Neue Fasnachtspuppen schmücken das Dorfbild von Oberrohrdorf.

Neue Fasnachtspuppen schmücken das Dorfbild von Oberrohrdorf.

Bild: Britta Gut

Oberrohrdorf
Corona zum Trotz: In dieser Fasnachts-Hochburg setzen die Narren ein farbiges Zeichen

Die fünfte Jahreszeit fällt wegen Corona aus – die Oberrohrdorfer Fasnachtsgruppen haben sich trotzdem etwas einfallen lassen.
Und das Motto für das nächste Jahr steht bereits fest.

Luca Giannini
Merken
Drucken
Teilen

Anders als die vielen Dorf- und Vereinsfeste konnte die Fasnacht im Aargau noch an den meisten Orten stattfinden. Dieses Jahr aber fällt die fünfte Jahreszeit wegen der Coronapandemie aus. Ganz sein lassen will man es in der Fasnachtshochburg Oberrohrdorf aber nicht. Hier wird alljährlich der «Polteri» verbrannt, dem das Gericht allerlei vorwirft. Und hier findet auch alljährlich der legendäre Hinterbächliball statt, der Fasnächtlerin über die Kantonsgrenzen hinaus ein Begriff ist.

Gerade in Oberrohrdorf wäre also ein Jahr ganz ohne närrische Aktivitäten besonders schmerzlich. «Polteri»-Verbrennung und Hinterbächliball fallen der Pandemie zwar ohne Wenn und Aber zum Opfer, doch immerhin: Auf die Fasnachtsdekoration müssen die Oberrohrdorferinnen und Oberrohrdorfer auch 2021 nicht verzichten.

Neue Fasnachtspuppen schmücken das Dorfbild von Oberrohrdorf.
6 Bilder
In Oberrohrdorf schmücken FasnächtlerInnen das Zentrum mit schaurigen und verückten Figuren - hier vor dem Gemeindehaus. Die Fasnacht kann dieses Jahr aufgrund von Corona nicht stattfinden. Aufgenommen am 03.02.2021
Die Fasnächtler freuen sich auf die fünfte Jahreszeit im 2022.
Trotz Absage der Fasnacht: Oberrohrdorf wurde närrisch geschmückt.
In Oberrohrdorf schmücken FasnächtlerInnen das Zentrum mit schaurigen und verückten Figuren - hier vor der Filliale der Hypothekarbank Lenzburg. Die Fasnacht kann dieses Jahr aufgrund von Corona nicht stattfinden. Aufgenommen am 03.02.2021

Neue Fasnachtspuppen schmücken das Dorfbild von Oberrohrdorf.

Bild: Britta Gut

Närrische Puppen verzieren das Dorf

Drei örtliche Fasnachtsgruppierungen, die Polterzunft Staretschwil, die Rohrdorfer Chessler und die Bänkli-Clique, haben 18 Puppen gebastelt und diese an verschiedenen Standorten im Dorf platziert. Im Dorfzentrum, vor dem Volg, wurde als Highlight ein drei Meter hoher Clown auf einem Podest montiert. Weitere Figuren stehen unter anderem bei der Bushaltestelle Staretschwil und vor dem Gemeindehaus.

Auch vor dem Gemeindehaus und dem Volg verbreiten mehrere Puppen Fasnachtsstimmung.

Auch vor dem Gemeindehaus und dem Volg verbreiten mehrere Puppen Fasnachtsstimmung.

Bild: Britta Gut

Eine kleine Medizin gegen die Enttäuschung

«Jeder, der wollte, hat zu Hause etwas gebastelt: Larven, Masken, aufblasbare Figuren oder Figuren aus Stroh», erzählt Patrick Gutjahr, der Dekorationschef der Oberohrdorfer Fasnächtler. Er selber hat mit zwei Kollegen ein Podest zusammengeschweisst, auf dem jetzt im Dorfzentrum jener Clown thront. Mit der Aktion wolle man der Bevölkerung etwas Farbe in der doch eher spassfreien und grauen Coronazeit schenken. Natürlich sei das Ganze auch eine gute Möglichkeit, die eigene Enttäuschung über ein fasnachtsfreies Jahr zu überwinden.

Ausserdem habe ein Zeichen gesetzt werden können, um Oberrohrdorf zu zeigen, dass die Fasnächtler auch jetzt da sind. Apropos da sein: Wie sieht es mit dem nächsten Jahr aus, wird man dann auch noch da sein? Oder wird das Coronavirus zum finanziellen Genickbruch führen und die Oberrohrdorfer Fasnachtstradition findet dadurch ein unschönes Ende? Patrick Gutjahr kann Entwarnung geben:

Ein Jahr Ausfall können wir verkraften, dafür haben wir genug Reserven.

Die gute Kassensituation sei vor allem dem Umstand zu verdanken, dass der Hinterbächliball in den letzten Jahren immer viele Gäste angelockt hatte und voll ausverkauft war. Zudem konnten die meisten Unterhaltungsacts, die für dieses Jahr bereits verpflichtet worden waren, auf 2022 umgebucht werden.

Motto kurzfristig angepasst

Das eigentliche Motto für die diesjährige Fasnacht hätten die Oberrohrdorfer Cliquen am 11. November bekanntgeben wollen, dann aber nicht getan, «weil wir dachten, dass die Durchführung der Fasnacht wohl nicht möglich sein wird», so Gutjahr. So wurde es kurzfristig umgeändert zu «Mer Gsänd eus ade Fasnacht 2022»:

Bild. Luca Giannini

Diese wird dann unter dem Motto stehen, das für dieses Jahr ausgedacht war und jetzt bis im November weiter geheim gehalten wird. Ganz so lange wird die Corona-Fasnachtsdekoration nicht stehen. Sie soll aber noch während rund eines Monats die Bevölkerung erfreuen.