Das Wohnzentrum des christlichen Sozialwerks Hope platzt aus allen Nähten. Die Warteliste für die 17 Zimmer, die notdürftigen Menschen als Übergangslösung ein Dach über dem Kopf bieten, ist lang. Um der steigenden Wohnungsnot entgegenzuwirken, hat das «Hope» ein Projekt ins Leben gerufen, das im November 2013 mit einem NAB-Award von 15 000 Franken belohnt wurde: Neu mietet das Sozialwerk Wohnungen in Baden, mit dem Ziel, diese an Menschen, die am Existenzminimum leben, Sozialhilfe oder Invalidenrente beziehen, unterzuvermieten. Am 1. Februar haben die ersten zwei Mieter ihre Einzimmerwohnungen bezogen. «Dies, unter der Voraussetzung, von Mitarbeitern des sozialen Hilfswerks betreut zu werden», betont Geschäftsleiterin Daniela Fleischmann. Bis Ende Jahr will das «Hope» zehn Wohnungen untervermieten.

«Hope» mit Anfragen bombardiert

«Menschen, die am Rand der Gesellschaft leben, haben schlechte Karten bei der Wohnungssuche, Tendenz steigend», stellt Fleischmann fest. Diakon Stefan Grossenbacher, der für das «Hope» auch als Gassenarbeiter unterwegs ist, wird derzeit mit Anfragen bombardiert. Es sind aber nicht nur Gassenleute, die bei der Wohnungssuche auf Granit beissen. Häufig hat Fleischmann Anfragen von alleinerziehenden Müttern, die Sozialhilfe beziehen, oder von Menschen, die von der Invalidenrente leben, die sich ihre Wohnung aufgrund einer plötzlichen Renovation nicht mehr leisten können. Menschen, die am Existenzminimum leben, würden dadurch immer mehr von der Stadt aufs Land gedrängt. «Sobald Häuser abgerissen oder umgebaut werden, steigen die Mietpreise.» Der billige Wohnraum nehme immer mehr ab.

Laut Hildegard Hochstrasser, Leiterin Soziale Dienste, hat sich der Wohnungsmarkt in Baden im unteren Segment seit Anfang Jahr aber etwas entspannt. Die Sozialhilfequote steige erfahrungsgemäss mit dem grösseren Angebot an billigen Wohnungen. Ein Blick auf die Zahlen: 318 Sozialhilfebezüger hat die Stadt Baden Ende 2013 gezählt, das sind 67 Personen mehr als 2010. Auch wenn die Tendenz leicht steigend ist, gemessen mit 18 000 Einwohnern sind 318 Sozialfälle nicht viel. Ein Vergleich: Aarau, eine Stadt mit 20 000 Einwohnern, hat 2013 knapp 600 Sozialhilfebezüger betreut, also fast doppelt so viele wie Baden.

Betreibungen sind ein Problem

Doch auch wenn sich der Wohnungsmarkt im unteren Segment etwas entspannt hat – Tatsache ist, dass es auch für Otto Normalverbraucher eine Herausforderung ist, eine bezahlbare Wohnung in Baden zu finden. Die Nachfrage ist gross, das Angebot klein. Liegt eine Betreibung vor, wird das Ganze noch komplizierter. Wer am Rand der Gesellschaft lebt und zusätzlich betrieben wird, für den wird es richtig schwierig.

Vermieter wollen auf der sicheren Seite sein. «Wir mieten die Wohnungen auch, um dem Vermieter Sicherheit zu geben», betont Fleischmann. Das «Hope» sei Garant für den Mietzins und Ansprechpartner des Vermieters bei Schwierigkeiten. Der Mieter müsse trotz Betreuung aber auch Eigenverantwortung zeigen. «Wir können noch so viele Angebote schaffen. Menschen, die sich nicht integrieren oder betreuen lassen wollen, geraten in einen Teufelskreis.» Jetzt gilt es für die Mitarbeiter des sozialen Hilfswerks, weitere Wohnungen in Baden zu suchen. Fleischmann erhofft sich, dass sich der Ansturm betreffend Wohnraum beim «Hope» dadurch entspannt.