Untersiggenthal

Kaffee und Kunst: Im neuen Café im Stroppel kann man fast alles mitnehmen

Grit Hoffmann (l.) und Beatrice Joray erfüllen sich im Stroppelareal in Untersiggenthal den Traum vom eigenen Café am Fluss.

Grit Hoffmann (l.) und Beatrice Joray erfüllen sich im Stroppelareal in Untersiggenthal den Traum vom eigenen Café am Fluss.

In der früheren Cafeteria der Zwirnerei in Untersiggenthal eröffnet das «Wolkenblau», wo Gäste nebst Kaffee trinken auch Kunst bestaunen können.

Über 150 Jahre lang wurde im Stroppelareal in Untersiggenthal Garn gezwirnt. Wo früher die Zwirnerei an der Limmatmündung stand, ist in den vergangenen dreissig Jahren eine einmalige Mischung aus Künstlerateliers, Wohnraum, Kleingewerbe und Kulturlokalen entstanden.

Was aber bis jetzt gefehlt hat: ein Ort zum Einkehren. Das ändert sich kommenden Mittwoch, wenn das «Wolkenblau Café & Design» eröffnet. Die beiden Betreiberinnen, Beatrice Joray (52) aus Lengnau und Grit Hoffmann (44) aus Niederrohrdorf bieten an der Stroppelstrasse 18 nicht nur Kaffee und Kuchen an, sondern Künstlern und Jungdesignern auch einen Ort, an dem sie ihre Werke zeigen können.

Mit dem Gedanken, ein Café zu eröffnen, spielten die beiden Frauen schon länger. «Wir sind beide viel unterwegs auf Reisen», sagt Grit Hoffmann. Dabei besuchten sie immer auch verschiedenste Cafés. «Vor allem in den skandinavischen Ländern gibt es kaum Ketten, die Cafés sind sehr individuell.»

Auf diesen Reisen ist der Traum gereift, ein eigenes Café zu eröffnen. Die beiden Frauen, die sich bereits seit über 20 Jahren kennen, suchten zuerst im näheren Umkreis von Baden nach einem Lokal, wo es viel Durchgangsverkehr hat. «Doch für ein kleines Start-up-Unternehmen ist das kaum finanzierbar.»

In der ehemaligen Cafeteria der Nähfadenfabrik Stroppel gegenüber des Garnhauses wurden sie schliesslich fündig. Zwar sei die Lage weniger zentral und rund 20 Minuten zu Fuss von der nächsten Bushaltestelle entfernt. «Dafür hat es genügend Parkplätze, die erst noch gratis sind.»

Café als Ausstellungsraum für Jungdesigner

Unterdessen können sich Grit Hoffmann und Beatrice Joray gar keinen anderen Ort mehr vorstellen für ihr Café: «Unsere Idee ist ideal für dieses Areal mit vielen Kunstschaffenden.» Denn das «Wolkenblau» ist nicht nur ein Café, sondern auch ein Ausstellungs- und Verkaufsraum für Künstler.

«Wir möchten Jungdesignern die Möglichkeit bieten, ihre Werke im kleinen Rahmen bei uns zu präsentieren», sagt Hoffmann. «Bei uns kann man fast alles kaufen und direkt mitnehmen – ausser, es ist fest verankert», ergänzt sie mit einem Schmunzeln.

Ziel wäre es, etwa alle zwei Monate anderen Künstlern die Möglichkeit zu bieten, ihre Werke zu präsentieren. Mit dem regelmässigen Wechsel der Aussteller verändert sich auch das Innere des Lokals. «Davon lebt unser Café», sind sich die beiden einig.

Die ersten beiden Monate zeigt Renate Moser, die im Stroppelareal wohnt, ihre Skulpturen, während an den Wänden Druckgrafiken von Blüten und Blättern des Ateliers Mirla hängen. Gäste sitzen auf den farbigen «Ticotaca»-Stühlen, designt in der Schweiz, hergestellt in Costa Rica, und können ihren Brunch oder Tee aus verschiedenstem Geschirr gezauberten Etageren von Agatha Abegg geniessen.

Für die Auswahl der Künstler haben die beiden Frauen kaum Kriterien. «Wir möchten Kunstschaffenden dabei unterstützen, sich zu etablieren.» So stünden auch mit verschiedenen Kunststudenten noch Gespräche an. Wichtig sei aber, dass pro Designrichtung oder Kunstform nur ein Künstler oder eine Künstlerin ausstellt, damit er oder sie auch die volle Aufmerksamkeit erhalte.

Sie arbeiten im Café und als Physiotherapeutinnen

«Jetzt ein Café zu eröffnen, ist schon eine Herausforderung.» Als sie im vergangenen Jahr das Lokal im Stroppel entdeckten, habe das Coronavirus noch nicht gewütet. Beide können der Situation aber Positives abgewinnen. «Wir fangen jetzt erst mal klein an und warten ab, wie das Café startet.» Grit Hoffmann und Beatrice Joray wechseln sich im Café jeweils ab und gehen weiterhin ihrer Arbeit als Physiotherapeutinnen nach.

Am Freitag und Samstag bieten sie Kaffee und Kuchen, Afternoontea, hausgemachten Eistee, Smoothies, Bier und salzige Snacks an, am Mittwoch und Sonntag auch noch Frühstück. Die Produkte stammen von regionalen Anbietern, die Konfitüre beispielsweise von der Stiftung Arwo in Wettingen. «Wir möchten gerne noch mit weiteren Stiftungen zusammenarbeiten. Das wird sich alles hoffentlich Schritt für Schritt ergeben.»

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