Seine Sicht auf das Limmattal sei etwas durch die Badener Brille gefärbt, sagte der Badener Stadtrat Erich Obrist (parteilos). Er hielt das Inputreferat am öffentlichen Kulturpodium der Limmatstadt, das im neuen Pathé-Kinozentrum im Limmatspot in Spreitenbach stattfand.

Der wirtschaftliche Boom im Limmattal sollte in einen kulturellen Effort müden, sagte er. Obrist schlug dafür eine Kulturstiftung sowie eine Informationsplattform für Veranstaltung vor. Diese Idee hat die Limmatstadt AG auf ihrer Homepage bereits realisiert.

Im Podium, geleitet vom ehemaligen AZ-Chefredaktor Hans Fahrländer, sprachen Barbara Gysling (OK Schlierefäscht), Carmen Simon (Regionale 2015), Christian Höhener (Komikerduo Lapsus, Kulturhaus Gleis 21 Dietikon), Hanns Bachlechner (Kunstgalerie Bergdietikon) und Jasmina Ritz (Limmatstadt AG). Einig waren sich die Podiumsteilnehmer, dass Kultur im Alltag einen bedeutenden Stellenwert hat. Das Limmattal habe viele Chancen, aber auch viele Grenzen, so zwischen der linken und rechten Uferseite oder zwischen den beiden Kantonen. «Diese Grenzen gilt es zu sprengen», forderte Carmen Simon. Jasmina Ritz verwies auf die vielfältigen kulturellen Aktivitäten in der Region: «Aber sie sind zu wenig bekannt, deshalb müssen wir uns mehr vernetzten, um unserer Stärken bewusst zu werden.»

Bachlechner kritisierte derweil, die Galerien würden gegeneinander arbeiten. «Sie sollten mehr zusammenstehen», forderte er. Hanns Bachlechner sieht die Kultursterne im Limmattal eher am Verblassen. Unter anderem weil zu oft abwertend gesprochen werde, wodurch ein negatives Image entstehe.

«Es wird zu viel diskutiert. Man muss einfach machen»

Als Rezept dagegen schlug Barbara Gysling vor, negative Aussagen nicht zu beachten. Mit Blick auf das Schlierefäscht betonte sie: «Man muss einfach sein und geniessen.» Geniessen an Festen wie dem Zürifäscht, der Badenfahrt, dem bevorstehende Schlierefäscht (30. August bis 8. September) oder der nächstes Jahr stattfindenden 975-Jahr-Feier von Wettingen. Allen ist gemeinsam, dass Konzerte, Theater und weitere Künstlerauftritte ein wichtiger Bestandteil sind. Für Carmen Simon ist bei der Bevölkerung das Interesse an besseren Kontakten im Limmattal vorhanden: «Dies zeigen die Projekteingaben an die Regionale 2015.»

Erich Obrist hatte eine Kulturstiftung vorgeschlagen, die mit 1 Franken pro Einwohner finanziert werde. Auf die Frage von Hans Fahrländer wie sie dazu stünden, antwortete Barbara Gysling: «Die Idee ist gut, aber sie dürfte schwer zu realisieren sein.» Carmen Simon betonte, dass es dafür professionelle Strukturen brauche. So habe Dietikon als einzige Gemeinde einen Kulturbeauftragten. Sie forderte alle Gemeinden auf, Kulturkommissionen aufzubauen. Ablehnend reagierte Bachlechner. Seiner Ansicht nach sollten die Kulturbetriebe die Künstler finanzieren. Er kritisierte auch die Verteilung der Gelder: Junge Künstler hätten es schwer, Beiträge zu bekommen, während reiche oft mit grossen Beträgen unterstützt würden.

Christian Höhener betonte, basierend auf seiner Erfahrung mit dem Gleis 21: «Es wird viel zu viel diskutiert, dabei muss man einfach machen, doch die meisten sind zu faul dazu.» Mit dieser Aussage erntete Höhener den einzigen Applaus während des Podiumsgespräches an diesem Abend. Aus dem Gleis 21 wurde dank dem Einsatz der Initianten innert weniger Jahre ein erfolgreiches Kulturzentrum.

Für Jasmina Ritz ist Kultur auch ein Wirtschaftsfaktor: «Ein gutes kulturelles Angebot macht die Limmatstadt attraktiv.» Die Limmatstadt AG als lösungsorientierte Organisation konzentriere sich auf das Realisieren. Als Beispiel für erfolgreiche Kulturinitiativen erwähnte Christian Höhener den in Montreal beheimateten Cirque du Soleil. Aus der einstigen Amateurtruppe ist ein millionenschweres Unternehmen geworden. Einen ähnlichen Erfolg sieht Hanns Bachlechner in der Triennale Bad Ragaz, die etwa 750'000 Besucher in die Region bringe: «So etwas kann ich mir auch im Limmattal vorstellen.»