 aus Dietikon gekommen.

Massenschlägerei in Spreitenbach

Massenschlägerei in Spreitenbach

Am Samstagnachmittag lieferten sich gut 30 Jugendliche eine Schlägerei. Ein 15-Jähriger musste mit einer Stichverletzung ins Spital.

Dietikon habe provoziert

Sie bezeichnet sich als gute Freundin, sei mit dem 16-Jährigen, der zugestochen habe, in die Primarschule gegangen und später in die Parallelklasse der Bezirksschule. Sie nimmt ihn in Schutz: «Der hat das getan, um sich zu wehren!» Und schreibt weiter: «Dietikon sage immer wieder aus Provokation ‹Spreiti ghört zu Dietike.›» Die Gruppe aus Spreitenbach würde diese Gruppe aus Dietikon nicht mögen. Immer wieder hätten sie sich gegenseitig provoziert. Und: Seit Wochen, wenn nicht sogar Monaten, hätte es geheissen: «Am Samstig gits en Fight vorem Shoppi, Spreiti geg Dietike!»

Die Schlägerei in Spreitenbach und deren Auslöser haben zu zahlreichen Medienberichten und zu vielen Online-Reaktionen geführt; speziell auch auf der «Swissmeme»-Seite von Zeki. Die Reaktionen lassen erkennen, wie sehr die Schlägerei einen gesellschaftlichen Nerv trifft.

Die mediale Aufmerksamkeit verleitete Zeki dazu, sich auf seiner Facebook-Seite direkt an seine Fans zu wenden. Er bekräftigte, dass er mit seinen «Memes» ganz sicher keine Gewalt auslösen, sondern die Leute zum Lachen bringen möchte. «Unabhängig von eurer Herkunft: Humor verbindet!» Er rief dazu auf, Probleme nicht mit Gewalt zu lösen, sondern mit Worten: «Beweist den Leuten, dass es auch anders geht!» Er hoffe, so etwas komme nie mehr vor.

Aus den Kommentaren ist auch herauszulesen: Diese Schlägerei mit Beteiligten diverser Nationen zementiert den Ruf von Spreitenbach als Hochburg von «Möchtegern-Gangstas» und Sozialfällen.

Aber auch wenn sie den Gemeinden Spreitenbach und Dietikon und ihren Herkunftsländern mit der Schlägerei keinen Dienst erwiesen haben, so führen solche jungen Männer doch ab und zu auch zu unterhaltsamen Momenten. In einem Sketch stellte das Komikerduo Divertimento vor Jahren einen Spreitenbacher Gangster vor, Julian Kaufmann aus Spreitenbach – aka «JK vo SB». Dieser unterhielt das Publikum in bekanntem «Gangsta»-Deutsch: «Mer gsähnd eus nachher dusse, und ich chume nöd ellai!» Und wohl wäre es in diesem Fall besser gewesen, wenn sich der Schluss des Sketchs bewahrheitet hätte: «Nei Mann, mini Muetter chunnt au!»