Baden

Neue bedeutende Funde im Bäderquartier – nun wird das historische Freibad freigelegt

Altar-Fragmente und eine Inschrift lassen darauf schliessen, dass einst eine Kultstätte im Herz des Bäderquartiers bestand. Nun wird auch das Freibad freigelegt.

Der Fund eines Verenabad-Beckens im Bäderquartier sorgte im Mai für Aufsehen. Seither kamen auf dem Kurplatz weitere Funde zum Vorschein. Die Kantonsarchäologie gab sich bisher zurückhaltend, was deren historischen Wert betraf. Das änderte sich am Mittwoch. «Es handelt sich um aussergewöhnliche Funde», informierte Kantonsarchäologe Thomas Doppler die Medien zu den wissenschaftlichen Erkenntnissen. Konkret wurden Fragmente von Altären oder Gesimsen im Bereich der wichtigsten Quelle, des «Grossen Heiligen Steins», ausgegraben. Auch das Fragment einer Inschrift kam auf dem Kurplatz zu Tage, mit Buchstaben auf fünf Zeilen.

Die neuen Funde weisen darauf hin, dass im Herzen des Bäderquartiers der Abbruchschutt eines Heiligtums, einem Kultgebäude, abgelagert wurde. Dass es in Aquae Helveticae, wie Baden zur Römerzeit hiess, einen solchen Sakralbau mit mehreren Altären gab, ist eine neue, wenn auch nicht besonders überraschende Erkenntnis. Kultbauten bei Thermalquellen waren nämlich zu Zeiten der Römer der Normalfall. «Das Baden im Thermalwasser zu Heilzwecken stand bei den Römern untrennbar mit kultischen Handlungen im Zusammenhang», führte Matthias Flück von der Kantonsarchäologie aus.

Das freigelegte Bad im Zentrum des Bildes.

Das freigelegte Bad im Zentrum des Bildes.

Das zeigen Beispiele aus Gallien, Germanien oder Italien. Flück verwies auch auf die Votivstatuetten und grossen Mengen an keltischen und römischen Münzen, die im Bäderquartier beim «Grossen Heissen Stein» in den 1960er-Jahren gefunden wurden. Die Inschrift gibt zurzeit noch Rätsel auf. Experten analysieren sie aber weiter. Möglicherweise nennt sie den Stifter und die Adressaten des Sakralbaus.
Die neuen Funde kamen in einem Leitungsgraben zum Vorschein. Die Stadt lässt auf dem Kurplatz die Leitungen von erneuern. «Was wir nicht erhalten können, dokumentieren wir für die Nachwelt, so dass es rekonstruierbar bleibt», sagte Thomas Doppler. «Wir graben für die Leitungen nur im Bereich der Leitungen, nicht links und nicht rechts davon.»Die Funde werden konserviert. «Was wir finden, steht der Forschung zur Verfügung», sagte Doppler.

Das Becken des Verenabades wurde mittlerweile wieder zugeschüttet. Erst wurde es mit einem Vlies zugedeckt, dann die kleine Baugrube mit Split gefüllt und zuoberst eine Erdschicht aufgetragen. Damit soll das Becken vor Schäden geschützt durch Witterung oder Algenbildung geschützt werden.
Die archäologischen Untersuchungen belegen nun, dass das Verenabad bis 1840 als öffentliches Bad genutzt wurde. Das einfache Volk, Arme und Kranke durften hier baden. Ob das Freibad auch seit der Römerzeit durchgehend bis 1840 genutzt wurde, könnten die weiteren Sondierungen zeigen.

Die Leitungsarbeiten beim Freibad haben vor kurzem begonnen.

Die Leitungsarbeiten beim Freibad haben vor kurzem begonnen.

Eine letzte Gelegenheit für lange

Für die weiteren Leitungsarbeiten wird nun das sogenannte teilweise Freibad freigelegt. Die Arbeiten werden von der Archäologin und Bäderquartier-Expertin Andrea Schaer und ihrem Team eng begleitet. Bauweise und Zustand des Freibad-Beckens sollen mit den historischen Quellen abgeglichen. Es dürfte für lange Zeit die letzte Gelegenheit sein, etwas Neues über die Geschichte des Freibads zu erfahren.

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