Obergericht

Nach Schüssen auf Cousin im Auto: Kosovare muss 7,5 Jahre ins Gefängnis

Eine der Kugeln, die ein Kosovare abfeuerte, löste einen Kurzschluss beim Mercedes seines Cousins aus. Das Auto brannte aus.

Eine der Kugeln, die ein Kosovare abfeuerte, löste einen Kurzschluss beim Mercedes seines Cousins aus. Das Auto brannte aus.

Der Kosovare, der 2016 in Spreitenbach auf das Auto seines Cousins schoss, muss siebeneinhalb Jahre hinter Gitter. Das Bezirksgericht Baden hatte ihn zuvor zu sechs Jahren Haftstrafe verurteilt.

Er habe nie die Absicht gehabt, seinen Cousin Liridon zu töten. «Ich wollte ihm Angst machen. Ich wollte endlich die Sache in Ordnung bringen», sagt Kushtrim (Namen geändert) vor Obergericht. In einer Märznacht 2016 war ein lange andauernder Streit zwischen den beiden Cousins in Spreitenbach eskaliert. Kushtrim wollte seinen Cousin zur Rede stellen, feuerte dann – als dieser sich weigerte aus dem Auto auszusteigen und ihn nicht ernst nahm – drei Schüsse auf das zuerst stehende und dann fahrende Auto von Liridon ab. Der Mercedes fing kurze Zeit später im Bareggtunnel Feuer, eine der Kugeln hatte die Elektronik des Autos getroffen. Liridon rannte im Tunnel zu Fuss weiter und Kushtrim hinterher. Szenen, wie aus einem Film.

Doch Kushtrims Begründung, weshalb er die Schüsse auf das Auto des Cousins abgefeuert hatte, vermochte die Oberrichter nicht zu überzeugen. Sie sprachen ihn am Freitag der versuchten vorsätzlichen Tötung schuldig und verurteilten ihn zu einer Gefängnisstrafe von 7,5 Jahren. Sie bestätigten somit das Urteil des Bezirksgericht Badens, erhöhten aber die Strafe. Die Vorinstanz hatte Kushtrim zu einer Haftstrafe von sechs Jahren verurteilt.

TeleM1 berichtete auch über den Fall. Den Beitrag finden Sie hier:

Erneuter Prozess: Kosovare schoss drei Mal auf Auto von Cousin

Ein Mann schoss vor vier Jahren nach einer Verfolgungsjagd im Bareggtunnel auf das Fahrzeug seines Cousins, weil er ihm angeblich Geld schuldete. Vor einem Jahr eskalierte die Situation vor Gericht erneut. Am Freitag wurde der Fall nun erneut verhandelt.

Liridon wurde aus dem ersten Prozess verbannt

Liridon, der bei der Schiesserei als Opfer und Privatkläger gilt, war beim Prozess diesmal nicht anwesend. Bei der ersten Verhandlung vor Bezirksgericht Baden im April 2019 hatte er mit seinem primitiven Verhalten für Aufsehen gesorgt. Liridon – der wegen anderer Delikte selber in Haft sitzt – kam damals in Handschellen, wurde im Gerichtssaal laut und beschimpfte Rechtsanwalt Urs Oswald, den Verteidiger seines Cousins, mit wüsten Worten. Der Gerichtspräsident musste ihn schliesslich aus dem Gerichtssaal verbannen.

Heute sitzt Liridon noch immer hinter Gitter. Wegen «diverser Vermögensdelikte», heisst es vor Gericht. Liridons Umgang mit dem Geld anderer sei ohnehin der Grund, weshalb der Streit zwischen den beiden Kosovaren so eskaliert sein soll. Kushtrim führte früher ein Restaurant, das in finanzielle Schieflage geriet. Der vermeintlich erfolgreiche Geschäftsmann der Familie – sein Cousin Liridon – bot seine Hilfe an. Er sollte das Lokal retten, stattdessen habe er Kushtrim endgültig in den finanziellen Ruin geführt, so die Verteidigung. Liridon bekam von seinem Cousin sowohl das Vertrauen als auch die Vollmachten. Statt das Restaurant zu retten, schloss er aber Leasing- und Handyverträge sowie Kredite auf den Namen seines Cousins ab und lebte ein «Luxuslotter- leben», wie es Rechtsanwalt Urs Oswald ausdrückte.

Der Konflikt hätte anders gelöst werden können

Liridon sei jedem Konfrontationsversuch von Kushtrim ausgewichen. Dieser habe keinen anderen Weg gesehen, als seinem Cousin Angst zu machen. Er habe nie die Absicht gehabt, die Pistole wirklich zu benutzen: «Ich war sehr wütend und aufgeregt», sagt er über die Begegnung. «Es war ein grosser Fehler, dass ich die Pistole dabei gehabt habe», sagt der heute 47-jährige Familienvater, der Berufung gegen das Urteil der Erstinstanz eingelegt hatte.

Doch diese Reue genügt nicht. Das Obergericht folgt teilweise der Berufung der Staatsanwaltschaft und erhöht die Haftstrafe auf 7,5 Jahre. «Es wäre ihnen ein Leichtes gewesen, nicht zu schiessen und den Konflikt anders zu lösen», sagte der Gerichtspräsident. Kushtrim habe aber damit rechnen müssen, dass die Schüsse aus nächster Nähe seinen Cousin hätten tödlich verletzen können.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1