Baden/Wettingen

Limmattalbahn: Gartenstadt Wettingen wettert gegen das Grossprojekt

Stösst auf Widerstand: Die Varianten durch Wettingen-Ost.

Stösst auf Widerstand: Die Varianten durch Wettingen-Ost.

Hunderte Personen befürchten in einer Petition durch die Verlängerung bis nach Baden die Entzweiung von Wettingen.

Die Wettingerin Franziska Bilon wehrt sich mit einer Petition gegen die Verlängerung der Limmattalbahn von Killwangen nach Wettingen und Baden (diese LiZ berichtete). Vor rund einem Monat lief die Sammelfrist auf der Online-Plattform petitio.ch ab. Die Hürde von 200 Unterstützern nahm Bilons Petition locker, 722 Personen haben dem Anliegen zugestimmt. Nun hat der Wettinger Gemeinderat zur Petition Stellung genommen.

Bilon geht es, wie auch den Petitionären von «Erhaltung der Gartenstadt Wettingen», um die Bewahrung von Grünflächen in ihrer Wohngemeinde. Sie fürchtet: «Die ‹Gartenstadt Wettingen› soll nicht nur durch den Bau von immer mehr vier- oder rechteckigen Mehrfamilienhäusern weiter verschandelt werden, sondern im Osten im Gebiet Geisswies/Tägerhard durch den Bau der Limmattalbahn regelrecht entzweigeschnitten werden.» Zudem wolle man den Einwohnern weismachen, es brauche diese Bahn, dabei könnte man für einen Bruchteil des Geldes die Buslinien der RVBW ausweiten, schreibt sie auf petitio.ch. Auch die Sperrung der Hochbrücke lehnt sie ab – zumal die Badener Schulhausplatz- Kreuzung gerade erst neu gestaltet wurde.

Petition ist an kantonale Behörden zu richten

Der Gemeinderat hält in seiner Antwort fest, dass es sich bei der Limmattalbahn um ein kantonales Projekt handle, welches das gesamte Limmattal betreffe. «Die Petition wäre daher grundsätzlich an die kantonalen Behörden zu richten.» Der Aargauer Grosse Rat hat den auch in dieser Woche beschlossen, das Trassee bis nach Baden freizuhalten für den Fall, dass die Verlängerung dereinst gebaut werden sollte. Zugleich erhielt die Regierung den Auftrag, weitere Abklärungen zu treffen.

Obwohl sich der Gemeinderat nicht als erster Adressat der Petition sieht, geht er in seiner Antwort auch auf Bilons Kritik ein: Die in der Petition dargelegten Ängste betreffend Landverlust und Beeinträchtigung von Freiraum und Ortsbild würden seitens der planenden Behörden ernst genommen. «Gestützt auf die Vorbehalte aus der Bevölkerung werden zurzeit im Gebiet Wettingen Ost (Untere Geisswies) zwei zusätzliche Varianten für die Linienführung zwischen Tägerhard- und Landstrasse aufgenommen.» Diese seien bis zur Festsetzung im Richtplan genauer zu untersuchen und mit den übrigen kantonalen Interessen sowie den Vorbehalten aus der Bevölkerung abzuwägen.

Strassenraum entlang der Tramstrecke aufgewertet

Roland Kuster (CVP), Wettingens Ammann und ein Befürworter der Limmattalbahn, äusserte sich auch im Grossen Rat zum Thema. Er sagte, angesichts der vielen Tausend erwarteten zusätzlichen Wohn- und Arbeitsplätze im Limmattal brauche man eine vorausschauende Planung. Doch auch er mahnte, die Hochbrücke nicht einfach für den Individualverkehr zu sperren. Es brauche ein Konzept für einen Mix. Diese Brücke sei die Nabelschnur zwischen Wettingen und Baden.

Dies deckt sich mit der gemeinderätlichen Antwort auf die Petition. In der heisst es: Die Weiterführung der Limmattalbahn sei der letzte Baustein der Erschliessung der Gemeinden zwischen Zürich und Baden. Als schneller, leistungsfähiger und zuverlässiger Feinverteiler erfordere das Tram einen grossen Anteil Eigentrassee, wobei im Siedlungsgebiet auch ein Mischbetrieb mit dem motorisierten Individualverkehr möglich sei. Zudem würde mit dem Vorhaben der Strassenraum entlang der geplanten Tramstrecke aufgewertet.

Für die Wettinger Exekutive ist klar: Die Limmattalbahn helfe mit, die hohe Standortgunst für Wohnen und Arbeiten und somit den Erhalt der wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Funktionsfähigkeit der Region sicherzustellen.

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