Goldene Schuhe, Rüschenhemd, schillerndes Gilet und unter dem Zylinder eine runde Brille, hinter deren Gläser der Schalk sitzt. Dazu eine facettenreiche Mimik mit einem Mund, aus dem packende Geschichten perlen: Philipp Galizia! Sein sechstes Soloprogramm hat er – wie schon dessen fünf Vorgänger – im Theater im Kornhaus (Thik) aus der Taufe gehoben. Das Badener Publikum dankt ihm seine Treue: Der Zuschauerraum war am Samstag bis auf den letzten Platz besetzt. Auf der Bühne ein wuchtiger Ledersessel, daneben ein kleiner Tisch mit nostalgischem Radio. Auf der anderen Seite der Bass, der jedes von Galizias Solo-Programmen genau genommen zum Duo-Programm macht.


Mit «Ich heisse Kater, mein Beruf Kater, meine Religion Katerismus», hebt Galizia an, um sogleich festzustellen, dass «jeder Anfang ein Ende» hat. So haben auch die Töne einer Musikdose im Bauch einer kleinen Maus ein Ende, was für das Publikum zugleich der Anfang ist von einem Abend zwischen schrägem Witz, frecherer Ironie, absurden Schlussfolgerungen, poetischen Liedeinlagen – vor allem aber mit einer gehörigen Portion Philosophie.


Erschossen, überfahren, vergiftet
Katers Lebenslauf würde Stoff für einen dicken Abenteuer-Krimi-Schmöcker bieten. Denn Kater stürzt ab, wird erschossen, überfahren, vergiftet, erschlagen, um sechs Mal aufzuerstehen. Katzen haben, so sagt man, sieben Leben. Galizia lässt uns intensiv an allen teilhaben, an Katers Liebe, Frust, Zorn, Spässchen und immer, immer wieder an den Fragen, die er sich stellt. Blitzschnell wechseln Katers Schilderungen von (schwarzem) Humor zu tiefgründigen Lebensfragen, von Sentimentalität zu leiser Bitterkeit. Unter anderem nimmt er die Zweibeiner aus der Sicht eines Vierbeiners immer wieder mit treffendem Spott unter die Lupe. So kommentiert er etwa unsere Unentschlossenheit in vielen Belangen mit dem lapidaren Satz «der Konjunktiv geht mir am Arsch vorbei».


Philipp Galizia ist, von Paul Steinmann (Text und Regie) bestechend unterstützt, voll in seinem Element. Seine Bühnenpräsenz und seine konstante Spiellust packen das Publikum ebenso wie die Dichtheit seiner Erzählungen konzentrierte Aufmerksamkeit fordert. Gewisse Wiederholungen, vorab in den philosophischen Elementen, ziehen das Programm gegen den Schluss hin allerdings etwas zu sehr in die Länge. Einige Kürzungen würden dem Abend noch zusätzliche Würze verleihen.


Paella mit Musik
Aus Anlass der Uraufführung hatte Galizias Schwester Katharina Galizia, Mitbetreiberin der Kulturbeiz Chappelehof in Wohlen, vor der Vorstellung köstliche Apéro-Häppchen bereitgestellt. Und nach dem theatralischen Genuss wurde an der Limmat mit Galizias Paella, Bier, Wein und dem Trio «Gibs mit Guzzi» (Marius Meier, Kontrabass Dominik Meyer, Violine, Mario Strebel, Akkordeon) mit Genuss gefeiert.