Jedes Jahr zur Frühlings- und Herbstzeit finden in verschiedenen Gemeinden der Region Baden Börsen statt, an denen gebrauchte Kinderkleider und Spielsachen weiterverkauft werden können. Auf der Website kindex.ch findet man einen Überblick über die Börsen in der Deutschschweiz.

Die Seite hat die Wohlenschwilerin Sabine Kölliker ins Leben gerufen. Wegen der steigenden Beliebtheit und der daraus folgenden Mehrarbeit, musste sie eine Kostenpflicht für die Börsen einführen. Deshalb sind nun nicht mehr so viele aufgeführt (siehe Interview in der Box).

Nicht nur der Erfolg ihrer Website zeigt, wie beliebt Kinderkleider- und Spielzeugbörsen sind, deren Organisation fast ganz in Frauenhand ist. Einige Börsen der Region mussten inzwischen Beschränkungen einführen. So dürfen nur noch eine begrenzte Anzahl an Verkäufern teilnehmen und auch die Anzahl Artikel, die verkauft werden darf, wurde limitiert.

«Die Menge an Kinderartikeln hat ganz klar zugenommen», sagt Eva Hungerbühler, Mitorganisatorin der «Kidsbörse Ennetbaden». Jede der maximal 90 Verkäuferinnen darf hier inzwischen nicht mehr als 120 Artikel abgeben — immer noch eine stattliche Anzahl. Bei der Kinderartikelbörse in Nussbaumen dürfen die 130 Verkäuferinnen nicht mehr als je 50 Artikel mitbringen.

Fand die Börse in Nussbaumen früher noch im Kirchgemeindesaal statt, zog sie inzwischen in den Gemeindesaal — sie platzte aus allen Nähten. Das tut sie trotz Einschränkungen auch heute noch.

Plätze sind schnell weg

Der Ansturm auf die Verkaufsnummern ist hier wie auch bei anderen Börsen sehr gross. Die Verkäuferinnen müssen sich wenige Wochen vorher um ihre Nummern bemühen, um einen Platz zu ergattern: «Zumeist sind diese innerhalb zweier Tage weg», so Rachel Rothfuchs, die eine von zehn Freiwilligen im Kernteam der Nussbaumer Börse ist.

In Ennetbaden geht es gar etwas schneller: «Es findet ein regelrechter Run auf die Nummern statt. Meine Kollegin erhielt letztes Mal an einem einzigen Tag 100 Mails», so Hungerbühler. Innerhalb eines Tages waren alle Plätze weg. Ohne klar durchstrukturierte Organisation würden Börsen wie in Nussbaumen oder Ennetbaden im Chaos versinken. Eine der grössten Herausforderungen dabei ist laut der Nussbaumerin Rachel Rothfuchs: «Genug Helferinnen zu finden!»

Vorteile für Helferinnen

Auch dieses Problem betrifft viele Börsen, so zum Beispiel diejenige in Gebenstorf, obwohl diese einiges kleiner ist. Hier packen aktuell 18 Freiwillige tatkräftig mit an, um von rund 50 Verkäufern die Kinderartikel anzunehmen, diese am richtigen Ort zu platzieren und am Abend wieder so zurück zu sortieren, dass die nichtverkauften Artikel wieder zu den richtigen Verkäuferinnen zurückfinden.

Um den Helferinnen einen Anreiz für diese doch anstrengende Arbeit zu bieten, gehört es bei den Börsen dazu, dass eine Art «Vorverkauf» stattfindet, sie also auswählen können, bevor offiziell die Türen geöffnet werden.

Die Helferinnen sind auch dafür verantwortlich, die angebotenen Produkte zu prüfen: Hat das Kleidungsstück Löcher oder Flecken, ist es saisongerecht? «Der Ruf einer Börse hängt immer auch von ihrem Angebot ab: Sie steht und fällt mit der Qualität», findet Irene Odermatt, Börsenverantwortliche in Gebenstorf. Die Käufer sind trotz den günstigen Preisen sehr wählerisch, was die Qualität betrifft. Jedoch: Wer seine Sachen mit einem zu hohen Preis anschreibt, bleibt oft auf ihnen sitzen.

In Nussbaumen werden zwischen 40 und 45 Prozent der angebotenen Sachen verkauft. Wie bei den meisten Börsen dient auch hier ein prozentualer Anteil vom Verkaufspreis der verkauften Sachen als Erlös. Sie alle spenden diesen Erlös an gemeindenahe Institutionen oder investieren wiederum in eigene Events oder Workshops.

Anderes Konzept

Letzteres machen eher kleinere Börsen wie diejenigen im Badener Kappi-Quartier, in Neuenhof oder in Mägenwil. Hier funktioniert es etwas anders. Es werden die Tische zur Verfügung gestellt, an denen die Verkäufer ihre Artikel selbst verkaufen. An der Börse in Mägenwil zum Beispiel werden weder Gebühren für die Nutzung der Tische noch ein prozentualer Anteil am Verkaufspreis verlangt. Einzig beim Kuchenverkauf kommt ein bisschen Geld zusammen, das dann für eigene Zwecke eingesetzt wird.

Auch können an diesen drei Börsen Kinder selbstständig ihre Spielzeuge verkaufen, und handeln selbst einen Preis aus. Besonders dieser Aspekt gefällt Nicole Gonçalves, Mitorganisatorin der Mägenwiler Börse und Vorstandsmitglied des dortigen Elternvereins: «Die Kinder entwickeln so ein Gefühl für Geld und lernen, schonend mit ihren Sachen umzugehen; falls sie diese eines Tages weiterverkaufen möchten.»

Gonçalves empfindet die Mägenwiler Börse sowieso als keine typische Börse. Für sie ist es hauptsächlich ein schöner Morgen, eine Plattform, die der Elternverein bietet, damit sich Eltern und Kinder treffen und austauschen können.

Das Besucheraufkommen bei den kleineren Börsen kann auch nicht mit demjenigen der grossen Börsen wie in Nussbaumen verglichen werden. Hier stehen die Kunden bereits eine halbe Stunde vor Eröffnung vor der Tür und warten auf Einlass. Oft entsteht eine lange Schlange. Wenn dann endlich geöffnet wird, eilen die Menschen so schnell sie können hinein. Rachel Rothfuchs sagt dazu ganz diplomatisch: «Das ist sehr eindrucksvoll!»