Auf manche Geschichten stösst man nur durch Zufall: In einem Inserat auf einem Online-Gratisportal war der stadtbekannte Badener Schnellimbiss «Speedy Food» zum Verkauf ausgeschrieben. Für den offensichtlich viel zu tiefen Preis von einem Franken. Das ist dann doch ein bisschen wenig für ein Lokal, das über die Stadt hinaus Bekanntheit erlangt hat — und mit dem viele Menschen aus der Region Erinnerungen verknüpfen.

Ein Anruf genügt: «Nein, für diesen Preis verkaufen wir natürlich nicht«, sagt Robert Baydar, 36, dessen Eltern das Lokal an der Haselstrasse in Baden im Jahr 2005 übernommen haben. «Wir wollen schon etwas mehr Geld dafür», meint er lachend.

Wie viel genau, das möchte er nicht sagen: «Wir haben unsere Vorstellungen, trotzdem ist der Preis verhandelbar.»

Klar ist: Nach fast 20 Jahren im Imbiss-Business — angefangen haben sie mit einem Kebabladen an der Zürcher Langstrasse — mögen sie nicht mehr. Die Baydars hören auf. Aus gesundheitlichen Gründen: «Wir sind langsam zu alt und haben auch immer viel gearbeitet», erklärt Georg Baydar, 58.

Die Arbeit forderte ihren Tribut, seit längerem leidet er an einer Meniskusverletzung am Knie und wurde kürzlich operiert. Deshalb ist auch Sohn Robert hinter die Theke im schlicht eingerichteten Lokal mit den orangen Wänden zurückgekehrt. Weil sein Vater ausfällt, greift der ehemalige Fussballprofi seinen Eltern seit April wieder unter die Arme.

Speedy-Pizza frisch aus dem Ofen.

  

Vor allem zur Mittagszeit läuft der Ofen heiss, dann ist das Lokal — sogar bei schönem Wetter — stets gut gefüllt. Während Georg sitzt, nimmt Robert von den langsam, aber stetig hineintröpfelnden Mittagsgästen die Bestellungen entgegen. Im Hintergrund bereitet Mutter Verdi, 68, die Pizzen vor. Auch bevor sich das Lokal langsam füllte, war sie stets in Bewegung.

Sie könne einfach nicht stillsitzen, kommentiert Robert lachend: «Bei ihr geht es immer hin und her, auch zu Hause.» Da drängt sich die Frage auf, ob ihr und ihrem Mann denn nicht doch etwas langweilig werden könnte, wenn sie das Lokal weitergeben? «Natürlich wird unser Herz bluten», sagen George und Verdi, «aber wir freuen uns auf die neue Freizeit».

Sie wollen reisen, vielleicht ein Ferienhaus in der Türkei kaufen. Ganz sicher aber bleibt die aramäische Familie in der Schweiz, genauer in Geben-storf: «Das ist unsere Heimat, hier sind unsere Kinder und Enkel.» Roberts Traum ist auch eine Reise, eine Weltreise.

Den Laden zu übernehmen, war für ihn nie eine Option: «Ich wohne mit meiner Familie in Basel, das Hin und Her wäre mir auf Dauer zu anstrengend», sagt er. Auch wenn es keinen Tag gebe, an dem er nicht an das Lokal denke: «Sogar in den Ferien mache ich mir Gedanken darüber.» Hier habe er viel wertvolle Zeit verbracht und schöne Erinnerungen gesammelt.

Aargauer Gastro-News 2019

Interessenten hätten sich zwar bereits gemeldet, doch bis jetzt hat es noch mit keinem geklickt: «Wir spüren aber auch keinen Zeitdruck«, so Robert. Die Baydars sind augenscheinlich sehr wählerisch, wenn es um die Nachfolge für ihr Lokal geht, das sie über die Jahre mit so viel Herzblut aufgebaut und geführt haben: «Wir wollen zuerst die Richtigen finden, und dann mit einem guten Gefühl unser Lokal übergeben», sagt Robert.

Er wünscht sich ein junges Team, «das von unserem bereits bestehenden Namen profitieren möchte, es aber auch mit eigenen Ideen weiterentwickelt.»

Ausserdem ist ihnen wichtig, die Übergabe zu begleiten, damit die Stammkunden nicht von einem Tag auf den anderen neuen Inhabern gegenüberstehen. Und: «Wer das Interieur und den Namen kauft, erhält auch das Geheimnis der besten Pizza Badens!»