«Wenn wir schon Glück haben, dann wollen wir das auch teilen», sagt Stefan Moll, Pfarrer der Evangelisch-methodistischen Kirche (EMK). Mit Glück meint er ein grösseres Erbe, das die Kirchgemeinde in Baden vor zwei Jahren antreten durfte. Wie hoch dieser Nachlass ist, behält Moll für sich. Klar ist: Obwohl die Kirchgemeinde nicht auf Rosen gebettet ist, wird sie einen Teil des Erbes verschenken. «Das haben unsere Mitglieder an der Bezirksversammlung so beschlossen», sagt Moll. 6000 Franken wurden in diesen Tagen an das Schweizertreffen 2016 der Jungscharen der EMK überwiesen. Weitere 60 000 Franken will die Kirchgemeinde im März des nächsten Jahres spenden.

«Eine schöne Geschichte»

Doch wer ist eigentlich die Person, die der Kirchgemeinde ihr Erbe überlassen hat? «Es ist eine schöne Geschichte», sagt Stefan Moll. Den Namen verrät er nicht, nur so viel: Der Nachlass stamme von einem ehemaligen Mitglied, das sich ein Leben lang für die Kirche und die Jungen eingesetzt habe. «Für die Dame war die Kinder- und Jugendarbeit eine Herzensangelegenheit», sagt er. Zudem habe sie sich für die Unterstützung von Menschen in Not eingesetzt und für die Ausbildung von Pfarrern in der ganzen Welt. Man werde das Geld nun im Sinne der Erblasserin verteilen. 

Mit der Spende an das Schweizertreffen 2016 ist ein erster Schritt getan: Rund 1500 Kinder und Jugendliche kommen im Juli in grossen Zeltdörfern zusammen. Die Jungen werden einerseits spielen, Spass haben und die Natur erleben. Andererseits stehen in Walliswil bei Wangen BE auch besinnliche Momente und Begegnungen sowie das Erfahren von Gemeinschaft im Zentrum. «Auch internationale Gäste werden anwesend sein», sagt Stefan Moll. So hätten die Jungschärler die Gelegenheit, Jugendliche aus anderen Ländern kennen zu lernen. Der Pfarrer kennt die Atmosphäre: Am letzten Schweizertreffen 2011 hielt er mehrere Gottesdienste: «Die Begegnungen dort sind sehr wertvoll.» Deshalb werde auch die Jungschar Baden mit einer Gruppe im Sommer teilnehmen. Wahrscheinlich wird Moll sie begleiten und wie vor fünf Jahren vom «tiefen Glauben der Kinder berührt» sein.

Unterstützung in Bulgarien

Neben den Jungscharen soll ein Teil des Erbes auch der Evangelisch-methodistischen Kirche in Bulgarien zugutekommen. Diese engagiere sich unter anderem für Obdachlose und Zigeuner, sagt Moll. «In diesem Zusammenhang möchten wir auch eine Partnerschaft zu einer dieser Gemeinden aufbauen.» Durch Begegnungen würden Christen an ihrem jeweiligen Leben Anteil nehmen und sich gegenseitig in ihrem Dienst an der Gesellschaft unterstützen.

Wohin der restliche Betrag der Erblasserin fliesst, ist noch offen: Eine Arbeitsgruppe um alt EVP-Nationalrat Heiner Studer erarbeitet zurzeit Vorschläge, wie das Geld eingesetzt werden könnte. Sobald diese feststehen, werde die Kirchgemeinde die Vorschläge der Bezirksversammlung unterbreiten, so Moll. «Die Beträge sollen im kommenden März an geeignete Projekte überwiesen werden.»