Baden

«Nur mit Fehlern entstehen grosse Projekte»: Amorana-Gründer motiviert Lernende

Alan Frei, Amorana-Mitgründer

Alan Frei, Amorana-Mitgründer

Junge Menschen sollen Start-ups gründen. Mit Inputs vom Badener Sex-Toy-Unternehmer Alan Frei sollen Libs-Auszubildende zu «neuen Brown und Boveri» geschult werden.

Die Schweiz gilt als innovativstes Land der Welt: 2019 erhielt sie diesen Titel zum vierten Mal in Folge. Dieser Spitzenplatz zeigt sich unter anderem dadurch, dass die Schweiz trotz Corona derzeit einen Boom an Firmengründungen erlebt. Von dieser Entwicklung profitieren hauptsächlich Hochschulen, sie erhalten einen Grossteil der Fördermittel für Innovation. Allerdings studiert nur ein Drittel der jungen Schweizer, der Rest absolviert eine Lehre. Die Lernenden könnten allerdings auch gute Ideen haben, die gefördert werden müssten.

Zumindest Lernende der Maschinen-, Elektro-, und Metallindustrie (MEM) sollen nun diese Möglichkeit erhalten. Das in Baden ansässige Ausbildungszentrum Libs, das schweizweit die meisten Lernenden in der MEM- Branche ausbildet, startet ein Projekt, um seinen Lehrlingen das Unternehmertum näher zu bringen. Einerseits, um gesamtgesellschaftlich die Innovation weiter zu fördern. Andererseits aus Eigennutz: Die Attraktivität des MEM-Sektors nimmt ab, mit dem Projekt und der Aussicht, Auszubildende zu Führungskräften und selbstständigen Jungunternehmern zu machen, will Libs diese wieder steigern.

So soll die technische Ausbildung um eine unternehmerische ergänzt werden. Für alle Lernenden wird ab kommenden Februar im ersten Lehrjahr ein Kurs zu unternehmerischem Denken und Handeln verpflichtend. Als Leistungsnachweis muss eine eigene Geschäftsidee eingereicht werden. Aus dieser Idee soll in einem freiwilligen Kurs im zweiten Lehrjahr eine eigene Firma entstehen, die Investoren vorgestellt wird.

Mehr Interesse an Sport als an Start-ups

Trotz aller Begeisterung für das Projekt rechnet die Libs ab dem freiwilligen Kurs nur noch mit rund einem Viertel der Lernenden. Manche jungen Leute seien einfach mehr am Sportmachen interessiert als an Start-ups. Wer den Kurs belegt, hat als Lehrling und Alumni im «Unternehmer-Center» dagegen Zugang zu Events und umfassender Beratung. Beste Voraussetzungen für «den neuen Brown und den neuen Boveri», wie Stadtrat Philippe Ramseier (FDP) beim Kick-off-Event für das «Unternehmerhaus» getaufte Projekt im Badener Nordportal sagt.

Auch sonst sparte man nicht mit Vorschusslorbeeren. «Wir geben jungen Leuten die Möglichkeit, ohne in Zugzwang zu kommen, sehr früh mit dem Unternehmertum in Berührung zu kommen», sagt Clemens Hauser, dessen Zürcher Beteiligungsfirma Rhino Partners sich an dem Projekt beteiligt. «Man kann nicht früh genug anfangen, den Unternehmergeist zu wecken», fügt Libs-Chef Christian Villiger an.

Um diesen Unternehmergeist greifbarer zu machen, war Gastreferent Alan Frei eingeladen. Der Badener gründete 2014 den Online-Sexspielzeughändler Amorana, mittlerweile Schweizer Marktführer in dieser Sparte. Vor wenigen Wochen verkaufte er Amorana an die britische Firma Lovehoney und machte sie zum grössten Sextoy-Verkäufer der Welt – man diskutiert über den Gang an die Börse.

Vor Amorana 52 Start-ups in den Sand gesetzt

Nebst Anekdoten, zum Beispiel, dass sich der Umsatz durch Sextoy-Verkäufe an über 65-Jährige seit Corona versiebenfacht hätte, brachte Frei vor allem eine Kernbotschaft mit: «Nur mit Fehlern entstehen grosse Projekte, nicht, wenn man es perfekt machen will.» Zur Veranschaulichung präsentierte er eine «Liste des Scheiterns»: 52 Start-ups, die er in den Sand setzte, bevor er Amorana gründete.

Mit jedem Fehler habe er mehr gelernt, was es noch zu verbessern gibt, er versteht die Fehler nicht als Rückschläge, sondern als Treppenschritte. Solche Ratschläge hätte er sich in seiner Jugend wohl ebenso gewünscht wie, dass es das «Unternehmerhaus» bereits gegeben hätte: «Ich hätte diese Möglichkeit als Jugendlicher wahrgenommen.»

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