Fislisbach
Per Knopfdruck zum Holzhocker: Familienbetrieb trotzt der angespannten Wirtschaftslage

Der Familienbetrieb Peterhans, Schibli&Co investierte in den letzten Jahren 3,5 Millionen in einen Neubau. Jetzt wird er eingeweiht.

Carla Stampfli
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Michael (l.) und Beat Peterhans in der neuen Maschinenhalle.

Michael (l.) und Beat Peterhans in der neuen Maschinenhalle.

Alex Spichale

Am Samstag ist es soweit: Der Fislisbacher Schreinerei- und Holzbaubetrieb Peterhans, Schibli & Co. weiht mit einem Tag der offenen Tür seinen neuen Gebäudekomplex an der Badenerstrasse ein. Dafür hat das Familienunternehmen, das in zweiter Generation geführt wird, in den letzten Jahren rund 3,5 Millionen Franken investiert.

Dass eine Firma angesichts der angespannten Wirtschaftslage finanzielle Ressourcen in einen Neubau investiert, ist eher aussergewöhnlich – bauen doch viele KMU Stellen ab, verlagern die Produktion ins Ausland oder erhöhen die Arbeitszeit. «Klar, das Umfeld ist nicht einfach. Auch der Druck ist hoch», sagt Michael Peterhans (53), der mit seinem Bruder Beat (55) die Geschicke leitet.

Seit der Pensionierung des langjährigen Geschäftsleiter Sebastian Spörri Ende letzten Jahres werden sie zusätzlich von Lukas Spörri, Reto Attiger und Daniel Keller unterstützt. «Wir haben jedoch den Vorteil, dass das Unternehmen in der Region stark verwurzelt, kaum exportabhängig und auf Privatkunden ausgerichtet ist.» Denn anders als bei Privaten gelte bei Aufträgen der öffentlichen Hand oft die Devise: der Billigste gewinnt.

«Obwohl auch Privatkunden auf den Preis achten, können wir dank qualitativen Projekten überzeugen.» Darüber hinaus sei es wichtig, die Beziehung zu den Kunden zu pflegen. «Sie müssen merken, dass sie ernst genommen werden und man sich für sie einsetzt», fügt Beat Peterhans hinzu. Besonders im digitalen Zeitalter, in dem viele Vorgänge anonym abgewickelt werden. Auch aus diesem Grund habe man entschieden, zu investieren: «Wir möchten als innovativ wahrgenommen werden.»

Investition hat sich gelohnt

Das Herzstück der Firma ist heute die helle, 400 Quadratmeter grosse Maschinenhalle. In dieser stehen unter anderem Sägen, Hobelmaschinen und computergesteuerte Bearbeitungszentren, die auf Knopfdruck dreidimensionale Objekte wie etwa Holzhocker fräsen können. «Wir merken bereits jetzt: Die Investition hat sich gelohnt», sagt Michael Peterhans. Zum einen, weil die Abläufe optimiert werden konnten und somit die Produktivität gestiegen ist. Zum anderen, weil die Mitarbeiter nun über ein Umfeld verfügen, indem «man gerne arbeitet». So sind neben der Halle auch die Büroräume samt Kundenempfang umgebaut worden.

Das Familienunternehmen Peterhans, Schibli & Co. AG wurde 1959 gegründet und beschäftigt heute 47 Mitarbeiter, davon 13 Lehrlinge. Michael und Beat Peterhans sind seit über 30 Jahren im Betrieb tätig. «Wir haben schon immer Freude am Holz gehabt», sagen sie unisono. Die Leidenschaft haben die Brüder von ihrem Vater und Firmengründer Josef Peterhans geerbt. Er hat ihnen Werte mitgegeben, die sie heute noch ausleben. «Wer mit Herz bei der Sache ist und an der Basis bleibt, hat Erfolg», sagt Michael Peterhans. Kein Wunder, bezeichnen die Brüder ihre Mitarbeiter als wichtigstes Kapital. Beat Peterhans: «Ohne sie läuft nichts,»

Dass der Holzbaubetrieb Wert auf Mitarbeiterkultur legt, zeigt sich an den Aktivitäten: Unter anderem werden zweimal pro Woche betriebseigene Gymnastikstunden angeboten und regelmässige Workshops. «Wir kommunizieren auch sehr offen unserem Team gegenüber», sagt Beat Peterhans. Die Geschäftsleitung informiert monatlich über Umsatzzahlen und eingegangene Aufträge. Umgekehrt haben Mitarbeiter die Möglichkeit, Verbesserungsvorschläge auf einen Zettel zu schreiben und dem direkten Vorgesetzten abzugeben. «Das stärkt das gegenseitige Vertrauen und hilft, die Firma auf ein höheres Level zu bringen.»

Doch verläuft auch die Beziehung zwischen den Brüdern harmonisch? «Wir brauchen einander», sagt Michael Peterhans mit einem Lachen. Beat Peterhans beginnt ebenfalls zu lachen und sagt: «Wir unternehmen auch sonst viel gemeinsam.» Beispielsweise spielen sie in der Musikgesellschaft Fislisbach. Trotz vieler Gemeinsamkeiten gibt es auch einige Dinge, die sie unterscheidet: Während sich Michael Peterhans als impulsiv bezeichnet und sich in der Freizeit den Drechslerarbeiten verschrieben hat, ist Beat Peterhans der ruhigere Pol und hobbymässig als Winzer unterwegs.

Nachwuchs bereits eingespannt

Der Zukunft blicken die beiden Geschäftsleiter positiv entgegen: Mit dem neuen Gebäudekomplex habe das Familienunternehmen eine «gute Dimension» erreicht. Zudem ist bereits mit Beat Peterhans’ Tochter Bettina die dritte Generation im Schreinerei- und Holzbaubetrieb vertreten. «Unsere Aufgabe besteht jetzt darin, dass wir mit unserem gut aufgestellten Team am Markt bestehen und die Nähe zu den Kunden halten können», sagt Beat Peterhans.

Die Kundenpflege kommt für die Peterhans, Schibli & Co. AG in nächster Zeit bestimmt nicht zu kurz. Die Firma kann an der Badenfahrt im August mehrere Projekte realisieren. «Als regionales Unternehmen macht uns das besonders stolz», sagt Beat Peterhans und blickt mit einem Lächeln zu Michael Peterhans. Doch zuerst freuen sich die beiden mit ihrer Belegschaft auf den Samstag, an dem sie Interessierten die Schreinerei an der Badenerstrasse und die Zimmerei an der Bernardastrasse präsentieren. Dabei ist auch für Speis und Trank gesorgt: Der gesamte Erlös fliesst in das Sponsoringprojekt «Nachhaltige Eichenförderung» der Stadt Baden. «Wir geben gerne. In irgendeiner Form kommt immer etwas zurück», sagen die Brüder.

Tag der offenen Tür: Samstag, 13. Mai, 10 bis 16 Uhr, Badenerstrasse 42 und Bernardastrasse 38, Fislisbach.