Untersiggenthal

Kirche statt Politik: Erhard Schenker führt durch Siggenthals Gotteshäuser

Erhard Schenker bei seiner Arbeit im Kirchenarchiv.

Erhard Schenker bei seiner Arbeit im Kirchenarchiv.

Erhard Schenker fasziniert die Kirchengeschichte weit mehr als die Politik. Mit einem ökumenischen Team hat er nun die Geschichte der katholischen und reformierten Kirchen in einer Broschüre zusammengetragen.

Vor 200 Jahren, als die ersten Reformierten ins Siggenthal zogen, gab es von Ökumene noch keine Spur. Wer dies am besten weiss, ist Erhard Schenker, der seit 1973 das Kirchenarchiv der katholischen Kirchgemeinde Kirchdorf betreut.

Er habe sich mit der neu erschienenen Broschüre «Kirchen im Siggenthal» ein Geburtstagsgeschenk machen dürfen, erklärt der 80-jährige Autor, der während zwölf Jahren die Kirchgemeinde präsidierte und das Kirchenleben von heute und einst bestens kennt.

Weil im Siggenthal die Ökumene seit vielen Jahren gelebt wird, entstand nun eine architektonische Würdigung mit allen baugeschichtlichen Hintergründen der reformierten und katholischen Kirchen von Nussbaumen, Kirchdorf und Untersiggenthal.

Einzelne Personen zentral

Als ältestes Gotteshaus in der Mitte des Tals lässt sich die Kirche in Kirchdorf auf das 7. oder 8. Jahrhundert datieren. Ihre Entwicklung sowie diejenige der vier jüngeren Kirchen lässt sich in der Broschüre nachlesen, ebenso wie sich die Veränderungen in der katholischen Kirche auf das Nebeneinander von katholisch und reformiert auswirkten, das rund 150 Jahre lang eher von Distanz geprägt war.

So wurde die Anfrage im Jahre 1938 von Reformierten, die katholische Kirche für Abdankungen benutzen zu dürfen, von der Kirchenpflege abgelehnt. Das Zweite Vatikanische Konzil führte dazu, dass sich die Fronten aufweichten. 1963 erhielten die Reformierten mit der Erlaubnis des Bischofs Einlass in der katholischen Kirche. «Die Entwicklung des ökumenischen Gedankens hat viel mit einzelnen Personen im Kirchendienst zu tun», weiss Schenker aus seiner Tätigkeit in der Kirchgemeinde.

17 000 Dokumente für die Nachwelt

Erhard Schenker, der beruflich 40 Jahre als Chemiker beim EIR/PSI tätig war, hat all diese Geschehnisse, die dann in den 70er-Jahren zu vermehrten gemeinsamen, ökumenischen Anlässen führten, im Kirchenarchiv säuberlich geordnet. «Es sind insgesamt 17 000 Dokumente, die nun alle in einer Datenbank für die Nachwelt gesichert sind», sagt Schenker.

Die Kirchengeschichte ist es, die ihn seit eh und je fasziniert. Zwar übte er Mitte der 60er-Jahre kurze Zeit das Amt des CVP-Parteipräsidenten aus, ansonsten habe ihn das Kirchenleben mehr interessiert als das politische, gesteht er.

Der Führer durch die Kirchen im Siggenthal enthält viele interessante Jahreszahlen, erklärt die Architektur, die Gestaltung inklusive Plänen des Kirchenraums und deren Entstehung. Informationen über die Orgel und das Kirchengeläut tauchen im Text auf, der durch Fotos von Dominik Schenker mit herrlichen Innen- und Aussenaufnahmen illustriert wird. Dem Leser wird dabei auch der Blick für besondere Details und Schmuckstücke sowie deren Verständnis geweckt – Dinge, die einem sonst eher versteckt bleiben.

Die Arbeit am Kirchenführer wurde von einer ökumenischen Redaktionskommission begleitet. Ihr gehörten Peter Hitz und Marianne Reist, Untersiggenthal, an, Doris Siegenthaler, Nussbaumen, Hans Wenger und Matthias Wenger, Kirchdorf.

Im Anschluss an den ökumenischen Rotchrüz-Gottesdienst in Untersiggenthal durfte die Broschüre ihre Vernissage feiern. Die Schrift, erhältlich für acht Franken, liegt nun in den Kirchen im Siggenthal auf und kann auch beim Pfarreisekretariat in Kirchdorf bezogen werden.

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