Wie viel Schwimmunterricht brauchen Schulkinder? Diese Frage beschäftigt in gut zwei Wochen den Badener Einwohnerrat. Er muss darüber entscheiden, ob die Stadt Baden ab dem Jahr 2021 ein öffentliches Schwimmbecken weniger hat. Im Rahmen der dringend notwendigen Sanierung des Schulhauses Pfaffechappe schlägt der Stadtrat nämlich vor, die Schwimmhalle aus Kostengründen in eine Gymnastikhalle umzuwandeln. Diese Lösung wäre 4 Millionen Franken günstiger als eine Variante mit Renovation des Hallenbads.

Nach deutlich teureren Neubau- und Umbauplänen für das Schulhaus Pfaffechappe war es der Stadtrat, der einen «Kostendeckel» von 20 Millionen Franken forderte, denn die Stadt Baden muss auf Geheiss des Einwohnerrats sparen. Der Stadtrat will deshalb auch den Entscheid zur Schwimmhalle dem Einwohnerrat überlassen. Die städtische Abteilung Bildung hat einen Bericht erstellt, der mögliche Alternativen für den Unterricht aufzeigt. So müssten zum Beispiel die Fünft- und Sechstklässler und die älteren Oberstufenschüler aufs Schwimmen verzichten.

Briefe und Badeentchen

Heute besuchen in Baden alle Schulkinder von der ersten Klasse bis zur 3. Klasse der Oberstufe den Schwimmunterricht. Der verstellbare Hubboden im Hallenbad Pfaffechappe erlaubt es den jüngeren Kindern, in einer geringen Wassertiefe schwimmen zu lernen. Der Wegfall des Bades würde zwangsläufig eine Reduktion des Schwimmunterrichts bewirken, die Schulklassen – aber auch private Angebote an den Randstunden und Sportvereine – müssten auf das öffentliche Hallenbad, das Terrassenbad oder das Schulschwimmbad Burghalde ausweichen.

Das überparteiliche Komitee «Pro Schwimmhalle Pfaffechappe» hat diese Woche allen Badener Einwohnerrätinnen und Einwohnerräten einen Brief mit Badeentchen geschickt und erklärt, warum es sich für den Erhalt des Schwimmbads einsetzt. Der Platz im Wasser sei jetzt schon sehr beschränkt in den Badener Bädern: «Der Dichtstress im Schwimmbecken würde weiter akzentuiert.»

Betriebskosten durch intelligentes Management senken

Als mögliche Lösungsansätze schlägt das Komitee etwa vor, die Betriebskosten durch Zusatzeinnahmen und ein intelligentes Kostenmanagement zu senken. Zudem könnte sich Baden mit verschiedenen Events (zum Beispiel «Nacht der Schwimmer» oder «Schwimmstadt der Schweiz») profilieren und so zusätzliche Einnahmen generieren. Angeschlossen haben sich dem Komitee unter anderem die Lebensrettungsgesellschaft SLRG Baden-Brugg, der SC Baden Wasserball, Pro Senectute Baden und die IG Sportvereine Baden. Sie und weitere Vereine wären von der Schliessung direkt betroffen. Raffael Schubiger, der sich als Vater eines Schulkinds im Komitee engagiert, sagt: «Schwimmen ist in der Schweiz eine der wichtigsten sportlichen Aktivitäten. Uns ist es ein sehr wichtiges Anliegen, dass wir in Baden die entsprechende Infrastruktur haben.»

Das Komitee schreibt, die Stadt Baden sei eine Bäderstadt mit dem Element Wasser im Namen. Zudem sei die Stadt mit mehreren Labels ausgezeichnet, wie etwa «Kinderfreundliche Gemeinde» der UNICEF oder «Wellness Destination» des Schweizer Tourismus-Verbands. Es wäre deshalb ein völlig falsches Signal, wenn man nun gerade das Angebot im Bereich Wasser um einen Drittel reduzieren würde, findet das Komitee. «Es gibt im ganzen Kanton Aargau 17 Hallenbäder», erklärt Schubiger. «Die Schwimmhalle in der Pfaffechappe entspricht fünf Prozent dieser Wasserfläche.» Wenn diese verschwinde, würde man das sehr schnell spüren. Und: «Die Wasserflächen in der Pfaffechappe, in der Burghalde und im öffentlichen Hallenbad sind jetzt schon zu 100 Prozent belegt. Für uns ist die Schliessung der Schwimmhalle der völlig falsche Ansatz», sagt Schubiger.

Und er stellt folgende Rechnung an: «Wenn man vier Millionen Franken investiert und jedes Jahr 200'000 Franken Betriebskosten hat, heisst das doch vereinfacht bei 20'000 Einwohnern in Baden, dass man für die nächsten 20 Jahre ein saniertes Hallenbad erhält, das jeden Einwohner 20 Franken pro Jahr kosten würden, sprich 10 Franken Investition und 10 Franken Betriebskosten. Wir finden, das ist es wert für die Kinder, die Vereine und Baden als Zentrumsstadt.»

«Wohin steuern wir als Stadt?»

Benjamin Steiner, Vater von drei Kindern und für das Team Baden im Einwohnerrat, macht sich für das Anliegen des Komitees stark. «Ich finde es wichtig, dass man allen Schulkindern guten Schwimmunterricht bieten kann.» Das sei eine Lebensversicherung für die Kinder, und nicht alle Eltern könnten sich private Schwimmkurse als Ergänzung leisten. Er will deshalb in der Ratssitzung am 11. Dezember den Änderungsantrag stellen, dass die Schwimmhalle erhalten bleibt. Er unterstütze zwar den Sparwillen der Stadt, aber nicht, wenn er zu halbherzigen Umbauten führe.

Steiner stört auch, dass bei der Sanierung auf eine kontrollierte Lüftung und Minergie-Massnahmen verzichtet werden soll. Schliesslich gehe es um ein Schulhaus, in dem sich die Schüler den ganzen Tag konzentrieren sollten. Wenn man zum Lüften ständig die Fenster aufreissen müsse, sei der Energiespareffekt verflogen. «Ich frage mich, warum wir in der Stadt ein Sportleitbild und ein Energieleitbild haben, wenn diese dann bei städtischen Gebäuden doch nicht zählen», sagt Steiner. Er findet, der Einwohnerrat müsse Stellung beziehen und klar Ja oder Nein sagen zum Schwimmbecken. «Die Frage ist, was wir uns leisten und wo wir hinsteuern als Stadt», sagt Steiner. «Der Bedarfsnachweis ist aber selten so klar gegeben wie bei dieser Schwimmhalle.»