Baden

Lust und Frust wegen des Weihnachtsmarkts auf dem Theaterplatz – haben die Betreiber zu viel versprochen?

Mitte November eröffnete das «Badener Wunderdorf» auf dem Theaterplatz. Die Stadt unterstützt es mit Werbung und Marketing.

Mitte November eröffnete das «Badener Wunderdorf» auf dem Theaterplatz. Die Stadt unterstützt es mit Werbung und Marketing.

Zum ersten Mal findet in diesem Jahr in der Vorweihnachtszeit das «Badener Wunderdorf» auf dem Theaterplatz in Baden statt. Während die Schlittschuhbahn bei Kindern sehr beliebt ist, sorgt die Organisation dieses gross angelegten Weihnachtsmarkts gleichzeitig für Irritationen und Ärger bei Anwohnerinnen und Anwohnern sowie bei Gewerbetreibenden.

Der Theaterplatz in Baden ist derzeit kaum wiederzuerkennen. Der oft etwas leere und vielkritisierte Stadtplatz ist derzeit dicht bebaut mit Holzhütten, einer Eisbahn mit Aussicht, einem zweistöckigen Restaurant-Holzbau und mehreren «Foodtrucks». Das alles gehört zum «Badener Wunderdorf», das dieses Jahr zum ersten Mal stattfindet. Bei den Kindern kommt vor allem die Schlittschuhbahn sehr gut an.  

Bei den grösseren Besuchern und vor allem bei einigen Anwohnern löst der Weihnachtsrummel aber nicht nur eitel Freude aus. Mehrere Leser haben sich bei der Redaktion gemeldet, weil der Parkhauseingang nicht mehr gut zugänglich ist oder man durch die tiefen Pfützen zwischen den Hütten hindurchstapfen muss.

Isabelle Wanner etwa spürt als Anwohnerin am Theaterplatz einen Überdruss an Weihnachtsmärkten in der Stadt. «Unsere wichtigsten Plätze, der Bahnhof-, der Theater- und der Cordulaplatz, sind für etwa sechs Wochen überbelegt mit kommerziellen Bauten. Ist das sinnvoll?», fragt Wanner. «Wird da nicht das lokale ­ ­Gewerbe benachteiligt, welches zwölf Monate im Jahr in guten wie in schlechten Zeiten für die Konsumenten da ist, Steuern zahlt und Stellen schafft?» Sie finde es auch sehr schade, dass dafür der beliebte Flohmarkt auf dem Theaterplatz nicht stattfinden könne.

Zu wenig WCs, zu viel Rauch und Schmutz vom Theaterplatz

Der Gastronom Christoph Ettisberger vom Restaurant Piazza sieht im «Wunderdorf» etwas Positives: «Es ist grundsätzlich eine Bereicherung in der Weihnachtszeit, das ‹Wunderdorf› bringt deutlich mehr Leute auf den Theaterplatz und damit auch mehr Sichtbarkeit für uns.» Das «Piazza» betreibt schon seit mehreren Jahren einen Winterpavillon mit Fondue chinoise im Garten unter den hohen Bäumen am Theaterplatz. «Was uns am ‹Wunderdorf› geärgert hat, war die schlechte Kommunikation im Vorfeld und die mangelnde Beschriftung», sagt Ettisberger. «Die Leute kommen zu uns aufs WC, weil sie das WC im ‹Wunderdorf› nicht finden.» Auch die Berge mit Abfallsäcken beim Parkhauseingang waren für das «Piazza» nicht besonders erfreulich. Immerhin haben die Organisatoren vorgestern eine Pressmulde aufgestellt. Von der im Vorfeld versprochenen Nachhaltigkeit mit Mehrweggeschirr und einem Abfalltrennsystem ist bei einem Augenschein auf dem Theaterplatz aber nicht viel zu sehen. Was sagen die Veranstalter dazu?

