Sybille Heinecke

Langer Kampf: 60-jährige Wettingerin findet nach hunderten Bewerbungen neuen Job

Nach Hunderten Absagen fand Sybille Heinecke einen Job in Baden-Dättwil.

Nach Hunderten Absagen fand Sybille Heinecke einen Job in Baden-Dättwil.

Sybille Heinecke wollte arbeiten und nicht dem Staat auf der Tasche liegen. Im Alter von 60 Jahren fand die Wettingerin einen neuen Job.

Das «Badener Tagblatt» porträtierte Sybille Heinecke im 2016. An einem sonnigen Herbsttag sass sie im kleinen Garten ihres Wettinger Domizils und strahlte in die Kamera. Auch wenn ihr gar nicht danach zumute war. Ein Jahr zuvor war der Berufsfrau aus heiterem Himmel ihre Stelle im Backoffice ihres Arbeitgebers gekündigt worden. Sie, damals 58, wurde einfach wegrationalisiert und durch eine jüngere Kraft ersetzt.

Doch Heinecke liess sich nicht aus der Bahn werfen. «Ich möchte arbeiten und nicht dem Staat auf der Tasche liegen», sagte die in der Schweiz eingebürgerte Westfälin entschlossen. Auf Hunderte von Bewerbungen bekam sie allerdings nur Absagen. Heineckes Appell: «Man spricht ständig über eine Erhöhung des Pensionsalters. Gleichzeitig finden Jobsuchende über 50 keine Stelle mehr. Das ist fast eine Mission impossible.»

Nie den Optimismus und den Glauben verloren

Aufgeben kam für die Lebenskünstlerin nie in Frage. Auch nicht, als sie nach verschiedenen Kurzeinsätzen vom RAV keine Arbeitslosenentschädigung mehr bekam. «Ich war zwar verzweifelt. Aber ich verliere meinen Optimismus nie. Irgendwie schaffe ich es immer, mich selber aufzustellen», sagt sie im Rückblick und lacht. Sie meldete sich bei Manpower, und das war ihr Glück.

«Der Zufall wollte es, dass die weltweit agierende amerikanische Firma Varian Medical Systems mit einem Sitz in Baden-Dättwil wegen zwei Ausfällen im Projekt-Management eine erfahrene Arbeitskraft brauchte, die fit in Englisch und im administrativen Bereich war.» Heinecke war sofort klar: «Das ist meine Chance.» Zuerst war sie temporär angestellt, dann im Jahresvertrag. Im Dezember 2019 kam die Festanstellung.

«Kann mir nicht vorstellen, pensioniert zu werden»

Varian Medical Systems entwickelt und produziert komplette Geräte und Software-Systeme für die Strahlentherapie. Heineckes Funktion: Sie betreut die Anfrage und Bearbeitung von Schadstoff-Konformitätserklärungen, welche für den Betrieb und Handel medizinischer Geräte unerlässlich sind. Dies stellt eine spannende und immer wichtiger werdende Aufgabe in dem auf Imaging und Robotik spezialisierten Unternehmen dar.

«Jedes noch so kleine Bauteil muss deklariert werden», erklärt Heinecke. Sie spricht fliessend Englisch, beherrscht sämtliche gängigen IT-Programme und ist immer begierig, Neues zu lernen. «Am liebsten möchte ich noch lange weiter berufstätig sein und kann mir gar nicht vorstellen, in zwei Jahren pensioniert zu werden», sagt die heute 62-Jährige. Sie strotzt vor Lebensenergie. Ihre Aufgaben bereiten ihr viel Freude. «Ich arbeite mit wundervollen Leuten aus aller Welt zusammen», bekundet sie und strahlt.

Nicht einfach sagen, die Alten seien zu teuer

Die Varian Medical Systems setzt für eine gute Teambildung auf Diversität. Dafür braucht es gemäss Geschäftsleitung sowohl jüngere als auch ältere Mitarbeitende, die ihre Lebens- und Berufserfahrung einbringen. «Zudem kann man ja immer über Lohnvorstellungen diskutieren, statt einfach zu sagen, eine Person in meinem Alter sei zu teuer», findet Heinecke.

Seit dem Lockdown im März 2020 arbeitet sie vorwiegend im Homeoffice. Trotz Corona ist ihr Job bis jetzt nicht in Gefahr. «Keiner weiss, ob er morgen noch eine Stelle hat und nächste Woche noch gesund ist. Nichts ist sicher. Weniger als je zuvor», meint die optimistische Powerfrau ernst und fügt hinzu, «mehr denn je müssen wir uns jetzt alle bemühen, jeden Tag aufs Neue so positiv wie möglich zu gestalten und uns gegenseitig zu unterstützen. Dann schaffen wir es bestimmt.»

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