Wettingen

Ist der Wettinger Waldchindsgi doch noch zu retten?

Für Wettinger Kindergärtler bleibt der Waldkindergarten ein Traum. Möglich wäre eine Light-Version. (Symbolbild)Archiv AZ

Für Wettinger Kindergärtler bleibt der Waldkindergarten ein Traum. Möglich wäre eine Light-Version. (Symbolbild)Archiv AZ

Kein Wald, keine Gerechtigkeit, zu hohe Kosten: Der Wettinger Gemeinderat lehnt den Natur- und Bewegungskindergarten ab. Damit bleibt für die Wettinger Kindergärtler der Waldkindergarten ein Traum.

Kinder sollen im Waldkindergarten ihre Kreativität, Konzentration, Ausdauer und ihr Sozialverhalten besser entwickeln als Kinder in normalen Kindergärten. Dies zumindest ergaben Studien in der Schweiz und im Ausland. Eine gute Sache also. Doch in Wettingen dürfte kaum je ein anderer Kindergarten für so heftige Diskussionen gesorgt haben wie eben ein solcher Waldkindergarten. Dabei existiert er bis heute nicht und wurde inzwischen umbenannt in «Natur- und Bewegungskindergarten» (NBK).

Der Gemeinderat wollte das Projekt bereits Ende 2013 bachab schicken. Doch damals löste nicht der Chindsgi selbst eine hitzige Debatte aus. Vielmehr hiess es in der Einwohnerratsitzung von verschiedenen Seiten, der Bericht des Gemeinderates unterschlage Informationen. Paul Koller (CVP) etwa sagte: «Es geht für mich heute noch nicht um den Waldkindergarten. Für mich geht es darum, ob der Einwohnerrat einen Bericht in der vorliegenden Qualität akzeptiert.» Er tat es nicht. Die Geschäftsprüfungskommission hatte im Vorfeld der Einwohnerratssitzung eigene Recherchen betrieben und daraufhin einen Gegenantrag gestellt. Dieser verlangte vereinfacht gesagt eine detailliertere Vorlage für einen NBK – inklusive Kreditbegehren. Heute, eineinhalb Jahre später, liegt sie auf dem Tisch und soll an der kommenden Einwohnerratssitzung vom 24. Juni diskutiert werden. Zwar hat der Gemeinderat einen Vorschlag für einen NBK, doch den Chindsgi will er eigentlich ins Abseits befördern. Dieses Mal legt er sein Argumentarium auf elf Seiten aus.

Kein Vollzeit-Waldkindergarten

Das wohl wichtigste Kriterium: Für den Kindergarten braucht es in erster Linie Wald. Doch Wettingen hat keine Waldfläche, die man für einen solchen Kindergarten nutzen dürfte. Alternativ schlägt er die Tödiwiese (Chlosterfeld) als Standort für den NBK vor.

Weiter sei ein Vollzeit-Waldkindergarten aufgrund der gesetzlich vorgegebenen Lernziele des Kantons nicht möglich. Möglich sei aber, zwei Gruppen zu je 50 Prozent in einem NBK zu unterrichten. Dadurch brauchen jedoch beide Gruppen zusätzlich normale Schulräume und sie müssen für den Turnunterricht eine Halle nutzen können. Zudem bräuchten die Gruppen nebst den regulären Lehrpersonen je eine Klassenhilfe. Der Gemeinderat rechnet deshalb mit jährlichen Mehrausgaben von 50 000 bis 100 000 Franken und einmaligen Investitionskosten von 10 000 bis 18 000 Franken. Weil maximal 10 Prozent der Wettinger Kindergärtler von dem Angebot profitieren könnten, schreibt der Gemeinderat: «Die gezielte Förderung von maximal 40 Kindern durch den Besuch eines Natur- und Bewegungskindergartens schafft ungerechte Bildungsvoraussetzungen.»

«An den Haaren herbeigezogen»

Trotz der Argumentation des Gemeinderates zeigt sich Einwohnerrat Robin Bauer (CVP), der 2011 den Vorstoss für einen Waldkindergarten eingereicht hatte, mit der heutigen Vorlage grundsätzlich zufrieden. «Der Gemeinderat legt eine übersichtliche Analyse der Möglichkeiten vor», sagt Bauer. «Doch die Vorlage enthält einen unüberhörbar ablehnenden Ton.» Zwar sei klar, dass man die Auflagen des Kantons befolgen müsse und der Naturschutz zu respektieren sei. «Dagegen ist das Argument der ungerechten Chancenverteilung meines Erachtens an den Haaren herbeigezogen.» Denn sonst wäre auch jeder neue Kindergarten, der nach den neusten Erkenntnissen gebaut werde, gegenüber einem älteren Kindergarten ein ungerechter Vorteil für die Kinder, die im neuen Kindergarten sind.

Dennoch habe der Gemeinderat mit der Tödiwiese einen Standort gefunden, aus dem sich mit Mut und Kreativität durchaus ein guter Natur- und Bewegungskindergarten machen liesse, sagt Bauer. «So eine ‹Light-Version› spricht möglicherweise sogar mehr Eltern an als ein klassischer Waldkindergarten, weil die Eltern sich einen solchen Unterricht besser vorstellen können, als jenen in einem Waldkindergarten», argumentiert Bauer.

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