Jubiläum

Kein Apéro und kein Besuch: Wettingerin feiert in Coronazeiten ihren 100. Geburtstag alleine

Elsbeth Sahli-Reber an einer Feier im Dezember 2019.

Elsbeth Sahli-Reber an einer Feier im Dezember 2019.

Mehr als Blumen und Karten zuschicken, ist in Coronazeiten nicht möglich. Die Wettingerin Elsbeth Sahli-Reber feiert am Samstag ihren aussergewöhnlichen Geburtstag ohne ihre Familie.

Elsbeth Sahli-Reber wird am 25. April 100 Jahre alt. In normalen Zeiten ein Anlass für einen persönlichen Besuch des obersten Wettingers, Gemeindeammann Roland Kuster. «Auch der Wettinger Landammann Markus Dieth hatte sich angekündigt», sagt ihr Sohn Jürgen Sahli. Ausserdem hatte das Alterszentrum St.Bernhard, in dem Elsbeth Sahli-Reber lebt, an diesem Tag für das Personal und die Familie einen Apéro geplant.

Das alles fällt jedoch in Zeiten von Corona ins Wasser. Auch aussergewöhnliche Geburtstage müssen unter Ausschluss der Öffentlichkeit gefeiert werden. «Das ist das erste Mal, das ich nicht mit meiner Mutter feiern kann», sagt Sahli, in seiner Stimme schwingt Wehmut. Sahli ist Ansprechperson, weil seine Mutter nicht mehr gut hört, auch er kann nicht mehr mit ihr telefonieren. So ist er im Moment ausschliesslich über das Personal mit ihr in Kontakt, um sich über ihr Befinden zu erkundigen. Vor zwei Wochen, an Ostern, hat er sie zum letzten Mal gesehen. Eine Pflegerin brachte sie mit dem Rollstuhl zum Eingang, wo er sie aus Distanz begrüssen konnte.

Mit Hochdruck an besseren Lösungen

Das ermöglicht das Altersheim auch diesen Samstag: «Das Pflegepersonal wird sie zum Eingang bringen, wo wir auf Sichtkontakt gratulieren können», sagt Sahli. Die Urenkel werden der Urgrossmutter ein selbstgenähtes Kissen schenken, in der Mitte die Zahl 100 aufgestickt.

Seine Mutter störe es wohl weniger als den Rest der Familie, dass nicht in einem persönlicheren Rahmen auf den runden Geburtstag angestossen werden kann. «Sie hat aber gerne Menschen um sich und hätte eine Feier sehr genossen», ist Sahli sicher.

Dieser 100. Geburtstag ist der erste, den sie im Alterszentrum St.Bernhard in der Coronazeit feiern, sagt Geschäftsleiter Rüdiger Niederer. Geburtstage zum 90. hingegen fänden fortlaufend statt. «Das Einzige, was wir derzeit aber anbieten können, sind Treffen auf Sichtweite», so wie es bei Elsbeth Sahli-Reber geplant sei. «Das ist natürlich nicht befriedigend», so Niederer. Man sei mit Hochdruck daran, bessere Lösungen zu finden, die mehr Nähe zulassen. Aktuell werde die Möglichkeit einer Besuchsbox abgeklärt, so wie es sie in einigen anderen Altersheimen bereits gibt.

Auch Selma Stoll, Sachbearbeiterin auf der Gemeindekanzlei, bedauert, dass man bei den Jubilaren nicht mehr machen könne als Blumen und Kärtchen zukommen zu lassen. Es sei traurig, dass sie ihren runden Geburtstag alleine feiern müssen: «Wir versuchen aber bestmöglich, ihnen trotzdem eine kleine Freude zu bereiten.»

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