Der von Binder Rechtsanwälte und den AZ Medien organisierte Talk im Trafo in Baden ist eine Institution. Dies zeigt sich daran, dass der Trafo-Hauptsaal nicht mehr für das mehrhundertköpfige Publikum reicht. Die Rede wurde zusätzlich in den Nebensaal übertragen.

Jahr für Jahr gelingt es, hochkarätige Referenten in die Bäderstadt zu holen. Erinnert sei etwa an Joachim Gauck, inzwischen deutscher Bundespräsident. Diesmal sprach Reinhard Haller, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapeut und Chefarzt eines Behandlungszentrums für Suchtkranke in Vorarlberg.

Einleitend erinnerte Andreas Binder daran, dass es der Schweiz dank Innovation und Wachstum so gut geht, und er warnte vor Masseneinwanderungs- und Ecopop-Initiative.

Narzissmus, eine Art Selbstsucht

Haller selbst sprach zum hochaktuellen Thema Narzissmus, einer Art Selbstsucht. Er zeigte anhand heutiger Beispiele (etwa der «Like»-Sucht auf Facebook), wie aktuell der griechische Mythos des Narziss ist.

Der Unternehmer Ruedi Hug nahm mit: Ohne einen gewissen Narzissmus ist man eine graue Maus. Wer sich exponiert, braucht ein gewisses Mass Narzissmus. Es sei, wie einst Paracelsus formuliert und Haller bekräftigt hat, eine Frage des richtigen Masses.

Professor Jürg Beer vom Kantonsspital Baden imponierte, wie alte griechische Archetypen auf heutige Situationen anwendbar sind.

Grossrätin Marianne Binder zeigte sich fasziniert von einem Lehrstück Hallers, «wie man eine Rede hält und die Leute eine Stunde lang packt und fesselt». Für sie war es aber auch Selbstreflexion «und heilsam gerade auch als Politikerin».

Ähnlich erging es Ständerätin Christine Egerszegi. Für sie bleibt unvergesslich, wie man mit dem freien Wort begeistern kann. Besonders gefallen hat ihr das Bonmot Hallers, wie ein Narzisst Selbstmord begehe. Er klettere auf sein Ego und springe hinunter.

az-Verleger Peter Wanner weiss jetzt besser, wie Narzissmus funktioniert «und wie wir uns gegenüber Narzissten verhalten sollen».

Der frühere Kantonspolizeikommandant Léon Borer ist überzeugt, dass sich jeder und jede im Saal mit einer Führungsposition in der einen oder anderen Form angesprochen gefühlt und sich auf dem Nachhauseweg einige Fragen gestellt hat.

Einiges für den Umgang mit Narzissten gelernt hat auch Rachela Oppenheim. Und ihr Mann, Publizist Roy Oppenheim, staunte ob Hallers Spitzenleistung, einer Mischung aus Vorbereitetem, Verinnerlichtem und Spontanem.