Geschichten am Lagerfeuer, viel Natur, spannende Ausflüge und Freundschaften fürs Leben. Für diese Werte und Erlebnisse stehen die Pfadfinder und Jungwacht-Blauring. Mit dem nationalen Pfadi-Schnuppertag, der am Samstag auch in unserer Region stattfindet, will die Pfadi nicht zuletzt ausländische Kinder für den Verein begeistern.

Denn: In solchen Organisationen sind vor allem Schweizer. Anders als in Sportvereinen bleiben Ausländer den Jugendorganisationen eher fern. «Die meisten Mitglieder sind Schweizer aus der Mittelschicht», sagt Barbara Blanc, Präsidentin der Pfadi Schweiz aus Ennetbaden. Bei einem Jahresbeitrag von höchstens 100 Franken ist sich die Organisation aber sicher: Auch wenig einkommensstarke Familien könnten sich die Pfadi leisten. Was die Ausländer angeht, stellt sie klar: «Wir beobachten, dass es uns einfacher gelingt, Kinder aus ausländischen Familien dann für die Pfadi zu begeistern, wenn die Pfadi auch im Herkunftsland bekannt ist», so Blanc weiter.

Mitgliederzahlen steigen wieder

Die Jugendorganisationen haben sich nun etwas überlegt, damit vermehrt Ausländer auf die Pfadi und Jubla aufmerksam werden. In 14 verschiedenen Sprachen haben die Vereine Flyer gedruckt. «Skaut- kush jemi ne, çfarë bëjmë ne», heisst es etwa auf der einen Broschüre. Auf Albanisch bedeutet das so viel wie: «Pfadi – wer wir sind, was wir tun.» Von tamilisch, polnisch bis hin zu arabisch werden die Flyer gedruckt und unter die Leute gebracht. Vor allem den Eltern soll damit erklärt werden, worum es bei der Pfadi geht.

«Die englischen Flyer sind besonders beliebt, da in der Umgebung viele Engländer und Inder wohnen», sagt Nadine Buffat von der Pfadi Baregg Baden. Trotz den Bemühungen konnte der Verein aus Baden bis jetzt mit der Flyeraktion an Schulen nur ein einziges neues Mitglied gewinnen. Die Aktion läuft trotzdem weiter. Vor 20 Jahren lag die Zahl der Mitglieder in der Pfadi schweizweit bei 60 000 Mitgliedern. 2015 waren es nur noch 42 000. Langsam steigen die Zahlen wieder.

Über die Gründe der Abnahme in den 90er-Jahren kann man nur spekulieren. Barbara Blanc vermutet unter anderem eine Veränderung der Familienstruktur. Eltern liessen sich öfter scheiden, somit war das Kind an den Wochenenden ausgelastet. Blanc betont: «Der Pfadikantonalverband Aargau hat die Flyer gedruckt, um Ausländer auf uns aufmerksam zu machen, nicht, weil wir einen neuen Mitgliederrekord anstreben.»

Bei einem Ausländeranteil in der Gemeinde von 50,3 Prozent finden sich in der Pfadi Riko Spreitenbach vermehrt Kinder mit Migrationshintergrund. «Wir mussten keine grosse Werbung mit den Flyern machen. Bei uns stammen viele Leiter und Kinder ursprünglich nicht aus der Schweiz», sagt Fabienne Helfenstein, Abteilungsleiterin der Pfadi Riko.

Jubla ist offen für alle Religionen

Die Jubla hatte 1958 in der Schweiz 36 231 Mitglieder, 2016 waren es nur noch 29 850. Die Flyer werden deshalb auch bei ihnen verteilt. «In der Jubla sind wir offen für alle. Es gibt keinen Leistungsdruck für die Kinder, das ist ein grosser Vorteil gegenüber Sportvereinen», heisst es vonseiten der Kantonsleitung.

Im Gegensatz zur Pfadi haben Jungwacht und Blauring einen Bezug zum Glauben. Die katholische Kirche unterstützt die Vereine finanziell und ideell. Die Jubla Rütihof gehört mit ihren 150 Kindern zu den grösseren gemischten Scharen im Bezirk. «Von den 150 Mitgliedern sind ein Drittel Ausländer,» sagt Robert de Boer, Leiter der Jubla Rütihof.

Früher sei der Anteil an ausländischen Kindern kleiner gewesen, sagt de Boer. «Eine Organisation wie die Jubla ist in vielen Ländern gar nicht bekannt.» Mittlerweile sei die Jubla aber auch bei Ausländern angekommen. «Die Religion spielt bei uns kaum eine Rolle. Wenn wir unseren Verein in den Schulen vorstellen, haben sowohl Schweizer als auch Ausländer Interesse.»

Auch muslimische Kinder

Mit 190 Kindern gehört der Verein Blauring St. Sebastian aus Wettingen, der nur Mädchen vorbehalten ist, zu einem der grössten der Schweiz. «Wenn wir unsere Organisation an den Schulen vorstellen, ist das Interesse bei allen Kindern riesig», sagt Rahel Wernli, Leiterin des Blaurings Wettingen.

«Mindestens ein Viertel der Kinder hat einen Migrationshintergrund. Wir haben auch muslimische Mädchen aus der Türkei oder aus dem Kosovo.» Aus diesem Grund, so Wernli, gibt sich die Jubla immer mehr Mühe, so offen wie möglich gegenüber anderen Religionen zu sein. Während man früher öfter Gottesdienste besuchte, beschränkt man sich laut Wernli heute auf etwa drei Besuche in der Kirche pro Jahr. Dabei steht es den Andersgläubigen zu, selber zu entscheiden, ob sie daran teilhaben möchten oder nicht.

Rahel Wernli kam durch ihre Mutter zum Verein. «Meine zwei Geschwister und ich waren sofort begeistert.» Wernli hofft, dass durch die Flyer-Aktion auch ausländische Eltern ihre Kinder vermehrt zu einer Vereinstätigkeit motivieren.