Organisator Herbert Märki lässt die Kritik nur zum Teil gelten. «Wir haben genügend WCs auf dem Platz und im Parkhaus Theaterplatz.» Zum Abfallproblem sagt Märki, dass alle Mehrweggläser und -tassen in der Spülmaschine gereinigt würden. «Zwischenzeitlich mussten wir auf Pappbecher umsteigen, weil die Tassen nach Hause genommen wurden.» Gestern seien aber neue Tassen eingetroffen.

Ansonsten werde PET und Grünabfall getrennt, der Rest werde ordentlich über Abfallsäcke entsorgt. Er sei überrascht von der Kritik, sagt Märki. «Wir haben bisher kaum Reklamationen bekommen, die Reaktion der Besucher ist zu weit über 90 Prozent positiv.» Herbert Märki steht zusammen mit Lydia Bosoni hinter dem Verein Wunderbaden, der das «Wunderdorf» organisiert und seinen Sitz seit kurzem im Trafohäuschen am Theaterplatz hat, wo vorher die «Villa Paul» war. Märki und ­Bosoni führen daneben gemeinsam das Beratungsunternehmen Volantiss ­Spirit GmbH mit Sitz in Ennetbaden.

Zahlt die Stadt ans «Badener Wunderdorf»?

«Mit herzlicher Unterstützung der Stadt Baden», steht auf der Website des Vereins Wunderbaden. Heisst das, die Stadt sponsert den Weihnachtsmarkt auf dem Theaterplatz?

«Das ‹Wunderdorf› wird wie alle Winterzauber-Aktionen von uns in der Kommunikation unterstützt», heisst es auf Nachfrage beim Badener Standortmarketing. Laut Stadtpolizei beträgt die Platzmiete für den Verein gemäss dem Gebührenreglement der Stadt 12500 Franken – für die Gesamtdauer von Mitte November bis zum Januar. ­Bedingung im Mietvertrag ist auch laut Herbert Märki, dass der Platz bei der Abgabe am 20. Januar so übergeben wird, wie er vom Verein vom Werkhof übernommen wurde.

Anwohner und Gewerbetreibende ärgern sich trotz allem. Die Buchhandlung Librium etwa verschwindet derzeit fast hinter den Weihnachtshütten. Geschäftsführer Laurin Jäggi hatte schon Kontakt mit Märki, weil es für das ­«Librium» kaum mehr möglich sei, zu lüften und der Eingang zum Laden oft zuparkiert wird. «Es stinkt leider oft den ganzen Tag nach Fritteusenfett. Hinzu kommen die ständigen Holzfeuer auf dem Platz», sagt Jäggi. Er will das «Wunderdorf» keinesfalls schlechtreden, aber hätte sich etwas mehr Augenmass gewünscht. Viele Kunden ärgerten sich über den Schmutz auf und um den Theaterplatz. «Und direkt vor unserem Laden werden immer wieder ganze Holzladungen abgeladen, was zu zusätzlichem Staub und Dreck führt.» Er würde sich da etwas mehr Feingefühl und Rücksicht von den Organisatoren, aber auch von den grösstenteils auswärtigen Standbetreibern wünschen, sagt Jäggi.

Falls es die Stadt bewilligt, soll das Dorf 2020 zurückkehren

Es stimme, dass es Rauch von den Feuerkugeln und Dreck vom Kiesboden auf dem Theaterplatz gebe, gesteht Märki ein. Das könne man derzeit nicht anders lösen. «Beim Parkhauseingang haben wir Gummimatten hingelegt, damit die Leute nicht durch den Schmutz gehen müssen.» Gibt es schon Pläne für nächstes Jahr? Die Zwischenbilanz falle sehr gut aus, das Ziel von 100000 Besuchern sei jetzt schon erreicht, so Märki. «Geld verdienen wir keines damit, aber das Konzept ist wirtschaftlich selbsttragend.» Falls die Stadt die ­Bewilligung erteilt, soll das «Badener Wunderdorf» auch nächstes Jahr wieder auf dem Theaterplatz stattfinden.

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