Bahnverkehr

Limmattalbahn: Die Streckenführung stösst in Neuenhof auf Widerstand

Auf der Zürcherstrasse in Neuenhof könnte in ein paar Jahren die Limmattalbahn verkehren.

Auf der Zürcherstrasse in Neuenhof könnte in ein paar Jahren die Limmattalbahn verkehren.

Die geplante Streckenführung teile das Dorf in zwei Hälften, so die Gegner. Und sowieso bringe sie keinen Nutzen.

Derzeit läuft der Bau der 2. Etappe der Limmattalbahn zwischen Killwangen und Schlieren. Doch geht es nach den Plänen des Kantons, soll die Strecke dereinst von Killwangen über Neuenhof und Wettingen bis nach Baden führen. Mitte Oktober ist die öffentliche Anhörung für den Richtplaneintrag angelaufen; sie dauert bis Mitte Januar.

Die Idee, die Limmattalbahn über Killwangen hinaus weiterzuführen, existiert schon länger. Im Sommer 2018 kristallisierte sich schliesslich heraus, wo die Linie zwischen Killwangen und Baden durchführen soll – nämlich über Neuenhof und das Wettinger Tägi (eine Variante wäre auch Würenlos gewesen).

Susanne Voser, Gemeindeammann von Neuenhof, zeigte sich damals angetan von den Plänen: «Die Limmattalbahn ist nicht nur für Neuenhof, sondern für das ganze Limmattal eine grosse Chance.»

Gegner: «Gemeinderat  widerspricht seinen Zielen»

Das sehen die Neuenhofer Werner Füllemann, Toni Benz und Paul Marquart ganz anders. Alle drei waren auch Mitglieder der IG «wohnliches Neuenhof», die sich 2016 im Rahmen der Gesamtrevision der BNO gegen einzelne Punkte gewehrt und sich schon damals ablehnend zur Limmattalbahn geäussert hatte.

In einem über zehnseitigen Schreiben führen sie auf, weshalb sie gegen die Pläne, sprich eine Limmattalbahn durch Neuenhof sind. Grundsätzlich setzten die Gegner Fragezeichen hinter die Wachstumsprognosen, wonach es im entsprechenden Korridor bis 2040 ein Gesamtwachstum (Einwohner und Arbeitsplätze) von rund 50 Prozent geben soll.

«Wir beurteilen das Verdichtungspotenzial in den Gemeinden Neuenhof und Wettingen als weit geringer, da es sich vorwiegend innerhalb gewachsener Siedlungsstrukturen entwickeln muss und vor allem auf das Wohnen beschränkt bleiben wird», sagt Werner Füllemann.

Hier sehen Sie wie die Strecke der Limattalbahn aussehen soll

Von Killwangen nach Baden – eine Fahrt auf der Strecke der geplanten Limmattalbahn, inklusive Haltestellen

Von Killwangen nach Baden – eine Fahrt auf der Strecke der geplanten Limmattalbahn, inklusive Haltestellen.

Insbesondere würde eine Integration der Limmattalbahn in die Zürcherstrasse in Neuenhof den Zielsetzungen widersprechen, die der Gemeinderat im Planungsbericht zum Kommunalen Gesamtplan Verkehr (KGV) selber postuliert habe. Nämlich unter anderem: Die Zürcherstrasse soll siedlungsorientiert ausgestaltet und eine Repräsentationsachse der Gemeinde sein und zudem für alle Verkehrsteilnehmer attraktiv sein.

«Eine Integration der Limmattalbahn in die Zürcherstrasse in Neuenhof widerspricht diesen Zielsetzungen», ist Füllemann überzeugt. «Der Raumbedarf für eine eigentrassierte Strassenbahn ist viel zu gross, insbesondere bei den Haltestellen», so Füllemann.

Da eine Fahrt auf Sicht zu wenig Nutzen bringe, müsste die doppelspurige Bahn auf einem abgesicherten Trasse, das nur eingeschränkte Querungen erlauben würde, verkehren. Die Durchlässigkeit zwischen den Quartieren und das Ortsbild würden damit massiv verschlechtert.

Fast alle Haltestellen werden schon von Bussen bedient

Doch abgesehen davon, dass die geplante Bahn nicht ins Dorf passe, brauche es sie schlichtweg auch nicht. «Wir haben heute schon drei Buslinien, die im 15-Minuten-Takt durch Neuenhof fahren. Zwischen Baden und Killwangen gibt es zudem rund alle zwei Kilometer eine S-Bahnhaltestelle», so Füllemann.

Die geplante Verlängerung der Limmattalbahn würde zwischen Killwangen und Baden 20 Haltestellen bedienen – 19 davon seien identisch mit bereits bestehenden Haltestellen, die von den RVBW bedient würden. «In Neuenhof ist bis auf weiteres kein Bedarf für ein zusätzliches öffentliches Verkehrsmittel absehbar. Eine weitere Bahn entspricht nicht den Zukunftsvisionen für den öffentlichen Verkehr», ist Füllemann überzeugt.

Zu starr sei die Linienführung, zu anfällig auf Störungen, zu gefährlich für andere Verkehrsteilnehmer, eine Barriere für die Quartiere, eine Verschlechterung des Ortsbildes. Als letzten Punkt führt Füllemann die Kosten ins Feld: «Der bauliche und finanzielle Aufwand für die Einpassung einer Bahn in die gewachsene Siedlungsstruktur wäre mit rund 500 Millionen Franken gewaltig; das Kosten- Nutzenverhältnis enorm schlecht.»

Gemeinderat Hofer: «Diese Kritik ist erwünscht»

Füllemann und seine zwei Mitunterzeichner kritisieren auch das Vorgehen des Gemeinderates. So habe dieser vor rund einem Jahr im Rahmen der Behördenvernehmlassung geschrieben, dass er bereit sei, die zusätzlichen Verkehrslasten im Sinne einer partnerschaftlichen Entwicklung der Region aufzunehmen: «Die Gemeinde Neuenhof leiste dadurch einen grossen regionalen Beitrag zur Entwicklung und Erschliessung der Region.»

Füllemann: «Diese Worte mögen beim Kanton und der regionalen Planungsgruppe gut ankommen, lässt aber eine vertiefte Betrachtung aus Sicht der kommunalen Interessen vermissen.» Auch sei die Stellungnahme des Gemeinderates ohne Einbezug der Bevölkerung erfolgt.

«Von einem Gemeinderat darf erwartet werden, dass er bei überkommunalen Projekten in erster Priorität die Bedürfnisse seiner Gemeinde erkennt und vertritt und in einer solch wichtigen Frage auch das Gespräch mit der Bevölkerung sucht», fordert er.

Gemeinderat Fred Hofer (FDP) antwortet darauf: «Die Bevölkerung hat das Recht, sich zum Thema zu äussern, was Herr Füllemann und sein Komitee gemacht haben.» Diese Kritik, die erwünscht sei und bedenkenswerte Punkte enthalte, werde der Gemeinderat in seine Überlegungen mit einbeziehen.

«Es ist aber nicht klar, welche Art des Einbezugs dem Komitee vorschwebt; eine Konsultativabstimmung wäre kein praktikabler Weg, da sich solche nur bei Fragestellungen eignen, die mit Ja oder Nein beantwortet werden können, was hier nicht der Fall ist», stellt Hofer klar. Der Gemeinderat werde sich während der öffentlichen Anhörungsfrist – unter Abwägung aller Aspekte – dazu vernehmen lassen.

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