Wettingen-Limmattal

Regionalpolizei: Transparenz würde Vertrauen schaffen

Der Wettinger Gemeindeammann Roland Kuster darf auf die Unterstützung vieler Wettinger zählen. (Archiv)

Die Analyse von Martin Rupf, Redaktor Region Aargau Ost, zu den Vorwürfen ehemaliger Mitglieder der Repol Wettingen-Limmattal.

«Vieles wird unter den Teppich gekehrt» So lautete diese Woche der Titel des Artikels in der «Aargauer Zeitung», in dem ehemalige Angestellte der Regionalpolizei (Repol) Wettingen-Limmattal happige Vorwürfe formulierten. Von fragwürdigen Personalentscheiden, gefälschten Polizeirapporten und unlauteren Arbeitsmethoden ist die Rede. Nachdem die Gemeinde mehr als eine Woche zu den Vorwürfen geschwiegen hatte, verschickte sie am Freitag ein Communiqué. «Die Gemeindeammänner im Vertragsgebiet der Regionalpolizei Wettingen-Limmattal loben die vorbildlichen Dienstleistungen der Mitarbeitenden des gemeinsamen Polizeikorps», heisst es am Anfang. Und weiter: Der Korpsführung sowie den Gruppenleitungen werde ein gutes Zeugnis ausgestellt. «Die Kader werden in Führungsfragen ständig weitergebildet.» Zudem würden Kennzahlen aus dem Polizeiumfeld wie Polizeipräsenz und Verhaftungen ein erfolgreiches Bild zeigen. «Es haben keine rechtlichen Verfehlungen stattgefunden.»

Alles gut also, zumal diese Woche ein Repol-Vorgesetzter vom Vorwurf der Beschimpfung eines ihm untergeordneten Mitarbeiters freigesprochen wurde? Oder anders gefragt, ist diese Zeitung von den Zeugen instrumentalisiert worden, wie der Verteidiger im Sinne seines Mandanten diese Woche vor dem Richter ausführte? Eine Zeitungsredaktion wird fast wöchentlich von Menschen kontaktiert, die sich von den Medien Unterstützung erhoffen, weil sie sich ungerecht behandelt fühlen. In den allermeisten Fällen winkt die Redaktion ab, weil entweder schnell klar wird, dass es sich um einen persönlichen Rachefeldzug frustrierter Personen handelt oder weil die Sache bei allem Verständnis für den Ärger des Gegenübers nicht öffentlich relevant ist. Kurz: Es wird immer sorgfältig abgewogen, ob eine Berichterstattung im öffentlichen Interesse liegt. Vorliegend wurde dies bejaht, weil nicht nur die Zeugen und ihre Vorbringen glaubwürdig waren. Hinzu kommen zwei Gerichtsfälle, in denen die Gemeinde Wettingen vor Verwaltungsgericht wegen teilweise missbräuchlicher Kündigung verurteilt wurde sowie oben erwähnter Prozess vor Bezirksgericht Baden. Wohlbemerkt Fälle, in denen die durch Wettinger Steuergelder alimentierte Repol verwickelt war.

Auf eine offizielle Stellungnahme von Ressortvorsteher und Gemeindeammann Roland Kuster (CVP) wartete die Redaktion bis auf das dürftige Communiqué vom Freitag vergeblich. Man nehme keine Stellung zu laufenden Verfahren, und überhaupt sei die Redaktion nur zu den Informationen gelangt, indem das Amtsgeheimnis verletzt worden sei. Zwei oft gehörte Sätze, wenn Behörden mit Vorwürfen konfrontiert werden. Oft handelt es sich dabei aber um reine Schutzbehauptungen. Es wäre durchaus möglich gewesen, zu den wichtigsten Punkten Stellung zu nehmen, ohne elementare Rechte zu verletzen.

Nun, es ist das gute Recht der Gemeinde, dies nicht zu tun. Sie muss sich dann aber auch nicht wundern, wenn Stimmen aus der Politik laut werden, die dem Gremium nicht zum ersten Mal mangelnde Transparenz und schlechte Kommunikation vorwerfen. Nein, noch schlimmer, wegen der Nicht-Kommunikation geraten plötzlich weitere Institutionen in Misskredit – wie etwa die Geschäftsprüfungskommission, die bei der Repol genauer hätte hinschauen sollen (siehe Text unten).

Was bleibt nach dieser Woche – ausser vielen offenen Fragen? «Wo Rauch ist, ist auch Feuer», besagt ein Sprichwort. Mit grosser Wahrscheinlichkeit läuft bei der Repol vieles gut, und offenbar hat Kommandant Roland Jenni – so wird ihm von verschiedenen Seiten bescheinigt – «den Laden im Griff». Und doch scheint es nicht zuletzt aufgrund der vielen Abgänge in den letzten Jahren Handlungsbedarf zu geben.

Roland Kuster, ein engagierter und entscheidungsfreudiger Ammann, kann darauf vertrauen, dass schnell wieder Gras über die Sache wächst. Denn wie so oft, wenn Kritik auf die Gemeinde einprasselt, kann er sich mehrheitlich des Supports der Wettinger sicher sein. Eigentlich ein gutes Zeichen, da dies zeigt, dass die Wettinger stolz sind auf ihre Gemeinde und noch viel wichtiger: den Behörden grundsätzlich ein gutes Zeugnis ausstellen. Wenn potenzielle Missstände öffentlich werden, ist das aber nicht per se schlecht. Im Gegenteil: Gehen die Behörden transparent und selbstkritisch damit um, schafft dies letztlich auch wieder Vertrauen in die Institutionen.

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