Wettingen

Kulturfest: Wo man Börek und Köfte zu Alphornklängen isst

Das 7. Fest der Kulturen brachte so viele Nationalitäten wie nie zusammen und zog mehr Publikum denn je an

Schon mal Obazder versucht oder Pofpof gekostet? Das 7. Fest der Kulturen auf dem Zentrumsplatz Wettingen bot wie jedes Jahr viele Gelegenheiten zur kulinarischen Völkerverständigung. Fast an allen der rund 20 Stände konnten die Besuchenden einen Blick in den Kochtopf anderer Kulturen werfen und gleichzeitig etwas mehr über deren Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen erfahren.

Obazder ist ein angemachter Käse mit Butter, Salz, Pfeffer und Paprika. Zubereitet wurde er von Pfarrerin Kristin Fischer-Lamprecht aus Bayern. Pofpof sind ghanaische Teigbällchen mit Ananas und Ingwer. Angerichtet hat sie Ruby. Die Westafrikanerin lebt seit 15 Jahren in der Welschschweiz.

Regelmässiger Gast am Fest der Kulturen ist Gongma. Er bietet Silberschmuck aus dem Himalaja feil. Der Tibeter arbeitet in einer Sushi-Bar in Bern.

Katharina Barandun hat ihren Mann Gerardo Kersout aus Surinam beim Salsa-Tanzen im Amsterdam kennen gelernt. Zusammen möchten sie in Wettingen mit kreolischen Speisen nicht nur das südamerikanische Land bekannt machen, sondern laden einmal im Monat auch Menschen zu sich nach Hause zum Essen ein. Kommen kann jeder, der möchte. «Wir wollen mit unserer Initiative etwas gegen die zunehmende Einsamkeit tun», sagen die beiden.

Sehr gut besucht wird der Stand der Kurdinnen, die – zu Alphornklängen im Hintergrund – Börek, Couscous und Köfte zubereiten. Eine von ihnen ist Emine. Sie engagiert sich regelmässig in der Freiwilligenarbeit. «Für mich ist das selbstverständlich», sagt die Mutter von vier Kindern.

Doch noch ein bisschen Schweiz

Neben äthiopischem Injera und südindischem Biryani gibt es dann tatsächlich noch ein Stück Schweizer Kulinarik zu entdecken. Helene Suter – in Wettinger Sonntagstracht – hat frische Bündner Nusstorte sowie selbst gemachte Konfitüre dabei. «Ich sammle dafür überschüssige Früchte ein, die sonst am Baum verfaulen würden. Dieses Jahr habe ich bereits 200 Gläser verkauft», erzählt sie stolz.

Johannes Küng aus Wohlen repräsentiert mit Fotos aus Uganda den Verein Young Artists Exchange Project YAEP!. «Wir veranstalten interkulturelle Projekte im Bereich Kunst, Hip-Hop, Graffiti und Breakdance», erklärt er dazu. Die Jugendlichen aus Afrika und der Schweiz finanzieren sich selber durch den Verkauf von T-Shirts, CDs und Breakdance-Workshops in Schulen.

18 Nationalitäten sind auf dem Zentrumsplatz vertreten. «So viele wie noch nie», freuen sich Lea Schmidmeister und Rachel Moser vom Verein Fest der Kulturen. Auch der Besucherrekord wurde gemäss den Organisatorinnen dieses Jahr gebrochen. Was berührt im Rückblick besonders? «Der Auftritt eines Mannes aus Afghanistan, der ein Lied aus seiner Heimat vortrug», meinen die beiden.

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