Verkehrspolitik

Neue Brücke über die Limmat: Weshalb Baden und Wettingen Vorbehalte haben

Die Brücke soll vom ehemaligen Schlachthof in die Nähe der Webermühle-Kreuzung führen.

Die Brücke soll vom ehemaligen Schlachthof in die Nähe der Webermühle-Kreuzung führen.

Der Kanton will eine Autobrücke vom ehemaligen Schlachthof in die Nähe der Webermühle-Kreuzung realisieren. Warum es Kritik an diesen Plänen gibt.

Bis im Jahr 2040 soll eine neue Autobrücke über die Limmat gebaut werden. So sehen es die Pläne des Kantons Aargau zur zukünftigen Verkehrsführung in der Region Baden vor. Die Brücke würde vom ehemaligen Schlachthof in Wettingen, neben dem heute ein «Lidl» steht, über den Fluss zur Neuenhoferstrasse in Baden führen.

Gleichzeitig wird die einige hundert Meter entfernte Hochbrücke künftig für Autos gesperrt und nur noch Bussen, Fussgängern, Velofahrern und womöglich der Limmattalbahn zur Verfügung stehen, wie der Kanton vergangenen Dezember mitteilte.

Aber Baden und Wettingen haben Vorbehalte gegen diese Idee. Offiziell will sich niemand äussern. Doch diese Zeitung weiss: Die Nachbargemeinden haben ihre Kritik an den Plänen für eine neue Brücke beim Kanton deponiert.

Aus drei Gründen: Erstens ist noch ungewiss, ob die Limmattalbahn wirklich bis nach Baden weitergeführt wird.

Falls dies nicht passieren wird, könnte die Hochbrücke weiter auch für Autos gebraucht werden – der Bau einer zusätzlichen Brücke käme dann einem Schildbürgerstreich gleich, so die Meinung von Baden und Wettingen. Zweitens finden die Nachbarorte, es sei prüfenswert, die Hochbrücke auch künftig teilweise für Autos zu öffnen – selbst wenn die Limmattalbahn dereinst bis ins Badener Zentrum fahren würde.

Auch Obersiggenthal wehrt sich gegen die Verkehrs-Pläne des Kantons.

Auch Obersiggenthal wehrt sich gegen die Verkehrs-Pläne des Kantons.

Womöglich hätte es weiterhin auch für eine Autospur Platz, die mittels Einbahnregime befahren werden könnte; die Richtung soll morgens und abends wechseln, so eine Idee. Und drittens äussern die Nachbarn Zweifel daran, dass die Autobahnauffahrt Neuenhof – die nahe der geplanten neuen Brücke liegt – den Zusatzverkehr bewältigen könnte.

Die Zuversicht in Baden und Wettingen, dass die Inputs in die Planung des Kantons einfliessen werden, ist vorhanden, wie bei Gesprächen zu erfahren ist.

Mit gutem Grund: Baden und Wettingen zählen zusammen über 40 000 Einwohner, die Meinung der Regierungen (also des Badener Stadtrats und des Wettinger Gemeinderats) hat beim Kanton entsprechend grosses Gewicht. Im Gegensatz dazu versucht sich Obersiggenthal seit Jahren vergeblich Gehör zu verschaffen.

Obersiggenthal sieht sich als Verliererin der Pläne

Die Nachbargemeinde Badens sieht sich wegen des geplanten neuen Martinsbergtunnels und des drohenden Mehrverkehrs als grosse Verliererin der kantonalen Pläne zur Ostaargauer Strassenentwicklung (Oase).

Diese Woche treffen sich die Obersiggenthaler Ortsparteien – die ansonsten gerne mit harten Bandagen gegeneinander politisieren –, um eine gemeinsame Strategie zum Widerstand gegen die kantonalen Verkehrspläne zu besprechen.

Mit dabei sein wird auch die kürzlich neu gegründete GLP Siggenthal. Auch sie stimmte diese Woche in einer Medienmitteilung in den Kanon ein, wonach das Siggenthal vom Verkehr überrollt zu werden drohe.

Zu einer spannenden öffentlichen Diskussionsrunde kommt es heute Donnerstag in einer Woche um 19.45 Uhr in der Galerie Anixis im Badener Bahnhof Oberstadt: Über die Frage, wem die Pläne zur «Oase» nützen beziehungsweise schaden, diskutieren Badens Stadtammann Markus Schneider (CVP), Obersiggenthals Gemeindeammann Dieter Martin (FDP) und VCS-Aargau-Präsident Jürg Caflisch.

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