Baden

Mit Beethoven und Mozart lädt er zum Träumen ein: Oliver Schnyder verwöhnt das Publikum

Pianist Oliver Schnyder lud zum Träumen ein.

Pianist Oliver Schnyder lud zum Träumen ein.

Der Ennetbadener Pianist hat im Rahmen der «Konzertreihe Marina Korendfeld» bereits sein 25. Konzert in der Villa Boveri gespielt.

Seit 24 Jahren organisiert die Pianistin und Musiklehrerin Marina Korendfeld Konzerte. In der nach ihr benannten «Konzertreihe Marina Korendfeld» trat der berühmte Pianist Oliver Schnyder, gebürtig aus Brugg, zum Teil mit seinem Oliver Schnyder Trio auf. Seine Januar-Konzerte fanden von letzten Freitag bis Sonntag im Gartensaal der Villa Boveri in Baden statt.

Unzählige Windlichter weisen einem in der Dunkelheit des Villa-Boveri-Gartens den Weg zum Gartensaal. Dort finden die meisten Auftritte der Konzertreihe statt, so auch die beliebten Januarabende mit dem in Ennetbaden lebenden Pianisten Oliver Schnyder.

Am Freitag spielte er bereits sein 25. Konzert in der Konzertreihe von Marina Korendfeld: «Ich habe gezählt!», sagt der sympathische Weltklasse-Pianist dazu mit einem Schmunzeln.

Der edle Gartensaal – Kronleuchter erhellen ihn, mintfarbene Wände verbreiten eine frische Stimmung, Gemälde flankieren die Bühne – passt zur klassischen Musik, die hier so oft gespielt wird. Oliver Schnyder sitzt hoch konzentriert am Flügel – das grosse Bild einer Muse hängt an der Wand hinter ihm und verleiht dem Blick auf die Bühne eine spezielle Stimmung.

Die hundert Plätze sind bis in die letzte Reihe besetzt, wobei der Altersdurchschnitt eher im oberen Bereich liegt, was Organisatorin Marina Korendfeld manchmal traurig macht: «Unser Gönnerverein hat sehr treue Besucherinnen und Besucher, aber einige sind natürlich in den 24 Konzertjahren von uns gegangen. Daher freuen wir uns immer über neue, auch jüngere und junge Besucher.»

Mit geschlossenen Augen in Klangwelten eintauchen

Wer da ist, der schätzt die Konzerte und bedankt sich bei Marina Korendfeld und ihrem Team, in dem auch Musiklehrerin Carol Bauer ist, herzlich: «Einfach den Atem anhalten und geniessen», nennt es eine Besucherin in der Pause.

«Die Begegnung mit solch grossen Interpreten macht die Menschen glücklich», so die beiden Organisatorinnen. «Uns ist aber auch die Förderung von jungen Musikern wichtig, wir wollen nationale und internationale Talente fördern».

Oliver Schnyder spielte im ersten Teil der Klavierabend-Premiere am Freitag Variationen von Wolfgang Amadeus Mozart wie «Ah! Vous dirai-je, maman» sowie Ludwig van Beethovens Mondschein-Sonate in cis-Moll, Adagio sostenuto, Allegretto und Presto. Seine kräftigen Klavierklänge, mal rollend, galoppierend, dann wieder kokettierend berührten das Publikum in der Villa Boveri.

Manch ein Besucher sass mit geschlossenen Augen da und liess die melancholischen, dann wieder wilden und vergnügten Töne auf sich wirken und ersann sich dazu eigene Gedankenwelten. Höchstens ein Husten oder ein Stuhlknarren riss einen aus seinen Musik-Träumen.

Wie gut, dass eine grosse Schachtel mit Bonbons beim Eingang stand, aus der man sich vor dem Konzert und in der Pause bedienen konnte – ein aufmerksames Detail, welches bei der «Konzertreihe Marina Korendfeld» einfach dazugehört.

Ein Zusammenspiel aus Tradition und Moderne

Nach der Pause, in welche Oliver Schnyder erst nach kräftigem, langem und vor allem herzlichem Applaus entlassen wurde, spielte er Franz Schuberts «Impromptus», Allegro molto moderato, Allegro, Andante und Allegretto und von Ludwig van Beethoven Rondo a capriccio in G-Dur, «Die Wut über den verlorenen Groschen ausgetobt in einer Kaprize».

Die Musik war leicht, verspielt und quirlig, doch auch hier fehlten die nachdenklichen Töne nicht. So wie die Musik ist, so ist auch das Leben – Alt verbindet sich mit Neu. Das beste Beispiel hierfür ist das Tablet auf dem Flügel, auf dem Pianist Oliver Schnyder hin und wieder einen Blick auf die Noten wirft, wenn er nicht gerade ganz entrückt in seinem Klavierspiel aufgeht.

Auch die Zugabe «Air» aus Edvard Griegs «Holberg Suite» hat einen aktuellen Bezug: «Gestern sah ich auf Facebook den Beitrag eines Kollegen, der für sein Grosi im Altersheim ‹Air› spielte, und ich fand, ‹Air› passt doch ganz gut zum heutigen Abend.»

Die zweite Zugabe, die ursprünglich für Samstag geplant war, war Robert Schumanns «Träumerei aus Kinderszenen». Auch das Publikum wurde von Oliver Schnyder wohl etwas träumend in die Nacht entlassen.

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