Nachruf

Josef Tremp: Er diente der Stadt Baden mit Herz und Verstand

Josef Tremp-Fäh (1933–2020).

Josef Tremp-Fäh (1933–2020).

Zum Gedenken an den ehemaligen Badener Stadtarchitekten Josef Tremp (1933–2020).

«Denk ich an die Altstadt in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht.» Schlaflose Nächte dürfte Josef Tremp, der am 24. Januar im Alter von 86 Jahren verstorben ist, manche gehabt haben; vor allem während der boomenden Sechziger- und zu Beginn der Siebzigerjahre, als in Baden die Abrissbirne gnadenlos wütete.

Die innere Altstadt war seine grosse Liebe, ihre Erhaltung seine Passion. Josef Tremp war nach seiner Ausbildung aus dem Kanton St. Gallen nach Baden gezogen, um hier die erste Stelle als Mitarbeiter auf dem Hochbauamt anzutreten und mit Annemarie Fäh, die er 1957 heiratete, eine Familie zu gründen.

Nach einem Intermezzo als Bauverwalter in Zuchwil wurde Josef Tremp vom damaligen Stadtammann Max Müller 1964 als Chef des Hochbauamtes nach Baden zurückberufen. Hier diente er bis zur Pensionierung. Ja, «Dienen» ist das richtige Wort.

Josef Tremp verstand sein Amt immer als Dienst für die Menschen der Stadt Baden. Seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Hochbauamt war er ein beliebter und geachteter Chef, eher sogar ein väterlicher Freund. Sein Wesen entsprach so gar nicht dem Klischee eines Beamten. Bescheidenheit war seine Zier, behördliche Arroganz lag ihm fern. Seine Beharrlichkeit fusste auf einer hart erarbeiteten inneren Überzeugung.

Neue Ideen in Zeiten des Umbruchs

Stadtarchitekt Josef Tremp prägte zusammen mit Stadtingenieur Gerhard Schibli und Stadtplaner Hans Wanner die Badener Stadtentwicklung ab den Siebzigerjahren zwei Jahrzehnte lang. Die drei waren in den stürmischen Zeiten des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbruchs ein eigentliches Dreamteam. Mit ihm liessen sich neue Ideen und Vorstellungen zur Stadtentwicklung und -gestaltung vorbereiten und umsetzen.

So sehr dem Verstorbenen die Erhaltung der gewachsenen Strukturen am Herzen lag, so positiv stand er qualitätsvoller moderner Architektur gegenüber. Der damals jungen Architektengeneration, die selbstbewusst und fordernd auftrat, begegnete er stets offen und verständnisvoll. Eine Art Vermächtnis von Josef Tremp ist der Badener Architekturführer, den er kurz vor seiner Pensionierung 1996 beim Kunsthistoriker und Architekturkritiker Claudio Affolter in Auftrag gab.

Ein grosses Faible für Kunst und Kultur

Kunst und Kultur waren Gebiete, in denen sich Josef Tremp gekonnt und mit Hingabe bewegte. Viele Jahre leitete er die städtische Kunstgalerie im Kornhaus und verantwortete die städtische Kunstsammlung. Mit vielen Künstlern pflegte er freundschaftliche Beziehungen. Kunst und Architektur gehörten in seinen Augen zusammen. Ausdruck dieser Überzeugung war das Kunstprozent, das er bei öffentlichen Bauten in die Kostenvoranschläge einfügte.

Damit ermöglichte er Künstlern, ein öffentliches Bauwerk mit einer persönlichen, gelegentlich provokativen «Duftmarke» zu versehen. Von Kunst verstand Josef Tremp nicht nur viel, er betrieb sie im Stillen auch selbst. Unzählige Holzschnitte mit anrührenden Motiven zeugen von seiner Kunstfertigkeit und erfreuten Freunde und Bekannte zu besonderen Anlässen.

Die Erinnerung an den Verstorbenen wäre unvollständig, liesse man seinen ausgeprägten Familiensinn und seine tiefe Religiosität unerwähnt. Seine Frau und seine fünf Kinder standen trotz des immensen beruflichen Engagements in der Rangliste immer zuvorderst, und seiner Kirche, der katholischen, war er nicht nur ein treuer Kirchgänger, sondern auch ein fundierter Architektur- und Bauberater.

Gäbe es einen Wakkerpreis für Persönlichkeiten, Josef Tremp hätte ihn verdient.

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