Am 21. Februar wird an einer ausserordentlichen Gemeindeversammlung über die neue Bau- und Nutzungsordnung abgestimmt und dabei auch über die Frage, ob die beiden Turgemer Kirchen unter kommunalen Schutz gestellt werden sollen. Wenig begeistert von diesem Vorschlag des Gemeinderates sind die Präsidenten der Kirchenpflegen. Kritische Töne sind nun überraschenderweise auch von Robert Landis zu hören, dem Präsidenten der bürgerlichen Vereinigung Turgi (BVT). Überraschenderweise darum, weil alle fünf Mitglieder des Gemeinderates der BVT angehören. Landis sagt: «Ich kann die Unterschutzstellung des Kirchenbaus der Reformierten Kirche in Turgi nicht verstehen.»

«Meine persönliche Meinung»

Polemisch formuliert könnte man nun behaupten, der Präsident der bürgerlichen Vereinigung falle den Gemeinderäten der eigenen Partei in den Rücken. Doch Landis betont, er wolle, dass die Sache rational und nicht emotional behandelt werde. Und er erklärt: «Es handelt sich um meine persönliche Meinung und nicht um die Haltung der BVT. Es ist nicht meine Absicht, den Verfechtern der Unterschutzstellung oder dem Gemeinderat an den Karren zu fahren.»

Landis schrieb dem Gemeinderat (und somit seinen Parteikolleginnen und -Kollegen) einen Brief, in dem er Argumente aufführte, die seiner Meinung nach gegen eine Unterschutzstellung sprechen. Er erwähnt unter anderem den drohenden Wertverlust des Areals, den eine Unterschutzstellung zur Folge hätte. Weiter vertritt er die Ansicht, dass die Gemeinde sich gemäss dem Verursacherprinzip an den Kosten einer Unterschutzstellung beteiligen müsste, doch könne und dürfe die Gemeinde hierfür keine Beiträge ausrichten. Und nicht zuletzt sei der Kirchenbau inzwischen zu gross, weil die Mitgliederzahl der Kirchgemeinde gesunken sei. Würde die Kirche unter Schutz gestellt, wäre nur eine Sanierung möglich, aber kein Neubau; und eine Sanierung würde das Grundproblem nicht lösen, dass der Bau zu gross sei und hohe Unterhaltskosten verursache.

«Gut für Meinungsbildung»

Dass die fünf BVT-Gemeinderäte den Parteipräsidenten nicht mit ihren Argumenten überzeugen konnten, dazu sagt Gemeindeammann Adrian Schoop: «Dieses komplexe Thema des Ortsbildschutzes hat meines Erachtens nichts mit der Parteizugehörigkeit zu tun. Die Mitglieder der BVT werden zu diesem Thema wohl ganz unterschiedliche Meinungen haben.» Gerade bei fünf Gemeinderäten aus der gleichen Partei könne es sogar gut sein für eine umfassende Meinungsbildung, «wenn deren Präsident auch einmal anderer Meinung ist». Robert Landis habe den Gemeinderat bereits im Vorfeld zur Generalversammlung informiert, dass er hier gegenteilige Meinung habe und sich auch entsprechend positionieren werde, sagt Gemeindeammann Schoop.

Stellt Landis gar einen Antrag

Klar ist: Für beide Kirchenpflegen – die eine Unterschutzstellung verhindern wollen –, ist die Haltung Landis ein Segen. Antonio Sirera, Präsident der reformierten Kirchenpflege, sagt: «Da die Kirchenpflege weder Rede- noch Antragsrecht besitzt, sind wir auf die Unterstützung von Turgemer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger angewiesen. Robert Landis äussert seine Meinung als Kirchgemeindemitglied und nicht als BVT-Präsident, aber er ist eine Persönlichkeit, die in der Gemeinde gut vernetzt ist.» Antonio Sirera lässt durchblicken, dass Robert Landis womöglich gar den Rückweisungsantrag stellen wird. Er sagt: «Sollte Robert Landis den Rückweisungsantrag tatsächlich stellen, wären wir für diese Unterstützung dankbar.»