Spreitenbach/Dietikon

Nach der Massenschlägerei vor Shoppi Tivoli: «Wir haben kein Problem mit Jugendgewalt»

Blick von Dietikon auf Spreitenbach: Eine Massenschlägerei zwischen Jugendlichen brachte die Limmattaler Gemeinden diese Woche in die Schlagzeilen. San/AZ-Archiv

Blick von Dietikon auf Spreitenbach: Eine Massenschlägerei zwischen Jugendlichen brachte die Limmattaler Gemeinden diese Woche in die Schlagzeilen. San/AZ-Archiv

Wie Behördenvertreter von Spreitenbach und Dietikon die Massenschlägerei vor dem Shoppi Tivoli einordnen.

Bisher haben sich die Behördenvertreter von Spreitenbach nicht zur Schlägerei der rund 30 Jugendlichen vor dem Einkaufszentrum Shoppi Tivoli von vergangenem Wochenende geäussert. Je mehr darüber gesprochen werde, desto eher werde das Thema aufgebauscht, so ihre Befürchtung. Spreitenbachs Gemeindeschreiber Jürg Müller äussert sich nun aber doch, und er hält fest: «Wir haben in Spreitenbach kein Problem mit Jugendgewalt oder mit Jugendgangs.»

Nach dem Zwischenfall hätten sich Behördenvertreter von Spreitenbach und Dietikon abgesprochen. «Wir kamen übereinstimmend und unabhängig voneinander zum Schluss, dass es an beiden Orten kein Gewaltproblem gibt. Im Gegenteil, es gibt in Spreitenbach zahlreiche Vereine oder Organisationen, die seit Jahren mit Jugendlichen zu tun haben und vorzügliche Arbeit leisten, und wir haben von ihnen keine negativen Berichte erhalten.» Man wolle den Vorfall keinesfalls verharmlosen, sagt Müller: «Wir schauen nicht weg. In den Schulklassen sowie bei der Jugend- und Schulsozialarbeit wird der Vorfall thematisiert.»

Roger Bachmann (SVP), Stadtpräsident von Dietikon, teilt diese Einschätzung Müllers. «Wir haben definitiv kein Jugendgewaltproblem. Aber wir nehmen den Vorfall, von dem ich sagen würde, dass es sich um einen Einzelvorfall handelte, sehr ernst.» Am Montagmorgen habe er sofort mit Spreitenbachs Gemeindeammann Valentin Schmid telefoniert. «Dass Gewalt und sogar ein Messer im Spiel waren, ist erschreckend, das darf nicht passieren, dagegen muss vorgegangen werden, es braucht Strafen.»

Der hohe Ausländeranteil in den beiden Ortschaften sei eine Realität, der man sich aber stelle, sagt Bachmann. «Wir tun unheimlich viel für die Integration, mit Erfolg: Viele junge Leute identifizieren sich mit ihrer Wohngemeinde. Dass sich junge Leute mit Migrationshintergrund mit Dietikon oder Spreitenbach identifizieren, ist per se eine sehr erfreuliche Sache.» Rivalitäten habe es auch früher gegeben: «Es kam sicher auch schon bei unseren Vorfahren vor, dass sie sich an einem Dorffest mit Leuten aus der Nachbargemeinde prügelten. Die Aufgabe bei unsere Integrationsbemühungen muss es nun sein, dass der Lokalpatriotismus nicht mit Gewalt verknüpft wird.»

Bachmann stört sich daran, wie die beiden Orte in den Medien dargestellt wurden. «Zum Teil wurden alte Klischees hervorgekramt. Dietikon und Spreitenbach wurden dargestellt als Orte mit hohem Ausländeranteil und tristen Wohnsiedlungen.» Tatsache sei, dass das Limmattal boome wie kaum eine andere Gegend im Kanton Zürich: «Firmen ziehen hierher, die Kriminalität sinkt, die Qualität der Schulen steigt, und es entstehen diverse moderne Wohnsiedlungen.»

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