Baden

Kaum eröffnet, schon wird das Kinderarzthaus überrannt

In Baden gibt es neu ein Kinderarzthaus – bald soll es 365 Tage im Jahr offen haben und so auch den Notfall des Kantonsspitals Baden entlasten.

Die meisten Eltern kennen es aus eigener Erfahrung: Einen Kinderarzt mit freien Kapazitäten zu finden, stellt eine Herausforderung dar. So wird Schwangeren empfohlen, bereits früh auf die Suche zu gehen, um sicher bis zur Geburt kinderärztliche Begleitung gefunden zu haben. «Inzwischen erhalte ich Anfragen von Frauen, die erst im fünften Monat schwanger sind und schon nachfragen, ob es noch Platz hat», sagt Ulrike Brennan, Kinderärztin und Geschäftsleiterin der Kinderarzthaus AG. Dieses hat im November in Baden an der Badstrasse 17, gleich über dem Kleiderladen von H&M, seinen fünften Standort eröffnet. «Wir waren von Beginn weg gut ausgelastet. Bevor wir überhaupt offiziell gestartet sind, hatten wir bereits zehn Anrufe pro Tag», so Brennan, «aber wir haben immer noch Platz», versichert sie.

Neben Baden gibt es auch Standorte in St.Gallen, Zürich und in Aarau. Dort sind die Gemeinschaftspraxen für Kindermedizin bereits etabliert, in Winterthur ist im Frühling eine weitere in Betrieb gegangen.

Der Website ist zu entnehmen, dass an allen Orten noch Patienten aufgenommen werden. Erkennungszeichen des Unternehmens ist ein Bär. Der taucht nicht nur im Logo auf, sondern auch in allen sechs Zimmern in den extra auf die Bedürfnisse der Kinder umgebauten Räumlichkeiten. «Viele Kinder, die zu uns kommen, gehen gar nicht zum Doktor, sondern kommen zum Teddy», erklärt Brennan schmunzelnd. Aktuell sind zwar erst zwei Kinderärzte, Hans Ruder und Martin Unger, an fünf Tagen pro Woche hier tätig, doch künftig sollen bis zu fünf Kinderärztinnen und Kinderärzte beschäftigt werden – und die Praxis an 365 Tagen pro Jahr geöffnet haben. So wie das bereits in den etablierten Kinderarzthäusern in St.Gallen, Zürich und in Aarau der Fall ist.

«In den letzten Jahren hat die Anzahl Kinder aus der Region Baden in Aarau immer mehr zugenommen, weil Eltern in der Nähe nichts gefunden haben», sagt Brennan. Diese Zunahme habe ihnen gezeigt, dass es auch hier ein Kinderarzthaus braucht. «Zur Eröffnung des Kinderarzthauses in Baden haben wir rund 1800 Briefe an die Eltern von Patienten aus der Region verschickt, um ihnen mitzuteilen, dass sie nun nicht mehr den weiteren Weg nach Aarau auf sich nehmen müssen.»

Überfüllte Notfallstationen

Die Praxis in Aarau stellte 2012 den Startschuss für das Unternehmen dar. Ins Leben gerufen wurde das Angebot vom Zürcher Ehepaar Sara und Christoph Hürlimann. «Sie haben fünf Kinder und kennen das Problem, keinen Kinderarzt zu finden. Sie ärgerten sich, wenn sie wegen einer banalen Infektion ins Kinderspital mussten», erklärt Brennan stellvertretend. Ein Problem, das viele Eltern kennen. Wegen solcher Banalitäten seien die Notfallstationen in Spitälern oft überfüllt, weil es zu wenig Kinderärzte gibt. Deshalb: «Wir wünschen uns, dass wir mit dem Kinderarzthaus künftig auch das Kantonsspital Baden entlasten», sagt Brennan. Für das neue Angebot hätten sich auch Spielgruppen und Schulen sehr interessiert: «Die Rückmeldungen sind bisher auf jeden Fall positiv.»

Brennan selbst arbeitet seit 2002 als Kinderärztin und war von Beginn weg beim Kinderarzthaus mit dabei. Dieses Jahr haben ihr Hürlimanns die Gesamtleitung für die nun fünf Kinderarzthäuser in der Schweiz übertragen.

Flache Hierarchien und mehr Teilzeitarbeit

Das Ehepaar Hürlimann hat einen Riecher für gewinnbringende und zukunftsträchtige Geschäftsmodelle, stehen sie doch auch hinter dem Zahnarztzentrum, von denen es inzwischen schweizweit 33 Standorte gibt. Diese sind ebenfalls das ganze Jahr geöffnet und ermöglichen Zahnärztinnen und -ärzten flexiblere Arbeitszeiten. So wie es auch in den Kinderarzthäusern angestrebt wird. Damit würden nämlich nicht nur Eltern entlastet, sondern auch den heutigen Anforderungen von jungen Menschen entsprochen: «In einer solchen Gemeinschaftspraxis haben Ärztinnen und Ärzte nicht nur einen Austausch untereinander, es herrscht auch keine Hierarchie wie in Spitälern und man kann zeitlich flexibler, also auch Teilzeit, arbeiten», zählt Brennan die Vorteile auf. Damit komme man dem Trend zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf entgegen. Auch entfalle der ansonsten zeitfressende administrative Aufwand: «Die Kinderärzte können sich hier noch so richtig auf ihre Arbeit mit den Kindern konzentrieren, das ganze Brimborium rundherum entfällt.»

An die offizielle Eröffnung des Kinderarzthauses am Donnerstag kam auch Stadträtin und Vizeammann Regula Dell’Anno (SP), zuständig für Gesundheit und Soziales. Sie kennt den Bedarf und zeigte sich sehr erfreut über das neue Angebot. Denn: «Eine kinderärztliche Begleitung von Eltern und Kindern ist wichtig und nachhaltig.»

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