Obersiggenthal
Kritik von links bis rechts an Plänen für neues Schulhaus

Der Gemeinderat will in Kirchdorf einen Ersatzbau erstellen – im Einwohnerrat zeichnet sich jedoch Widerstand ab. SP und Grüne wollen lieber neuen Schulraum in Nussbaumen.

Pirmin Kramer
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Der Gemeinderat will das sanierungsbedürftige Kirchdorfer Schulhaus (hinter Kirche) durch einen Neubau ersetzen . AZ/Archiv

Der Gemeinderat will das sanierungsbedürftige Kirchdorfer Schulhaus (hinter Kirche) durch einen Neubau ersetzen . AZ/Archiv

Die 8500-Einwohner-Gemeinde Obersiggenthal benötigt zusätzlichen Schulraum. Für Diskussionen sorgt nun die Standortfrage: Der Gemeinderat schlägt vor, im Ortsteil Kirchdorf einen Ersatzneubau für je zwei Kindergarten- und Primarschulabteilung zu erstellen. Aus rein finanziellen oder schulorganisatorischen Gründen oder von der Schulwegstrecke her liesse sich eine Schliessung des Schulstandorts Kirchdorf für die Primarschule, nicht aber für den Kindergarten, aber durchaus rechtfertigen, schreibt der Gemeinderat. Hauptsächlich standortpolitische Argumente würden für den Erhalt der Primarschule in Kirchdorf sprechen: Dieser Ortsteil soll auch zukünftig für junge Familien attraktiv bleiben. Am Donnerstag stimmt der Einwohnerrat über einen Wettbewerbs- und Projektierungskredit von 400 000 Franken für den Ersatzneubau in Kirchdorf ab – es zeichnet sich Widerstand ab.

Die Fraktion SP/Grüne unterstützt zwar den Neubau des Kindergartens und befürwortet ebenso das Prinzip der dezentralen Kindergärten in der Gemeinde. «Eine grosse Mehrheit ist jedoch gegen den Bau eines neuen Schulhauses für zwei Abteilungen.» Denn damit würde der Schulraumbedarf der Gemeinde nicht abgedeckt, es müsste in Nussbaumen trotzdem bald neuer Schulraum geschaffen werden, schreiben SP/Grüne. «Die Fraktion ist darum der Meinung, dass statt dem Bau eines Minischulhauses in Kirchdorf die Planung von neuem Schulraum in Nussbaumen an die Hand zu nehmen ist.» Eine Integration der zwei Abteilungen in Nussbaumen brächte erhebliche Kosteneinsparungen. Angesichts der angespannten Gemeindefinanzen müsse zwischen Wünschbarem und Notwendigem unterschieden werden.

Im Gegensatz dazu steht die CVP nach wie vor hinter dem Schulstandort Kirchdorf. Sie hat in der Vorlage aber Widersprüche, grosse Mängel und drastische Fehler ausgemacht. «Aus diesen Gründen hat sich die CVP-Fraktion mehrheitlich entschieden, die Vorlage zur Überarbeitung zurückzuweisen.»

Nicht überzeugt von der Vorlage ist auch die FDP. «Aus unserer Sicht müssen die strategischen Grundlagen nochmals überarbeitet werden, damit eine klare Entscheidungsgrundlage bereit steht. Aus diesem Grund wird die FDP-Fraktion beantragen, nicht auf das Geschäft einzutreten.»

Der SVP spricht von einem «Flickwerk»; ihr fehlt eine «weitblickende Schulraumlösung für die ganze Gemeinde». «Es kann nicht sein, dass wir in Kirchdorf aus standortpolitischen Gründen ein Schulhaus bauen.» Der Neubau des Kindergartens sei aber unbestritten.

Schulpflegepräsidentin Jacqueline Schmid: «Aus Sicht der Schulpflege ist entscheidend, dass Obersiggenthal mehr Schulraum braucht und dieser baldmöglichst erstellt werden sollte. Wir unterstützen den Standort Kirchdorf zum heutigen Zeitpunkt, sind aber auch offen für alternative Vorschläge, da längerfristig neben Kirchdorf mehr Schulraum in Nussbaumen benötigt wird.» Schmid geht aufgrund der Stellungnahmen der Parteien von einer Rückweisung des Antrags aus.