Es müffelt im ganzen Haus nach Staub und Feuchtigkeit. Von den Backsteinwänden, die bis vor kurzem mit Holz vertäfelt waren, hängen jetzt nur noch schwarze Spinnweben. Wände wurden herausgebrochen und neue Fensternischen geschlagen. Wo früher alte Sofas, Kisten und haufenweise Material herumstanden, liegt jetzt nur noch roter Backsteinstaub auf dem Boden.

Das Pfadiheim der Abteilung Hochwacht Baden ist seit einer Woche leergeräumt. Endlich wird das Heim renoviert. Mehr Licht, mehr Luft und mehr Platz sind das Ziel.
Heimwart Jonathan Bösch, Pfadiname Volt, sagt: «Letztes Jahr wurde zweimal eingebrochen. Einmal war danach das ganze Haus voller Feuerlöschpulver.» Viel zu holen gab es nicht. Schon lange diente das Pfadiheim mehr als Abstellkammer, denn als Aufenthaltsort. Die Einbrüche waren wohl eher Bubenstreiche. Aber sie haben etwas ausgelöst.

«Jetzt müssen wir etwas tun»

«Wir haben uns gesagt, jetzt müssen wir etwas tun», erzählt Marianne Flückiger Bösch, vulgo Gamma, die als Mutter von zwei Leitern und Präsidentin der Baukommission den Umbau koordiniert. Das letzte Mal wurde das Heim 1991 renoviert, in den vergangenen Jahren aber immer mehr vernachlässigt. Hinter der Holztäfelung schimmelte es, das Flachdach ist undicht. Die Räume waren schon immer dunkel und eigentlich zu klein für den Pfadibetrieb.

In der Baukommission ist auch Bernhard Bösch als Architekt dabei. Er hat den Pfader Moritz Schmidlin beim Zeichnen der Baupläne unterstützt. Schmidlin studiert Architektur, Bösch hat im Hintergrund als Mentor mitgeholfen. Das ist die Idee hinter dem Umbau: Die Eltern wirken unterstützend im Hintergrund, die aktiven Pfadfinder packen selbst mit an und leisten weite Teile der Umbauarbeiten selbst.

Trotzdem kostet die Renovation einiges: Das Baubudget beträgt 520 000 Franken. Davon finanziert die Abteilung 220'000 Franken aus der eigenen Kasse. Stiftungen und öffentliche Organisationen haben Unterstützung versprochen, die Gemeinde Ennetbaden etwa beteiligt sich am Umbau mit 30'000 Franken.

Die Stadt Baden will mit einer grosszügigen Kreditgarantie helfen. Die Ortsbürgergemeinde wird als Grundeigentümerin voraussichtlich 100'000 Franken beisteuern. An der Ortsbürgerversammlung im Dezember wird der Beschluss gefällt. Die Pfadi Hochwacht ist aber weiterhin sowohl auf finanzielle Hilfe als auch auf helfende Hände angewiesen. «Wir sind froh um jede Unterstützung», sagt Flückiger Bösch. In einer Zukunftswerkstatt haben Wölfe, Pfader und Leiter Ideen gesammelt für den zukünftigen Pfadibetrieb. Einige werden jetzt umgesetzt: zum Beispiel eine kleine Küche im Haus und ein grosser Aufenthaltsraum statt vieler kleiner.

Vor 45 Jahren gebaut

Die Pfadiabteilung Hochwacht wurde 1927 gegründet. Ein neues Pfadiheim auf der Allmend sollte ursprünglich am Brenntrain entstehen. Der Badener Architekt Adrian Meyer hat das heutige Pfadi- und Jungwachtheim schliesslich hinter dem alten Pfadiheim Rütibuck geplant. Eröffnet wurde es 1972. Die Haushälfte der Jungwacht wurde letztes Jahr sanft renoviert. Vor allem in dem von Jungwacht und Pfadi gemeinsam genutzten Versammlungsraum, dem Thing, haben Wasserschäden so gravierende Spuren hinterlassen, dass der Raum praktisch nicht mehr nutzbar war. Pfadiübungen haben hier schon lange keine mehr stattgefunden.

Das soll sich jetzt ändern: Im Sommer 2018 wollen die Pfader ihr neues Heim eröffnen. «Es freut uns sehr, auf wie viel Goodwill wir stossen», sagt Marianne Flückiger Bösch. «Uns ist es wichtig, dass die Abteilung weitermachen und eine Alternative zur digitalisierten Spielzimmerwelt bieten kann. Sie soll den Pfadigeist pflegen und leben können und mitten in der Natur ein Dach über dem Kopf haben.» Mit dem neuen Pfadiheim dürfte das endlich gelingen.

Mehr Informationen zum Umbau des Pfadiheims Hochwacht sowie zu den Möglichkeiten, mitzuhelfen oder zu spenden, finden Sie auf der Homepage der Pfadi.