Baden

Integration leichter gemacht: Freiwillige unterstützen Flüchtlinge im Alltag

Co-Piloten und Flüchtlinge nutzen auch Zeichnungen und Luftballons zur Kommunikation.

Co-Piloten und Flüchtlinge nutzen auch Zeichnungen und Luftballons zur Kommunikation.

«Grau», sagt Aysha Taher. Hochkonzentriert arbeitet die fünffache Mutter in der Stadtbibliothek Baden an einem Arbeitsblatt zum Thema Farben. Hier trifft sie sich zwei bis drei Mal im Monat mit Annalise Walser, die das Unterrichtsmaterial vorbereitet. Aysha Taher lernt mithilfe von Annalise Walser im Rahmen des Projekts Co-Pilot der Non-Profit-Organisation Caritas die Sprache Deutsch. «Co-Pilot» laufe seit 2016 im Kanton Solothurn, sagt Isabelle Odermatt, die das Projekt im Aargau leitet: «Die Idee entstand, als die Flüchtlingswelle auch die Schweiz erreichte. Es gab viele Freiwillige, die sich beim Kanton meldeten, um Flüchtlingen zu helfen. Der Kanton ist dann auf die Caritas Solothurn zugekommen, die das Angebot Co-Pilot auf die Beine stellte.» Seit letztem Jahr gibt es das Projekt auch im Kanton Aargau, nachdem die Caritas zur Mithilfe aufgerufen hat.

Zum Auftakt fanden sich allein in der Region Baden 31 Personen, sogenannte Co-Piloten, die ein Jahr lang je einen Flüchtling im Alltag unterstützten. Die Partner fanden sich anhand von Fragebögen, so Odermatt: «Beim Anmelden können die Freiwilligen verschiedene Interessensbereiche angeben, wie Bildung und Beruf oder Kinder und Schule. Auch die Flüchtlinge geben ihre Interessen an. So versuchen wir, Menschen mit möglichst ähnlichen Interessen zusammenzuführen.» Der Co-Pilot trifft sich dann im Schnitt vier bis sechs Stunden pro Monat mit dem Flüchtling zum Unterricht, zu Freizeitaktivitäten oder steht in sonstigen Angelegenheiten zur Seite. Dabei kann sich grundsätzlich jede Person melden, sagt Odermatt: «Ein Co-Pilot sollte offen und interessiert an Menschen sein. Dabei geht es auch darum, sich mit der Kultur des jeweiligen Flüchtlings auseinanderzusetzen.»

Kurzer Kurs, lange Wirkung

Die Caritas bereitet angehende Co-Piloten an zwei Abenden auf die neue Herausforderung vor. Dabei steht die Hilfe für Flüchtlinge mit Theorie und Fallbeispielen im Zentrum. «Wir bieten zudem regelmässig Erfahrungsaustausche an. Die Idee ist, dass sich die Co-Piloten auch untereinander vernetzen», erklärt Odermatt. Unter den Freiwilligen befinden sich neben Schweizern auch Ausländer. Ein positiver Aspekt, findet Odermatt: «Sie können Flüchtlinge auch mit eigenen Erfahrungen beraten, was extrem hilfreich sein kann.» Finanziell unterstützt wurde das Caritas-Projekt bisher vom Swisslos-Fonds, was Odermatt auch für dieses Jahr wieder hofft. Die Rückmeldungen von den Flüchtlingen, für die das Angebot ebenfalls freiwillig ist, seien positiv, so Odermatt: «Wir wollen 15 Freiwillige für die nächste Ausgabe des Projekts Co-Pilot engagieren.»

Infoabend Projekt Co-Pilot am 4. April, 19 Uhr, Chorherrehus, Kirchplatz Baden.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1