Ennetbaden feiert nächstes Jahr das 200-jährige Jubiläum seiner Selbstständigkeit. Der offizielle Auftakt zum Jubiläumsjahr wird der Neujahrsapéro der Gemeinde im Hotel Bad Schwanen sein. Am Montagabend gab es aber schon eine Art Vorpremiere zum Fest: Im vollbesetzten Ennetbadener Turnhallen-Foyer kamen gut 120 Gäste zur Vernissage der druckfrischen Badener Neujahrsblätter 2019. Sie widmen sich grösstenteils der 1819 per Regierungsratsdekret von der Stadt Baden geschiedenen Gemeinde.

Begrüsst wurden die Gäste vom Schriftsteller Simon Libsig, der in Ennetbaden aufwuchs und nun eine Hommage an seine Heimat verfasst hat. In seiner «Ode an Ennetbaden» heisst es unter anderem:

«Liebes Ennetbaden / ich möchte anerkennend sagen / es gibt für mich keinen Ort auf der Welt / der bezaubernder ist – wenn man mal die Staumauer beim Parkhaus vergisst.»

Ennetbadens Gemeindeammann Pius Graf (SP) sagte, er freue sich auf viele Geschichten über Ennetbaden und die Ennetbadener. Er merkte auch an, wie schnell sich das Ennetbadener Ortsbild in den vergangenen Jahren verändert habe: «Das war ein gewaltiger Sprung nach vorne.» Ein Sprung, der noch längst nicht abgeschlossen ist.

Eng verflochten, trotz Scheidung

Ruth Wiederkehr, Historikerin und Redaktorin bei den Neujahrsblättern, stellte die rhetorische Frage: «Was gibt es zu erzählen zu Ennetbaden?» Die Antwort darauf ist einfach: «Sehr viel.» 35 Autorinnen und Autoren trugen etwas zur jüngsten Ausgabe bei.

Die Historikerin und Redaktorin Salome Egloff rekapituliert die Scheidungsgeschichte. Anders als man heute meinen könnte, war es der Badener Stadtrat, der 1819 im noch jungen Kanton Aargau die Loslösung der Kleinen Bäder von der Stadt beantragte. Grund dafür war unter anderem die schlechte Zahlungsmoral der Ennetbadener bei den Polizeisteuern.

Aus den Plänen, nur die Ortsbürgergemeinden voneinander loszulösen, wurde nichts – die Spannungen waren zu gross. Die Ressentiments auf Ennetbadener Seite wirkten noch lange nach. Egloff kommt zum Schluss, dass eine politische Wiedervereinigung der ohnehin schon längst wieder eng miteinander verflochtenen Gemeinden gar nicht mehr so unrealistisch ist.

Der Historiker Patrick Zehnder blickt in seinem Beitrag auf die wechselvolle Ennetbadener Industriegeschichte. Die Limmat war stets Antriebskraft für Maschinen und Unternehmen. Schon vor der Blütezeit von Oederlin und Wegmann um 1900 gab es bereits zahlreiche Gewerbebetriebe am Fluss: Mühlen, Schleifen, eine Tabakstampfe und eine Lohnstampfe mit Gerberei.

Digitale Premiere

1894 entstand in Ennetbaden die Lederwarenfabrik Streule & Cie. Nina Kohler hat gemeinsam mit dem Zofinger Gerber Kurt Friderich eine umfassende Fotoreportage des 2014 verstorbenen Ennetbadener Fotografen Werner Nefflen aus der Fabrik Streule aufbereitet – ein sehr sehens- und lesenswerter Einblick in dieses Handwerk.

Und eine Premiere: Wie auch andere Beiträge der aktuellen Neujahrsblätter gibt es eine digitale Ergänzung der Fotostrecke für das Smartphone. Mittels einer App kann man erstmals online noch mehr Bilder und Videos anschauen, aber auch Interviews und Simon Libsigs Ode an Ennetbaden hören.

Simon Steiners Beitrag zur Geschichte des Bad-Hotels Schwanen und zur Ennetbadener Kur- und Hoteltradition ist ebenso aufschlussreich und schön bebildert wie Bruno Meiers Entdeckung einer Skizze des «Badenfahrt»-Autors David Hess von den Kleinen Bädern im Jahr 1820; aber auch die vier Porträts von Ennetbadenerinnen und Ennetbadenern, die zahlreichen Jahresrückblicke und Beiträge zu Stadt und Region.

Spannendes gibt es etwa von Hans Hauri zur Haus- und Namensgeschichte der Dättwiler Täfern zu lesen – oder zu Hans Sandreuters Bild «Die Quelle», das einst im grossen Speisesaal des Grand Hotels an der Limmat prangte und seit 2017 in einem Salon des Badener Stadthauses hängt.