Es war kalt am 26. November 2013, als im Wasserschloss von 18 Uhr abends bis 2 Uhr morgens eine Polizeihundeübung stattfand. An Bord des Armee-Sturmbootes befanden sich zwei Hundeführer und zwei weitere Angehörige der Regionalpolizei, ein Kantonspolizist und ein Militärangehöriger.

Nicht bekannt ist, ob unter den sechs Männern auch ein Fussballfan war. Falls ja, war derjenige ein Pechvogel. Denn just an dem Abend spielte der FC Basel in der Champions League gegen Chelsea. Das Siegestor für den FCB fiel in der 87. Minute. Eine Stunde zuvor hatte sich an der Aare zugetragen, was gestern vor Einzelrichter Guido Näf endete.

In seiner Wohnung am Wasser in Gebenstorf hatte der 35-jährige S. zusammen mit dem zwei Jahre jüngeren R. das Spiel vor dem Fernseher verfolgt. Weil sie sich dabei von Motorenlärm gestört fühlten, hatten sie in der Halbzeitpause Nachschau gehalten.

Als sie das Sturmboot als Lärmquelle eruierten, richtete S. seinen Laserpointer gegen das Objekt ihres Ärgers. «Ich wollte damit die Besatzung nur aufmerksam machen, dass wir uns gestört fühlten», sagte S. vor Gericht. Er habe den Laser kurz vorher für eine Präsentation bei einem Vortrag erworben.

Polizisten fühlten sich geblendet

Die sechs Männer im Boot bekam die Sache in den falschen Hals respektive in die Augen: Sie seien geblendet worden und hätten dadurch vorübergehend nicht mehr richtig manövrieren können, was bei dem niedrigen Wasserstand und in dunkler Nacht gefährlich gewesen sei.

Die Polizisten hatten ihre Kollegen von der Einsatzzentrale in Aarau alarmiert und eine dreiköpfige Patrouille war zum Tatort aufgebrofchen. Als dabei unverhofft Wachtmeister K. in der Wohnung von S. auftauchte, war dieser kurzzeitig ausgerastet und nur dank R. konnte eine Eskalation vermieden werden.

Justitia aber war nicht zu stoppen. Der Laserpointer wurde begutachtet, als in der Schweiz verbotenes Modell erkannt und eingezogen. Die beidenbeteuerten vor Gericht, zu keinem Zeitpunkt auch nur die geringste böse Absicht gehabt zu haben.

Die folgende Befragung der sechs Mannen vom Polizeiboot als Zeugen ihrerseits ergab eine ganze Palette unterschiedlicher Aussagen. Laut den Akten, so der Anwalt von R., sagte der eine, die Laserattacke habe 20 Sekunden gedauert, ein anderer sprach von zwischen fünf und zehn Minuten, ein weiterer gab an, sie seien während 90 Minuten immer wieder geblendet worden. Da war wohl, liegt der Verdacht nahe, tatsächlich ein Fussball-Fan im Sextett.

Am Schluss der Einvernahmen standen acht, anscheinend von den beiden Beschuldigten begangene strafbare Handlungen im Raum – unter anderem schwere Körperverletzung sowie Verstösse gegen das Umwelt- und das Tierschutzgesetz. In sieben Fällen stellte der Staatsanwalt das Verfahren dann aber ein.

Er verhängte jedoch Strafbefehle wegen Störung des öffentlichen Verkehrs respektive Gehilfenschaft zu solcher. Dafür sollte der Ältere mit einer bedingten Geldstrafe von 10 800 Franken und einer Busse von 2200 Franken, der Jüngere zu einer Geldstrafe von 5700 Franken bedingt und 1100 Franken Busse bestraft werden.

Gefährdung nicht nachgewiesen

Dagegen hatten beide Einsprache erhoben und erschienen mit Anwälten vor Gericht. Diese beantragten, klar doch, Freisprüche. Sein Mandant, so die Anwältin von S., habe weder Kenntnis gehabt vom aktuellen Wasserstand noch von der Stärke seines Laserpointers.

Zudem sei das Armee-Sturmboot mangelhaft beleuchtet und auch mit übersetzter Geschwindigkeit unterwegs gewesen. R.'s Anwalt bracht in seinem Plädoyer zusammenfassen, den Fall auf einen simplen Nenner «hier hat der Berg eine Maus geboren».

Dieser Ansicht war auch Richter Guido Näf und sprach beide Beschuldigte von Schuld und Strafe frei: «Weder ist nachgewiesen, dass die Bootsbesatzung gefährdet war noch dass die Beschuldigten mit Vorsatz gehandelt haben.»