Wer neuer Gerichtspräsident am Bezirksgericht Baden und Nachfolger von Bruno Meyer (SP) wird, entscheidet sich in einem zweiten Wahlgang am 19. Mai. Bereits am Sonntagabend gab die EVP bekannt, dass ihr Kandidat Christian Bolleter (10718 Stimmen im 1. Wahlgang) erneut antreten werde.

Seit gestern Mittwoch steht fest, dass auch Christian Fischbacher (SP, 6325 Stimmen) wieder kandidieren wird, wie es in einer Mitteilung der SP des Bezirks Baden heisst. Ob es erneut zu einem Dreikampf kommen wird, hängt vom noch ausstehenden Entscheid von Nadine Hagenstein (GLP, 6068 Stimmen) ab.

Bemerkenswert ist der letzte Abschnitt im gestrigen Communiqué der SP: «Nicht das Wahlkampfbudget, sondern der persönliche Eindruck soll den Bürgerinnen und Bürgern eine Entscheidung ermöglichen», heisst es. Deshalb werde die SP des Bezirks Baden die anderen Kandidierenden zu öffentlichen Hearings einladen, die Bevölkerung sei herzlich eingeladen.

Dass die SP-Bezirkspartei das Thema des Wahlkampfbudgets erwähnt, hängt zweifellos damit zusammen, dass sich die Kampagnen der drei Kandidaten unterscheiden. GLP-Bezirksparteipräsident Orun Palit – Nadine Hagenstein verweist an ihn – formuliert es so: «Es ist offensichtlich, dass Christian Bolleter mit Abstand am meisten in den Wahlkampf investiert hat. Aber das ist legitim, und das Resultat des ersten Wahlgangs beweist, dass er vieles richtig gemacht hat. Seine grosse Präsenz auf Plakaten, in Zeitungen und Flyern beweist den Wählern, dass er den unbedingten Willen hat, Gerichtspräsident zu werden.»

Palit fragt sich, ob es Sinn mache, Richter vom Volk wählen zu lassen, «wenn man mit viel Geld die Wahlen beeinflussen kann». Vielleicht sollten Richter im Aargau ähnlich wie in Zürich von einem professionellen Gremium bestimmt werden, so Palit.

Florian Vock, Bezirksparteipräsident der SP, findet klare Worte: «Ich will nicht, dass das Amt des Gerichtspräsidenten gekauft werden kann. Geld spielt zweifellos eine Rolle, weil bei Gerichtswahlen eher unbekannte Kandidaten antreten, die keine politischen Debatten führen. Wir zeigen die Kompetenzen unserer Kandidierenden so gut wie möglich auf, diese werden fachlich und auf der Personal- und sozial-kommunikativen Ebene geprüft. Aber wie erfahren Bürgerinnen und Bürger davon, wenn sich die Wahlkampfbudgets stark unterscheiden?»

4000, 13 000 und rund 25 000 Fr.

Die AZ bat die drei Kandidaten beziehungsweise ihre Parteien, die Wahlkampfbudgets offenzulegen. GLP-Bezirksparteipräsident Orun Palit spricht von insgesamt 4000 Franken, die je zur Hälfte von der Kandidatin und der Partei bezahlt werden. SP-Bezirksparteipräsident Florian Vock: «Die Kampagne von Christian Fischbacher kostete insgesamt rund 13 000 Franken.»

Christian Bolleter gab der AZ persönlich Auskunft. «Die EVP Bezirk Baden investierte 8000 Franken in den Wahlkampf. Neben meinem persönlichen Beitrag im tieferen fünfstelligen Bereich ist bei meinem Wahlkampf mein grosser persönlicher Einsatz mit viel Herzblut und die Motivation und Unterstützung durch sehr viele Freundinnen und Freunde ganz zentral.»

Mehrfach hätten sich Personen aus seinem Freundes- und Bekanntenkreis gemeldet, um ihn gratis zu unterstützen, weil sie von seinem Engagement überzeugt seien. «Zudem war mir von Anfang an ein enger Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern ganz wichtig. Mit unzähligen Gesprächen auf der Strasse habe ich den Kontakt direkt gesucht. Ich denke, das war für mein gutes Resultat im 1. Wahlgang absolut entscheidend.» Seine Ausgaben bewegten sich «im üblichen Rahmen» bisheriger Gerichtspräsidentenwahlen im Kanton, sagt Bolleter. «Die Ausgaben schätzen wir aktuell auf 20 000 bis 25 000 Franken.»

EVP-Bezirksparteipräsidentin Lilian Studer: «Beim Wahlkampf von Christian Bolleter ganz zentral ist sein sehr grosser persönlicher Einsatz mit viel Herzblut und die Motivation und Unterstützung durch sehr viele Freundinnen und Freunde.» Zudem sei ihm von Anfang an ein enger Kontakt zu den Bürgerinnen und Bürgern ganz wichtig gewesen. Es seien spannende Gespräche entstanden.

Studer: «Mit Wahlkampfbudget hat dies nichts zu tun; ebenso wenig ist das ausgezeichnete Wahlresultat von einem Wahlbudget abhängig. Wir sind überzeugt, dass sich die Wählerschaft sehr wohl ein differenziertes Bild der Kandidierenden machen konnte und sich bei Richterwahlen nicht über Wahlkampagnen beeinflussen lässt.» Bolleter habe denn auch oft die Rückmeldung erhalten, dass er als «sehr differenzierte, fachkundige und lokal-verbundene Person» überzeuge.