Neuenhof
Nachruf zu Ruedi Stutz: Ein engagiertes Leben für das Wohl der Gemeinschaft

Nachruf zu Ruedi Stutz (1936–2020), ehemals Gemeindeammann von Neuenhof und CVP-Grossrat.

Roman Huber
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Ruedi Stutz.

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Ruedi Stutz.

Ruedi Stutz.

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Wenn Menschen derzeit von uns gehen, dann tun sie es pandemiebedingt in aller Stille. Irgendwie passt es zu Ruedi Stutz, der trotz seinen Funktionen als Gemeindeschreiber (1962–1989) und dann als Gemeindeammann (1989–2001) stets bescheiden, jedoch grosszügig, einfühlsam und in positiver Art gewirkt und für Neuenhof viel bewirkt hatte. Hier sei ein Ausschnitt davon gewürdigt.

In seine Neuenhofer Wirkenszeit fallen die S-Bahn-Haltestelle, die Umgestaltung der Kantonsstrasse mit drei Kreiseln, die Aufgleisung der Autobahnüberdeckung als augenfälligste Projekte nebst allem, was er für das Wohlergehen geleistet hatte. Ruedi Stutz war über viele Jahre hinweg in wichtigen regionalen Verbänden tätig sowie für seine Partei. Für den Kanton und dessen neue Verfassung gehörte er seitens der CVP dem Verfassungsrat an und vertrat Partei und Region von 1994 bis 2001 im Grossen Rat.

Vom Freiämter zum Neuenhofer

Ruedi Stutz wurde am 5.Januar in 1936 in Aarau geboren und wuchs in Wohlen auf. Die Jugend in dieser schwierigen Zeit hatte ihn geprägt. Den Satz «Hartes Brot ist nicht hart, kein Brot ist hart» bekamen noch seine Kinder, zu hören. Das Engagement für das Dorfleben, ob im kulturellen Bereich, im Sport oder für die Gemeinschaft, verfolgte ihn nahezu. In Wohlen wirkte er in der Jungwacht vom Gruppen- bis zum Schar- und Regionsleiter. Er spielte mit Herzblut Theater und jeweils den Samichlaus. Zur Leidenschaft wurden auch der Fussball und das Tennisspielen.

Das Leben in und für die Gemeinschaft zieht sich rückblickend wie ein roter Faden durch die 84 Jahre von Ruedi Stutz. Dazu gehören nicht zuletzt seine Offenheit, Geselligkeit und sein Humor. Man traf ihn an Dorffesten, Kulturanlässen und jeweils an der Fasnacht, dort am liebsten auf dem Tanzparkett mit seiner Ehefrau Hildi, so während Jahre am FC-Maskenball in Badens Stadtcasino oder im Peterskeller von Neuenhof. Das Familienleben bis zur Pflege der Verwandtschaft hatte seinen gebührenden Platz. Ob Skiferien oder Badeferien am Mittelmeer, Aktivitäten zu Hause oder in den Bergen und in der dritten Lebensphase dann mit den Enkelkindern am Sandkasten, sie waren für ihn und seine Nächsten stets erfüllend.

Beziehungen gepflegt und gelebt

Das Leben von Ruedi Stutz drehte sich vielfach um den Bereich von Beziehungen. An erster Stelle stand zweifellos diejenige zu seiner Frau Hildi. Nach seinen Lehrjahren in der Verwaltung von Wohlen lernte der frisch geprüfte und urkundsberechtigte Gemeindeschreiber nach seinem Stellenantritt im Jahre 1962 in Neuenhof die Sekretärin «Fräulein Bürge» kennen. Aus der scheuen Beziehung zwischen Freiämter und Fricktalerin ging alsbald ein fröhliches, glückliches Paar hervor, das zwei Jahre nach der Heirat im Jahr 1967 durch die Geburt von Esther und später von Michael zur Familie wuchs.

Beziehungen prägten auch das berufliche Wirken. Zum Beispiel die über 500 Trauungen, die er in 27 Jahren als Zivilstandsbeamter vollzog. Dazu gehörte das loyale, empathische und gewissenhafte Wirken in der Verwaltung, für die Gemeinde und darüber hinaus. Er trug zur Gründung des Vereins Tageshort und des Jugendtreffs bei, förderte die Kultur unter anderem durch die Gründung der Kulturkommission. Er führte 1990 den Neujahrsapéro für die Bevölkerung ein, initiierte die 600-Jahr-Feier der Gemeinde im 1993 und prägte mit seinem Vorgänger, Gemeindeammann Paul Fischer, die Freundschaft mit der Partnergemeinde Holzgerlingen, die ihn zum Ehrenmedaillenträger ernannt hatte.

Während Ruedi Stutz 37 Jahre lang die öffentliche Gemeinschaft pflegte, so war es nach der Pensionierung Anfang 2001 vermehrt sein Garten, insbesondere seine Rosen. Die Politik verfolgte er als CVP-Delegierter weiter. Man sah ihn oft am Spielfeldrand in Aarau oder Wohlen, singend im Männerchor oder mit Freunden jassend. Vor acht Jahren kündigte sich die parkinsonsche Erkrankung an. Trotz aufopfernder Unterstützung seiner Frau musste Ruedi Stutz 2019 ins Pflegezentrum Reusspark übersiedeln.

Die wachsenden Beschwerden vermochten auch dank guter Betreuung, seine positive Art nicht zu verdrängen. «Mer goht’s eigentli guet», meinte er zu seiner Familie drei Tag vor seinem Tod – vielleicht auch rückblickend auf sein erfülltes Leben. Das Coronavirus beendete dieses am 26.November.