Die Diskussion um den Fluglärm im Aargau entfacht erneut: Nachdem der Regierungsrat Mitte Januar seine offizielle Stellungnahme an das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) geschickt hat (Aargauer Zeitung vom 14.1.), meldet sich nun der Verein für erträglichen Fluglärm Baden-Wettingen (VefeF) zu Wort. In einer Medienmitteilung lobt er zwar den Einsatz, der zum Schutze der Aargauer Bevölkerung unternommen wird – insbesondere in Bezug auf den Nachtfluglärm. Es sei aber unverständlich, «dass der Regierungsrat die Verschiebung der Abflugrouten ab Piste 28 Richtung Westen, tief in den Aargau» – somit in die Region Wettingen, Baden und Rohrdorferberg – akzeptiere.

Zur Erinnerung: Im Rahmen der Anpassungen am Sachplan Infrastruktur der Luftfahrt (SIL 2), der den Betrieb des Flughafens Zürich festlegt, soll ein neues Abflugkonzept für die Piste 28 gelten. Diejenige Piste also, auf der tagsüber prioritär gestartet wird. Geplant ist, die bisherige Flugroute via Geroldswil über den Mutschellen neu weiter westlich via Wettingen über Ober- und Niederrohrdorf zu verschieben.

«Die Region hat viel zu verlieren»

«Es kann nicht sein, dass der Regierungsrat der neuen Abflugroute – unter Vorbehalt geringfügiger Korrekturen – zustimmt», sagt VefeF-Präsident Kurt Weber auf Anfrage. Selbst, wenn die Abflugroute um einige hundert Meter zurückverschoben würde, würde sich die Situation nicht ändern. «Der Regierungsrat tut so, als wäre eine Flugroute ein Strich in der Landschaft», führt Weber aus. Doch eine Flugroute führe zu einem Lärmteppich von mehreren Kilometern Breite. «Die Region hat mit SIL 2 viel zu verlieren. Besonders stark betroffen wären Würenlos, Wettingen, Neuenhof sowie Nieder- und Oberrohrdorf.» Der VefeF fordert deshalb den Regierungsrat auf, seine Meinung zu revidieren und das neue Abflugregime ab Piste 28 abzulehnen.

Doch: Die Kantonsexekutive wird den eingeschlagenen Weg nicht verlassen, wie Simone Britschgi, Mediensprecherin des Departements Bau, Verkehr und Umwelt, sagt: «Der Regierungsrat hat die Argumente des VefeF im Rahmen seiner Stellungnahme bereits miteinbezogen.» Dabei habe der Regierungsrat die Interessen aus einer Gesamtsicht abgewogen. «Er muss einen Ausgleich schaffen zwischen den verschiedenen Vernehmlassungen wie auch der lokalen Betroffenheit.» In der Gesamtbeurteilung würden die positiven Aspekte überwiegen, etwa die rund 40 000 Starts pro Jahr, die neu über dem Kanton Zürich nach Osten abdrehen und nicht mehr über dem Aargau. «Deshalb hat der Regierungsrat – unter klaren Vorbehalten – letztlich zugestimmt», sagt Britschgi.

Was die neue Abflugroute ab Piste 28 betrifft, habe der Kanton klare Forderungen gestellt, führt sie weiter aus. So dürfe das Siedlungsgebiet von Ober- und Niederrohrdorf nicht direkt überflogen werden. Auch sei im Bereich Wettingen/Würenlos eine «schonendere Routenführung festzulegen», also ein möglichst grosser Abstand zu bestehenden Wohn- und Mischzonen sowie zum Siedlungsentwicklungsgebiet.

Die bisherige Startroute führe über den Mutschellen, «die Bewohner dieses Gebiets werden nun spürbar entlastet», sagt Britschgi. Ausserdem würde die neue Routenführung die Sicherheit verbessern und der Aargau von Überflügen entlastet.