Wettingen

Murihof-Abbruch: Das Baugesuch liegt auf Eis – die Hürden sind hoch

Die Besitzerin des historischen Bauernhofs in Wettingen muss für den Wiederaufbau einen zweiten Anlauf nehmen. Das Vorhaben, alle Anforderungen zu erfüllen, sei anspruchsvoll.

Der Abbruch des historischen Murihofs in Wettingens Dorfkern erregte im Oktober 2018 die Gemüter. Der ehemalige Lehenshof des Klosters Muri, erbaut 1640 und als schützenswertes Gebäude im Wettinger Bauinventar eingetragen, wurde damals zu einem grossen Teil zerstört – ohne dass dafür eine Bewilligung vorlag

Die Bauherrin, die Firma Atai AG mit Sitz in Zug, plante dort drei Häuser mit 21 Eigentumswohnungen. Die Gemeinde verfügte einen sofortigen Baustopp und reichte im folgenden Dezember Strafanzeige ein. Das Strafverfahren dazu läuft immer noch, wie Fiona Strebel, Sprecherin der Aargauer Staatsanwaltschaft, der AZ mitteilt.

Im vergangenen März reichte die Atai AG ein Baugesuch für die Wiederherstellung des abgebrochenen Gebäudes ein. «Das Strafverfahren und das Baugesuch tangieren einander nicht», sagt Thomas Berz, stellvertretender Leiter der Wettinger Bau- und Planungsabteilung.

Während der öffentlichen Auflage gingen zwei Einwendungen ein. Das betreffende Baugesuch wurde aber auf Antrag der Atai AG von der Gemeinde sistiert. Berz rechnet damit, dass in den nächsten Wochen ein neuerliches Baugesuch eingereicht wird. 

Ganz bestimmte Voraussetzungen für einen Abbruch

«Es ist ein anspruchsvolles Vorhaben, nach dem nicht bewilligten Abbruch nun alle Anforderungen zu erfüllen, die ein solcher Ersatzbau mit sich bringt», sagt Berz. Der Murihof als schützenswertes Gebäude hätte nicht abgebrochen werden dürfen. Die Gemeinde wollte ihn unter Denkmalschutz stellen.

Zudem hätte ein später erstellter Anbau des Murihofs nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen abgebrochen und mit einem qualitativ hochwertigen Neubau ersetzt werden dürfen, führt Berz aus. Eine zusätzliche Schwierigkeit für die Bauherrschaft sei, dass der neue Murihof mit den Gebäuden auf demselben Areal verknüpft werden muss, die sich dahinter in Bau befinden.

Abbruchgesuch immer noch hängig

Zum besseren Verständnis: Die Baufreigabe für diese zwei Neubauten und für den Abbruch des Nebengebäudes lagen 2018 bereits vor. Diejenige für den Umbau des historischen Bauernhofs jedoch war noch nicht erteilt worden – weil es kein Konzept gab, wie mit der schützenswerten Bausubstanz umgegangen werden soll. Die vorliegende Bewilligung drohte aber abzulaufen, wie Urs Heimgartner, früherer Leiter der Wettinger Bau- und Planungsabteilung, 2018 der AZ erklärte.

Ein Vertreter der Bauherrschaft sagte damals, die abgebrochene Substanz des Gebäudes sei nicht mehr zu retten gewesen. Im Haus hätten sich Hausschwamm und Schimmel ausgebreitet und die abgebrochenen Gebäudeteile nicht zum schützenswerten Bestand gehört. Heimgartner hingegen erklärte, dass die Gemeinde nach einer Begutachtung keine gravierenden Mängel festgestellt habe, die einen Abriss nötig gemacht hätten. Die Bauherrin reichte 2019 ein nachträgliches Abbruchgesuch ein für jene Teile, die unrechtmässig abgebrochen worden waren. Dieses Gesuch ist immer noch hängig.

«Weder Rekonstruktion noch gekonnter Ersatzbau»

Seit das Baugesuch für den Murihof im Juni 2015 aufgelegen war, begleitet auch der Aargauer Heimatschutz das ursprüngliche Bauprojekt intensiv. Er hatte damals Einsprache erhoben. Die Vorgeschichte des Vorhabens sei sehr komplex und anspruchsvoll gewesen und man habe sich mit drei kompetenten Bauberatern an diesem Verfahren beteiligt, sagte Geschäftsführer Henri Leuzinger 2018. Man habe einen gangbaren Weg gefunden, um die historische Bausubstanz – insbesondere im wertvollen Gewölbekeller – zu erhalten, so Leuzinger. «Was jetzt passiert ist, ist unerhört», enervierte er sich damals.

Der Aargauer Heimatschutz war auch bei einem Gespräch nach der Baueingabe 2020 mit an Bord. Hierzu findet Leuzinger ebenfalls deutliche Worte:

Er wie auch der Wettinger Ortsbildberater seien zum gleichen Schluss gekommen, nämlich: «Das vorliegende Baugesuch ist nicht bewilligungsfähig». Seither habe er nichts mehr gehört.

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