Fusionsprojekt

Killwangen und Spreitenbach blasen ihre Hochzeit vorzeitig ab

Bis auf weiteres bleibt der Bahnhof eine der wenigen Gemeinsamkeiten von Killwangen und Spreitenbach.

Bis auf weiteres bleibt der Bahnhof eine der wenigen Gemeinsamkeiten von Killwangen und Spreitenbach.

Killwangen hat dem Fusionsprojekt mit Spreitenbach eine Absage erteilt. Die beiden Gemeinden brechen deshalb ihre Fusionsverhandlungen vorzeitig ab. Zudem haben sie sich beide gegen eine regionale Spitex ausgesprochen.

Gemeinsamkeiten prägten die gestrigen gleichzeitigen Gemeindeversammlungen in Killwangen und Spreitenbach. Beide verzeichneten Rekordaufmärsche der Stimmberechtigen. In Killwangen waren 272 der 1158 Stimmberechtigten erschienen, in Spreitenbach 332 der 4413. Was die Versammlungen dann beschlossen, hat jedoch die Unterschiede zwischen den Gemeinden unterstrichen.

Seit vier Jahren haben Killwangen und Spreitenbach über einen Zusammenschluss verhandelt. In zehn Facharbeitsgruppen wurden Vor- und Nachteile abgeklärt. Als nächster Schritt sollte ein Zusammenschlussvertrag erarbeitet werden. Soweit kommt es nun nicht mehr.

In Killwangen erteilte die Versammlung dem Gemeinderat den Auftrag, das Zusammenschlussprojekt vorzeitig abzubrechen. In der auf Antrag aus der Versammlung schriftlich durchgeführten Abstimmung sprachen sich 159 für ein Ende aus, 109 wollten noch einen Zusammenschlussvertrag ausarbeiten lassen.

«Für die Steuerzahler ist eine Fusion ein finanzielles Risiko.»
Werner Scherer, Gemeindeammann von Killwangen

In der sehr emotionalen und heftigen Diskussion wurden vor allem Nachteile einer Fusion ins Feld geführt. Gemeindeammann Werner Scherer verglich die Finanzkennzahlen von Killwangen und Spreitenbach und zog daraus den Schluss: «Für die Steuerzahler ist eine Fusion ein finanzielles Risiko.» Mehrere Votanten befürchten, dass Killwagen in einer Grossgemeinde seine Identität verliert: «Wir werden zum Quartier.» Falls in Killwangen nicht das Referendum ergriffen wird, ist das seit rund vier Jahren laufende Fusionsprojekt am Ende angelangt.

In Spreitenbach votierten 199 Stimmberechtigte für einen Fusionsvertrag und 91 waren dagegen. Alle Parteien ausser der SVP unterstützen die Ausarbeitung eines Fusionsvertrags, um so den letzten Schritt des Fusionsprojektes zu wagen. Alex Betschart von der FDP Spreitenbach bezeichnete das Projekt gar als das wichtigste der letzen 10 bis 20 Jahre. «Es geht nicht um uns und um heute, sondern um die Zukunft der nächsten Generationen.»

«Es war zu befürchten, dass Killwangen Nein sagt, wenn der Gemeinderat dagegen hält.»
Valentin Schmid, Gemeindepräsident Spreitenbach.

Für Gemeindepräsident Valentin Schmid war das Nein von Killwangen keine Überraschung. «Es war zu befürchten, dass Killwangen Nein sagt, wenn der Gemeinderat dagegen hält.» Trotz der Absage an Spreitenbach stünden die Türen für Fusionsverhandlungen in Spreitenbach jedoch nach wie vor offen, so der Gemeindepräsident.

Heftig wurde in Spreitenbach um den Zusammenschluss der Spitex Spreitenbach-Killwangen mit der Spitex Wettingen diskutiert. Schliesslich sagten 229 Nein, was mit grossem Applaus quittiert wurde. Nur 53 waren dafür gewesen. Noch deutlicher fiel das Ergebnis in Killwangen aus: 8 Ja standen 214 Nein gegenüber. Es waren vor allem Frauen aus dem Spitex-Team, die nichts von einem Zusammengehen mit der Spitex Wettingen wissen wollten.

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