Baden

Crevetten in Bami Goreng: Weshalb Allergiker beim Restaurantbesuch aufpassen sollten

Im Bami Goreng fand sich eine Crevette – mit Folgen für die Allergikerin. (Symbolbild)

Im Bami Goreng fand sich eine Crevette – mit Folgen für die Allergikerin. (Symbolbild)

In einem Badener Restaurant bestellt eine Frau ein Bamigoreng mit Poulet. Darin sind auch Crevetten, woraufhin die Frau einen allergischen Schock erleidet. Die Wirtin bedauert den Fall.

Das Restaurant ist noch nicht lange geöffnet und liefert nun bereits die ersten Schlagzeilen – unerfreuliche wohlbemerkt. Passiert ist es letzte Woche. 

Die medizinische Praxisassistentin ging mit drei Arbeitskollegen in einem Restaurant zu Mittag essen. «Obwohl es wenig Gäste hatte, mussten wir 45 Minuten auf ein Mittagsmenu warten. Aber gut, das Restaurant hatte erst gerade eröffnet, da dauern die Abläufe halt wohl noch etwas länger», sagt die Frau.

«Wir bestellten viermal ein Bamigoreng. Da ich allergisch auf Meeresfrüchte bin, habe ich die Geschäftsführerin gefragt, was für Fleisch im Gericht ist.» Darauf habe diese mit «Poulet» geantwortet.

Nachdem ihr Essen endlich aufgetischt worden war, habe sie zwei Bissen gegessen und mit Schrecken festgestellt, dass es auch Crevetten im Gericht hatte. «Leider hatte ich bereits eine Crevette runtergeschluckt, den Rest habe ich sofort wieder ausgespuckt», sagt sie.

Opfer: «Viele Wirte wissen nicht, wie wichtig Deklaration ist»

Weil die Zeit schon weit fortgeschritten war, sei sie zurück ins nahe Büro gegangen. «Nach 15 Minuten erlitt ich einen anaphylaktischen Schock. Zum Glück arbeite ich in einer Arztpraxis, womit die Erste Hilfe gewährleistet war. Anschliessend wurde ich mit der Ambulanz auf die Notfallstation des Kantonsspitals Baden gebracht, wo ich eine Adrenalinspritze erhielt.»

Die Frau betont: «Fehler können passieren, doch dieser hätte für mich auch tödlich enden können. Ich finde schon, dass ein Wirt den Unterschied zwischen Poulet und Meeresfrüchten kennen sollte.» Was die Praxisassistentin aber besonders erzürnt, ist die Reaktion der Geschäftsführerin.

Denn am nächsten Tag habe sie diese angerufen und ihr die Folgen der falschen Zutaten-Angabe geschildert. «Die Geschäftsführerin hat keine Reaktion gezeigt und mich nur gefragt, was ich denn jetzt von ihr wolle.» Sie gelange mit ihrer Geschichte an die Presse, weil sie andere Allergiker darauf hinweisen will, dass man immer aufpassen müsse, was man im Restaurant isst. «Und weil ich sicher bin, dass viele Wirte gar nicht wissen, wie wichtig die richtige Deklaration der Gerichte ist. Und: Ich hätte mir schon eine Entschuldigung der Geschäftsführerin erhofft», sagt sie.

Unterschiedliche Versionen über das Telefonat nach dem Vorfall

Die Geschäftsführerin des Restaurants bestätigt den Vorfall und betont gleich eingangs des Gesprächs, wie unglaublich leid ihr das Ganze tue und dass sie sehr froh und erleichtert sei, dass die junge Frau die allergische Reaktion offenbar gut überstanden habe. Doch wie kann man Poulet mit Crevetten verwechseln?

«Es stimmt, die Frau und ihre Kollegen haben Bamigoreng mit Poulet bestellt. Ich habe noch gesehen, wie der Koch das Gericht mit Poulet zubereitet hat, war mir aber nicht bewusst, dass er auch noch Crevetten in das Bamigoreng hinzufügt.» Hätte sie von der Allergie gewusst – die Frau habe ihr gegenüber nichts davon erwähnt –, hätte sie extra ein Auge darauf geworfen.

«Ich bin neu in der Gastronomie und habe aus dem Vorfall gelernt», betont die Geschäftsführerin. Würden sich Gäste künftig nach Zutaten erkundigen, würde sie explizit zurückfragen, ob Allergien vorliegen würden. «Zudem haben wir die Menukarte mit Hinweisen auf Zutaten und Allergien ergänzt», so die Wirtin.

Und wie war das mit der Nicht-Reaktion, als sich die Allergikerin nach dem Vorfall bei ihr gemeldet hatte? «Ich war total perplex und geschockt, als ich den Anruf erhielt. Ich wusste im ersten Moment gar nicht, wie reagieren.» Natürlich hätte sie sich gerne bei der Frau entschuldigt, aber dazu sei es nicht gekommen.

«Irgendwann hat sie mir einfach den Hörer aufgelegt. Als ich sie danach – auch per SMS – nochmals zu erreichen versuchte, reagierte sie leider nicht mehr.» Es sei ihr immer noch ein Anliegen, sich bei ihr zu entschuldigen und ihr auch bei den entstandenen Arzt- und Notfalltransportkosten entgegenzukommen. «Die ganze Sache tut mir sehr leid und hätte nicht passieren dürfen; ich habe definitiv daraus gelernt», sagt die Geschäftsführerin.

Das hört die Allergikerin zwar gern, gleichzeitig widerspricht sie der Version der anderen: «Nicht ich, sondern sie hat das Gespräch beendet. Aber es stimmt, später erhielt ich von der Geschäftsführerin noch zwei SMS.» Sie überlegt sich nun, Schadensersatz für die Folgen des allergischen Schocks einzufordern.

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